Der Chinese | Henning Mankell
Bücher:
Der Chinese
Henning Mankell
ZSOLNAY-VERLAG
, 2008 - 603 Seiten
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Mordfall wie zu alten Wallander-Zeiten, allerdings mit schwieriger politischer Message
Was die politische zweite Hälfte dieses Buches betrifft, ging es mir wie den meisten Lesern, die hier bereits ihre Meinung kundgetan haben.
* Achtung - beinhaltet inhaltliche Details *
Auch ich fragte mich, ob es Mankell darum gegangen ist, die Vorteile der maoistisch-alten Lebensweise speziell herauszustreichen - oder ob er eben genau diesen Konflikt zwischen dem "alten" und dem "modernen" China einfach aufzeigen wollte. Genauso wie andere Leser hätte ich mir gewünscht, dass das moderne China nicht ausschließlich durch einen macht/geldgierigen Ya Ru vertreten wird, sondern beide Seiten ein wenig mehr im Gleichgewicht geschildert werden. So entsteht für nicht-China-Interessierte der Eindruck, dass die marktwirtschaftlichen Einflüsse ausschließlich negativ bzw. vielmehr noch: das alt-maoistische China hauptsächlich positiv gewesen sei.
* inhaltliche Details zu Ende *
Trotzdem muss ich hier festhalten, dass ich große Freude beim Lesen dieses Buches hatte. Jedes Mal, wenn ich es weglegte, freute ich mich schon auf den Moment, an dem ich es weiterlesen würde. Das passiert mir nicht so oft, vorallem hält es bei mir nur selten an wenn ein Buch mehr als 500 Seiten besitzt.
Mir persönlich hat "Der
Chinese
" weitaus besser gefallen als "Kennedys Hirn" und ich fand auch die Rahmenhandlung rundherum wieder ganz wie zu alten Wallander-Zeiten. Spannender Mordfall mit einem Hauptcharakter beschrieben voller Einfühlsamkeit und sehr menschlich.
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Gelungener Spagat
Zu diesem Buch ist bereits sehr viel geschrieben worden, daher nur ganz kurz: Die häufigste hier vorgebrachte Kritik bezieht sich darauf, dass sich Mankell angeblich nicht entscheiden konnte, ob er nun einen Krimi oder ein politisches Buch schreiben möchte ... Ich verstehe den damit konstruierten künstlichen Gegensatz nicht. Warum kann man nicht beides versuchen? Ich jedenfalls finde, dass der Versuch ganz gut gelungen ist. Das Buch ist spannend geschrieben und überhaupt nicht langatmig. Wer allerdings eine ewige Wiederholung des bekannten Musters der Wallander Krimis sucht, ist hier falsch ...
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der chinese
Über den Inhalt wurde genug geschrieben. Für mich ist es das beste Mankell Buch überhaupt!
Ein guter Mankell - auch wenn es doch kein Wallander geworden ist
Mankell beginnt das Buch in der Tradition eines Wallander Kriminalromans. Dem Leser wird von einem blutrünstigen Massenmord in der nordschwedischen Provinz berichtet. Ein Massaker hat stattgefunden, brutal und bestialisch ausgeführt. Ohne erkennbares Motiv wurde nahezu die gesamte Dorfgemeinschaft getötet, überwiegend alte Menschen, die in dem fast verlassenen Dorf wohnten. Die Polizei steht vor einem Rätsel, die Presse und die Medien belagern den Ort, die Aufklärung des Verbrechens macht keine Fortschtritte. Einzig eine engagierte Richterin aus Südschweden beschäftigt sich aus privaten Motiven mit dem Fall und findet erste Anhaltspunkte, die von der örtlichen Polizei aber nur widerwillig in die Ermittlungen miteinbezogen werden.
Dann macht Mankell mit der Geschichte einen Zeitsprung zurück ins mittlere bis späte neunzehnte Jahrhundert. Der Leser begibt sich mit einem jungen
Chinese
n auf eine Reise voller Qualen, Entbehrungen und Tod. Mit seinen zwei Brüdern flieht ein junger chinesischer Bauer vor der Wilkür eines Großgrundbesitzers und landet schliesslich als Sklavenarbeiter beim Eisenbahnbau im nördlichen Nevada unter der Knute eines brutalen und menschenverachtenden schwedischen Vorarbeiters. Seine zwei Brüder überleben nicht, nur er schafft es, nach Jahren wieder nach Hause zu kommen, lernt schreiben und zeichnet seine Erlebnisse in Tagebuchform für die Nachwelt auf.
Wieder macht Mankell einen Zeitsprung und wir finden uns im modernen China des Jahres 2005 wieder. Der Leser lernt einen Chinesen mittleren Alters kennen, der viel Geld, Einfluss und Macht besitzt. Aber nicht nur dies, er besitzt auch ein 130 Jahre altes Tagebuch von einem seiner Vorfahren. Schnell wird klar, dass es sich bei dem Tagebuch um die Aufzeichnungen des ehemaligen chinesischen Sklavenarbeiters handelt, der zum Ende seiner Chronik über die Schmach und die verlorene Ehre berichtet, unter der er und seine Familie zu leiden hatten und sich dafür Genugtuung wünscht, die er nun jenen überlassen muss, die nach ihm kommen, da er selbst nun zu alt und zu schwach dafür sei. Der Nachfahre im modernen China ist mit den nötigen Mitteln und dem nötigen Einfluss ausgestattet, diesem Wunsch seines Vorfahren endlich nachzukommen. Er bauftragt einen Vertrauten ins ferne Ausland zu reisen und das zu tun, was zu tun ist.
Nun geht Mankell wieder zurück nach Nordschweden zu der engagierten Richterin, die immer mehr Hinweise zu Täter und Tatmotiv findet und sich immer intensiver der Auflösung des Falls widmet. Sie reist sogar nach China, stösst dabei an Grenzen und gerät in Situationen, die ihr viel abverlangen. Der Roman beginnt nach dieser Vorgeschichte quasi erst und entwickelt sich zu einer dramatischen und spannenden Kriminalgeschichte mit vielen politischen, kulturellen und sozialkritischen Aspekten, wie man es von Mankells Romanen gewohnt ist. Ängste des Autors vor einer Kolonialisierung Afrikas durch die Chinesen werden laut und seine kritische Haltung gegenüber einem chinesischem System, das mittlerweile weltweit zu greifen beginnt, wird spürbar. Eine zugegenermassen sehr konstruierte Geschichte, aber es ist ja schliesslich das Privileg eines Schriftstellers, gute Geschichten zu konstruieren. Und diese Geschichte ist gut, sogar sehr gut, wie ich finde. Ein starkes Buch von Henning Mankell, das nach meiner Meinung zu seinen besten Nicht-Wallander-Romanen gehört. Für Mankell Fans ohnehin ein Muss, für alle anderen gebe ich die Bewertung vier Punkte.
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