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  Der Klavierstimmer | Pascal Mercier
 
 
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Der Klavierstimmer
Pascal Mercier

btb Verlag, 2000 - 508 Seiten

Kundenbewertung:(31 Bewertungen)
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Bewegendes Familienporträt

Wohl kaum einer versteht es derzeit so gut, mit Sprache etwas so eindrucksvoll und glaubwürdig zu beschreiben wie Pascal Mercier. Da füllt die Beschreibung über den Tonfall eines bestimmten Satzes oder den Ausdruck von Wut eines Charakteres mehrere Seiten und vor dem inneren Auge des Lesers entsteht eine fast greifbare Welt...
Die Welt von Patrice und Patricia, einem Zwillingspärchen, das vor einigen Jahren voreinander und von zu Hause floh. Grund war nicht nur die herrische Mutter, sondern eine inzestuöse Beziehung der beiden. Nun kommen sie wieder in ihr Elternhaus zurück, um die Beweggründe für die schreckliche Tat ihres Vaters zu begreifen, der während einer Aufführung der Oper "Tosca" den Tenor erschossen hat. Sie beschließen, sich ihre Gedanken und Eindrücke in Hefte aufzuschreiben, die sie an einem ausgemachten Treffen sich gegenseitig überreichen wollen.
Und so beginnt jeder von ihnen zu schreiben und taucht in seine jeweilige Vergangenheit, erzählt von der Mutter, die morphiumabhängig war, vom Vater, der halb besessen davon war, ein berühmter Opernkomponist zu werden und von ihren Gefühlen zueinander...

Pascal Mercier zeichnet ein unglaublich scharfes und eindrucksvolles, sehr düsteres Familienporträt. Um ein verkapptes, fast wahnsinniges Genie spinnt sich diese tragische Geschichte der beiden Geschwister und fesselt vor allem durch ihre interessante Erzählweise: nicht nur die Erzählperspektive wechselt von Patrice zu Patricia und wieder zurück, sondern auch die Anrede: einmal wird der Vater angeredet, dann wieder der Bruder oder die Schwester, um nach einer kurzen Ausflucht zur Mutter wieder zu Patrice oder Patricia zu wechseln. Nach und nach entsteht so ein immer schlüssigeres Bild von der Familie Delacroix, das sich aber stets wandelt und den Leser gerne auch einmal in die Irre führt.

Ein wunderbar, sprachlich außergewöhnlicher, zeitnaher und sehr berührender Roman, der zwar durch seine Originalität und das besondere Verflechten der Erzählebenen besticht, es jedoch trotzdem nicht ganz mit "Nachtzug nach Lissabon" aufnehmen kann.


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Gemischtes Leseerlebnis

Sehr interessant, vielschichtig, sprachlich sehr gelungen - aber oftmals langatmig und für mich bei weitem nicht so fesselnd wie Nachtzug nach Lissabon.


Ein Dokument der Vergeblichkeit

Ich habe vor einiger Zeit den Roman "Nachtzug nach Lissabon" gelobt, ich war gespannt mehr vom Autor dieses Romans zu lesen. Ich las nun "Der Klavierstimmer" von Pascal Mercier und bin wiederum begeistert.
Der Tod der Eltern führt ein seit einigen Jahren getrennt lebendes Geschwisterpaar wieder zusammen. Sie vereinbaren, das getrennt erlebte aufzuschreiben und dem anderen bei einem Treffen auszuhändigen. Die beide verbindet mehr als die übliche Geschwisterliebe; sie versuchen ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, sie berichten von den Gesprächen mit den Eltern. Die immer wieder veränderte Erzählperspektive macht das alles so spannend, so ungemein lesbar.
Nun kommt hinzu, daß die Eltern eines schönen Abends in die Oper gegangen sind und einen weltberühmten Tenor erschießen. Ich erzähle hier nicht, wer es getan hat, ich erzähle nicht, was hinter diesem Mord steht. Ich will nur verraten, daß der Klavierstimmer, der Vater der Geschwister, Opern komponiert, daß er aber nicht erfolgreich ist. Seine Versuche, eine seiner Opern zur Anerkennung und zur Aufführung zu bringen, sind vergeblich. Die Aufzeichnungen der Mutter über Ballettänzerinnen, über ihre Mutter und Großmutter liegen im Nachlaß. Die Liebe der Geschwister ist nicht zulässig, es ist eine vergebliche Liebe. Und selbst das Ende bringt zum Ausdruck, wie vergeblich alle Bemühungen waren, die Gefühle aufzuschreiben. Eine Jugendbande überfällt sie und klaut die Aufzeichnungen. Ziemlich am Ende dieses wunderschönen Buches vertraut die Schwester ihren Aufzeichnungen an, daß das Buchmanuskript der Mutter ebenso wie die Partituren des Vaters Dokumente der Vergeblichkeit darstellen. Das ist die genaue Definition dieses gesamten Romans.
Noch ein Wort zu dem Ton dieses Romans. Man hört das Schweizerdeutsch des Autors, es schwingt und klingt. Man merkt, daß der Autor studierter Philosoph ist, denn wo sonst könnte man Sätze wie die folgenden lesen?
"An Schmerz kann man Anteil nehmen und die Anteilnahme kann lindern."
"Wieviel Abgrenzung verträgt die Liebe? Damit es noch Liebe ist?"
"..., überfielen mich Trauer und eine kindische Wut auf die Zeit und ihr unbarmherziges Verfließen."
Ich wünsche diesem Roman viele Leser und mir noch mehr Lektüre von Peter Bieri alias Pascal Mercier.



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Fantastisch!

Ein langsam beginnender, dann aber immer fesselnderer Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Eine unglaubliche Beschreibung der menschlichen Abgründe und Sehnsüchte und der tiefen familiären Verwurzelung. Obwohl nicht so bekannt, doch um Klassen besser als der mittlerweile jedem bekannte "Nachtzug nach Lissabon"!


reviews: 1, page 2, 3, 4, 5, 6, 7



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