Der Chinese | Henning Mankell
Bücher:
Der Chinese
Henning Mankell
ZSOLNAY-VERLAG
, 2008 - 603 Seiten
Kundenbewertung:
(44 Bewertungen)
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Tolle Story
In einem Dorf in Schweden werden fast alle Einwohner ermordet. Die Recherchen der Polizei bringen nicht viel. Eine Richterin, die mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, kann den Fall zum Abschluß bringen. Mankell schreibt wieder wunderbar, ein flüssiges Lesen ist garatiert. Eine Story, die man so nicht erwartet hätte. Wer einen Wallander will, liegt hier falsch. Warum nur 4 Sterne in der Bewertung, habe schon spannenderes gelesen.
Mixtur
Stellenweise wurde mir schlecht, stellenweise konnte ich nicht aufhören zu lesen, stellenweise habe ich mich gelangweilt und stellenweise habe ich viele Seiten ungelesen übersprungen.
Also, alles in allem, ein ziemlicher Mix.
Ein kleines abgelegenes Dorf wird in einer Nacht regelrecht ausgelöscht, die Polizei in Schweden ratlos und unter unvorstellbarem Druck der Presse und der Bevölkerung, eine Richterin beschäftigt sich mit Ihrer Herkunft und mit den Idealen ihrer Jugendzeit.
Mankell führt uns ins Amerika zur Zeit der Besiedelung und des Eisenbahnbaus Ende des 19. Jahrhunderts, wir tauchen ein in das Reich der Mitte und die Mankell so sehr am Herzen gelegene Situation Afrikas streifen wir auch gleich noch ein wenig.
Das Buch ist vieles in einem, ein Krimi im kalten Schweden (ist dort eigentlich immer Winter?), die Charakterstudie einer erwachsen und kapitalistisch denkend gewordenen Möchtegern-Kommunistin, ein bißchen Drama einer Ehe und und und. Mir wäre entweder oder lieber gewesen.
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Fiktion und Wahrheit
Sind hier ideal gemischt und durch die großartige Recherchearbeit des Teams kann man hier ausser einem großartigen Krimi auch ein besseres Verständnis über den derzeitigen Kulturwandel in China erhalten.
Besonders der politsche Ansatz in diesem Buch zeigt den großen Riecher für aktuellen Themen von Mankell, dessen fiktive Einblicke in das politische, wirtschaftliche und soziale System einen sehr realen Hintergrund haben.
Alleine die Vorstellung das vier Millionen
Chinese
n nach Afrika ausgeschifft werden, damit sie dort das Land bewirtschaften und dafür China es durch die Hintertür schafft, die Kolonialmacht des 21. Jahrhunderts zu werden, ist ein sehr interessanter und gut durchdachter Gedankengang des Autors.
Ebenso ist der derzeit bestehende Paradigmenkampf in China sehr gut beschrieben. Einerseits die Angst des Landes wieder im Chaos zu versinken , wenn mann nichts gegen die Armut auf dem Lande tut und dadurch einen neuerlichen Aufstand der Bevölkerung heraufbeschwört und andererseits die aufstrebenden Mao-Kapitalisten, die mit aller Macht versuchen Geld zu machen. Dieser Kampf wird bei Mankell noch auf die Spitze getrieben, da hier Bruder (der "böse und rachesüchtige Kapitalist, der fürs Geld verdienen über Leichen geht) und dort die Schwester, die noch an die Wendung zum guten im Land glaubt und die Probleme der Gier im Land sehr skeptisch sieht. Durch diese beiden Gegenpole und die dabei sehr klare und eindeutige Beschreibung der Charaktere bekommt der geneigte Leser aus beiden Weltanschauungen genug mit um sich bei Interesse weiter mit diesem uns noch lange beschäftigenden Thema auseinanderzusetzen!
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Licht und Schatten
Zuerst das positive: 1. Selten hat ein Erzähler in der Wahl seiner Elemente einen so kühnen Spagat gewagt. 2. Wie Henning Mankell den Leser über viele Seiten behutsam an einen Ort des Grauens führt, ist großartig. 3. Die Charakterzeichnung der Protagonisten ist realistisch und geht tief, manchmal allerdings zu sehr. 4. Die eingeschobene Geschichte über den Leidensweg der drei Chinesischen Bauernbrüder ist ergreifend und glaubhaft geschildert.
5. Die Angst der Richterin, falschen Freunden aufzusitzen, ist ein Spannungselement, das über weite Strecken trägt. 6. Mankell glänzt noch mehr als sonst durch eine Unzahl gut recherchierter Details und Anekdoten.
Dann das negative: Vieles, gar zu vieles für einen Krimi bleibt dem Zufall überlassen. In dieser Zunft zählt mehr als Wort- und Bildgewalt das schiere handwerkliche Können, der Spannungsaufbau und die schlüssige Verknüpfung von Elementen zu einer befriedigenden Lösung. Dass Mankell ein Meister ist, hat er oft genug unter Beweis gestellt. Doch diesmal hat der Meister geschlampt. Als Ursache darf man die Schere zwischen Termindruck (das Buch musste vor den Olympischen Spielen auf den Markt) und ernsten Ambitionen (Kritik an Neokolonialismus/Wirtschaftsliberalismus/Totalitären Systemen/Korruption etc. pp.) annehmen. Viel zu viele Köder wurden ausgelegt und führen ins Nichts: Wie verschaffte der Täter sich die nötigen Informationen? Weshalb verschonte er manche Personen? Welche Bedeutung hatten seine Handlungen im einzelnen? Und welche Bedeutung hatte der rote Lampionwimpel? Weshalb wurde ein falsches Geständnis abgelegt? Warum erhängte sich der angebliche Täter? Weshalb handelte es sich bereits bei der vermeintlichen Tatwaffe um ein Samuraischwert, wenn auch ein nachgemachtes? Welche Bedeutung hatte es, dass der Wolf geschossen wurde? Warum erfährt man fast nichts über das vorangegangene Verbrechen in den USA? Die Liste lässt sich fortsetzen.
Stattdessen erfährt man Dinge, die man lieber nicht wissen möchte.
Die notorisch eingeschobenen Probleme Birgitta Roslins mit ihrem Partner waren für die Geschichte quälender Ballast, zumal sich hunderte Seiten später als einzige Entwicklung andeutet, dass die beiden einmal miteinander reden werden. Die Schilderung ihrer wilden Jugend im Kern einer konfusen maoistischen Zelle ist immerhin anfangs amüsant und weckt Erinnerungen an deutsche APO-Zeiten, wirkt im x-ten Detail aber nur noch ermüdend.
Ebenso die gebetsmühlenartig wiederholten Vergleiche zwischen dem altem und dem neuen China, das ja so erschreckend anders ist. Wissen wir das nicht schon längst? Selten habe ich über einem Buch so mit dem Schlaf gekämpft - mancher Absatz im mittleren Teil war im selbst im fünften Anlauf nicht nehmen. Und, so leid es mir tut, und so sehr man Mankells Einsatz für den vergessenen Kontinent loben muss: die Afrika-Episode mit all ihren protokollarischen Details und einigen Klischees hätte im Kern auf zehn Seiten verdichtet werden können.
Vorsichtiges Fazit: Ein in mehrfacher Hinsicht durchwachsenes Buch, dem man aber, mit einer Kanne Kaffee bewaffnet, eine Chance geben sollte. Henning Mankells Versuch, dem Wallander-Publikum den politischen Mankell näherzubringen, verdient auf jeden Fall Anerkennung.
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Hälfte Spannung -Hälfte Irgendwas
Grundsätzlich fand ich das Buch recht gut. Dass viele immernoch die Geschichten mit Wallander messen, kann ich verstehen, dennoch hat Mankell nicht ohne Grund mit Wallander aufgehört. Daher findet man auch in diesem Buch ein völlig eigenes Genre.
Der eine Teil besteht aus einem Thriller, wobei ein Massenmord geschieht. Der andere Teil ist mehr eine politische Erzählung über China. Beide Teile sind verbunden durch die Richterin Birgitta Roslin, die "auf eigene Faust" einer Fährte folgt, die der Polizei zu weit hergeholt erscheint. Hintergrund sind Tagebücher, eines verfasst von einem schwedischen Sklaventreiber zur Zeit des Eisenbahnbaus in Amerika Ende des 19. Jh. Das andere verfasst von einem damaligen chinisischen Sklaven. Die Familienbande reichen bis heute und jemand hat Rache geschworen.
Die Thrillergeschichte ist daher auch im ganzen abschließend und rund.
Fraglich war für mich jedoch, wie so vielen, der immer wieder eingebaute politische Teil des heutigen China. Die Probleme mit den Bauern, die alle in die Städte einziehen, Möglichkeiten einer neuen Kolonialisierung in Afrika, geheimnissevolle Sitzungen chinesicher Parteimitglieder... ??? und leider wenig informativ. Also wenn man diese Seiten einfach weglässt, ist das Buch gut.
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