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  Der Zug war pünktlich | Heinrich Böll
 
 
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Der Zug war pünktlich
Heinrich Böll

Dtv, 1972 - 123 Seiten

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Wider die Ermordung des Gewissens

Der 23jährige Andreas, der Ende September 1943 irgendwo im Ruhrgebiet einen Fronturlauberzug besteigt, ist ein durchschnittlicher deutscher Soldat. Gleich von der Schule weg musste er zum Arbeitsdienst, vom Arbeitsdienst zur Wehrmacht. Dreimal schon wurde er verwundet : bei Amiens, bei Tiraspol und in Nikopol. Davon, dass er ein Herrenmensch sein soll, spürt er wenig. Im Gegenteil : Er fühlt sich als Werkzeug missbraucht, das überall, wo es eingesetzt wird, nichts als Tod und Elend bringt und letztlich um sein Leben betrogen wird. Daher ist er in diesem Herbst 1943 innerlich ausgezehrt und verbraucht und hat auch keine Kraft mehr, sich von seinen Fesseln zu befreien. Scheinbar willenlos besteigt er den Zug an die Ostfront und wird bald von der Gewissheit heimgesucht, am Ende der Reise erwarte ihn der Tod. Er beschließt, was ihm an Lebenskraft übrigbleibt, dafür zu benutzen, mit sich ins Reine zu kommen und als rechtschaffener Mensch zu sterben. Diese letzte Reise führt vom Ruhrgebiet über Dresden nach Przemysl und von dort nach Lemberg, wo Andreas in seiner letzten Nacht die gleichaltrige Olina kennenlernt, die als Prostituierte in einem deutschen Bordell für die polnische Widerstandsbewegung arbeitet. Als sie erkennt, sie habe es mit einem zu tun, dem es lediglich darum geht, als Mensch zu sterben, setzt sie alles ein, ihn zu retten. Ein vergeblicher Versuch, der auch ihr zum Verhängnis wird. In einem einzigen Atemzug erzählt Heinrich Böll von den letzten Tagen Andreas', ohne Kapitel und sonstigen Einschnitt, linear und doch mit einigen Rückblenden, dabei aber nie den Faden auf das eine, unerbittliche Ende zu verlierend. Und man spürt : nicht so sehr von der Leber als vom Gewissen weg. Es ist indes nicht allein der ebenso einfache wie packende Stil, der diese Erzählung so lesenswert macht. Es ist ebenso sehr die Schilderung des verzweifelten Ringens ums Menschsein unter dramatischen Umständen, das ihm seine Größe verleiht. Eine Erzählung des jungen Böll, der auch und gerade in unserer Zeit viel abzugewinnen ist. Und die auf Bölls weiteres Werk neugierig macht.


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Anklage an den Krieg und Ode an die Schönheit des Lebens

Der Zug war pünktlich Heinrich Böll

Der Zug, der pünktlich war, ist ein Fronturlauberzug Paris-Przemysel, mit dem ein junger deutscher Soldat wieder auf dem Weg zur Ostfront ist. Plötzlich, mitten in Galizien überfällt ihn die Gewißheit, bald zu sterben.

Je weiter der Zug Richtung Osten fährt, desto präziser wird diese Ahnung, desto mehr Umrisse erhält sein eigener Tod.

Dieses hellsichtige Wissen wird eindringlich variiert: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen nur in diesem einen Punkt zusammen; Der baldige Tod.

Böll arbeitet zielsicher und schnörkellos auf das grand finale zu. Denn der Tod ist klar, er ist in Lemberg. Und so begibt sich der junge Soldat, sein Schicksal in klaren Zügen schon im Voraus erlebend, in seiner letzten Nacht [und es wird seine letzte sein] in ein Lemberger Bordell, zu einem Freudenmädchen um mit ihr dies zu erleben, was jeder Mann in seinem Leben tun möchte, bevor er für das Vaterland seine Lebenslichter löscht.

Nur: Der Held und das Freudenmädchen rühren sich gegenseitig mit Worten und Musik zu Tränen und Böll entwickelt für das Ende eine wahrlich klassische Dramatik, schön geschrieben, wenn auch ungewöhnlich.

Wenn man dann das Buch zuschlägt und in Gedanken darüber verfällt, dann entfaltet sich die gesamte literarische Schönheit dieses Buches. Eine traurige Geschichte über den Tod, und doch eigentlich nur über die Schönheit des Lebens, wäre alles nur anders gekommen.

Oder hätte es gar nicht anders kommen können?


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