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Lea
Pascal Mercier

Hanser, 2007 - 256 Seiten

Kundenbewertung:(38 Bewertungen)
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Einfach wieder atmen können...

...das, denke ich, wünschte sich die Tochter und später dann der Vater. Beide müssen feststellen, dass die Kathetrale aus Tönen, die Lea um sich errichtet, das musikalische Genie nicht nur schützt, sondern auch hinter undurchdringlichen Mauern einsperrt.
Manchmal möchte man Lea packen und schütteln, damit sie erwacht. Doch meist fehlt einem selbst plötzlich die Luft und man droht zu ersticken, während man im Sog eines Wunderkindes langsam mit nach unten gezogen wird.
Ein wunderschönes Buch, traurig und zugleich herrlich, zwischen Resignation und Hoffnung.



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Mercier in Bestform

Wieder ein Buch von Mercier, das einfach pures Lesevergnügen bringt. Seine Sprache ist so sanft, so tiefgründig, so mitfühlend, so wunderschön - kaum ein Autor kann da mithalten.
Die Geschichte rund um Lea lässt den Leser den Atem anhalten und erst am Ende vom Buch mit einem tiefen Seufzer wieder ausatmen. Man kann das Unglück dass über Vater und Tochter hereingebrochen ist förmlich spüren. Dieses Buch zu lesen ist ein Genuss, gleichzeitig berührt es einen so tief, man möchte meinen van Vliet erzählt einem selbst seine tragische Geschichte. Es ist, als wäre man mit ihm auf seiner Reise zurück nach Bern. Auch nach dem Schließen des Buchdeckels lässt die Geschichte nicht sofort los, sondern man trägt sie noch eine lange Zeit lang mit sich.
So, wie es nach einem guten Buch sein sollte.


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Spannende Schmonzette

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Professor Triviales schreibt. Man denke hier an Erich Segal, den überaus erfolgreichen amerikanischen Litaraturwissenschaftler, mit seinem verfilmten Weltbestseller "Love Story". Peter Bieri alias Pascal Mercier wollte mit "Lea" bestimmt nicht einen Geheimtipp für Germanisten verfassen sondern Auflage machen. Mit seinem fremdsprachigen Pseudonym begibt sich Bieri allerdings auch in die Nähe von Groschenheftautoren.

Die Handlung dieser Vater-Tochter-Geschichte lässt sich in kurzen, dürren Worten beschreiben: Die kleine Lea überwindet die Trauer über den Tod der Mutter nur durch das Geigenspiel. Sie entwickelt sich vom Wunderkind zum gefeierten Jungstar, verliert am Ende ihren Verstand und begeht Selbstmord. Der Vater Martijn van Vliet ordnet sich dem Ehrgeiz seines Kindes unter und wird durch Unterschlagung, um mit diesem Geld seiner Tochter eine echte "Guarneri del Gesù"-Geige kaufen zu können, straffällig. Auch van Vliet sucht am Ende dieser Novelle den Freitod. Bis es dazu kommt, erzählt er auf einer langen Autofahrt Adrian Herzog, einem ebenfalls gescheiterten Vater, den er kurz vorher zufällig in einem Café kennenlernte, Leas Geschichte, oder besser gesagt, seine eigene Geschichte.

Bei dieser Handlung wird zwar manches Klischee bedient, aber der Verfasser versteht es immer wieder den Handlungsbogen anzuspannen, so dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen mag. Dazu trägt die indirekte Erzählweise über van Vliet an Adrian Herzog bei, die anfangs umständlich wirkt, danach aber die Handlung geschickt unterbricht, um den Leser neugierig auf die Fortsetzung der Geschichte zu machen. Nervig sind alleine die kokettierend eingeflochtenen fremdsprachlichen, vornehmlich französischen, Zitate, welche nicht unbedingt jeder Bildungsbürger auf Anhieb versteht und die Reminiszenzen an Figuren wie Tom Courtenay oder Jean-Louis Trintignant, die bestimmt vielen Lesern - wie auch dem Rezensenten - kein Begriff sind.

Diese Novelle zählt bestimmt nicht zur großen Literatur. Sie dient als spannungsreiche, kurzweilige Unterhaltungslektüre und als Anregung, mal wieder die von Itzhak Perlman glänzend gespielte Partita Nr. 3 in E-dur von Johann Sebastian Bach anzuhören.



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Gedankenanstöße

Lea hat früh ihre Mutter verloren. Der Vater, Martijn van Vliet, würde alles in seiner Macht stehende tun, um seiner Tochter den Schmerz zu lindern. Er leidet, wenn er Leas Trauer sieht. Es ist ihm nicht möglich seine Gefühle für Lea zum Ausdruck zubringen. Er leidet Stumm. Dieses Verhalten ist typisch für seinen Charakter. Van Vliet ist zu sehr in sich gekehrt. Seiner Frau hat er nie richtig seine vorhandenen Gefühle zeigen können. Die Botschaft über die Schwangerschaft mit Lea hat in ihm eine Ohmacht aus Angst vor der Verantwortung ausgelöst, die auch Stumm in ihm ruhte.
Zu Beginn der Erzählung begegnet van Vliet einem Fremden. Innerhalb der ersten gemeinsamen Stunden verliert der Vater seine Zurückhaltung und möchte seine Geschichte erzählen.
Leas Rolle geht aus dieser Erzählung des Vaters hervor. Das kleine Mädchen macht nach dem Verlust der Mutter eine dramatische Wesenveränderung durch. Der Wendepunkt tritt bei beiden ein als diese einer Geigerin zuhören. Van Vliet kann zum ersten mal nach dem Tod seiner Frau die Begeisterung seiner Tochter spüren. Dieses Gefühl macht ihn glücklich, er will das Interesse seiner Tochter unterstützen und sieht die Musik als eine Therapieform für Lea an. Lea ist wie besessen und übt unermütlich. Schnell stellen sich ihre ersten Erfolge ein. Doch etwas stimmt nicht und das merkt auch Van Vliet, sein Wunsch ist stärker als die Bedenken. Lea wird durch die klassische Musik zu seiner selbstbewussten Frau. Sie nutzt ihre Stärken und verletzt ganz deutlich und auch bewusst die Menschen die ihr nah sind. Es ist nun auch kein Bezug mehr zu dem kleinen Mädchen zu erkennen, das die Musik bewunderte. Van Vliet ist immer dabei, will aber manches nicht wahrhaben und verwirft seine Zweifel. Zuviel hat sich in Leas Wesen aber schon unwiederbringlich verändert und beide steuern getrennt durch die Zurückhaltung in die gemeinsame Tragödie.
Mich hat die Art der philosophischen Poesie, wie auch schon im Nachtzug, fasziniert. Mercier hält die Spannung konstant am oberen Limit. Die Gefühle für die Protagonisten haben bei mir ständig geschwankt.



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reviews: 1, page 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8



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