Nachtzug nach Lissabon | Pascal Mercier
Bücher:
Nachtzug nach Lissabon
Pascal Mercier
Btb
, 2008 - 695 Seiten
Kundenbewertung:
(270 Bewertungen)
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Gregorius Suche wonach?
Das Buch beschreibt die Begegnung des in den klassischen Sprachen genialen Berner Lehrers Raimund Gregorius mit einer Portugiesin wie auch das anschließende Aufgewühltsein von den sehr philosophischen Lebenserinnerungen eines portugiesischen Arztes namens Amadeo de Prado, die er in einem Antiquariat entdeckt. Diese Begegnungen lassen ihn Hals über Kopf sein bisheriges Leben abbrechen und
nach
Lissabon
auf der Suche nach diesem Autor reisen. Offenbar hat er wichtige Fragen entdeckt, die es sich lohnt zu durchdenken, wichtige Parallelen vielleicht auch seines Lebens im Vergleich zu diesem portugiesischen Autor, die ihm aufgefallen sind.
Er geht detektivisch vor, ermittelt den inzwischen an einer Aneurysma-Blutung verstorbenen Autor, wichtige Personen und Zeitzeugen seines Lebens sucht er auf und entwickelt so ein immer differenzierteres Bild Prados, nebenbei portugiesisch lernend, eine lebende Sprache für einen jetzt das Leben suchenden Gregorius. Wiederkehrende Schwindelepisoden führen schließlich zur Rückkehr nach Bern und zur Krankenhausaufnahme Gregorius.
Damit endet das Buch völlig offen, unklar bleibt, ob der Schwindel durch einen bösartigen Tumor verursacht oder gutartiger Natur ist, unklar auch, ob Gregorius seinen Weg weiter fortsetzen wird in Lissabon.
Das Buch muss offenbar hier enden, weil alles Wichtige aus Prados Leben herausgefunden ist. Damit jedoch wird für mich zumindest ein wesentlicher Schwachpunkt des Werks deutlich: Gregorius Suche zu motivieren aus ihm selbst heraus! Der Lehrer ist zu farblos geschildert, warum sucht er, was lernt er aus den Sätzen Prados für sein Leben? Es ist, als würde Mercier ihn lediglich benützen, um Prados Leben entwickeln zu können. Damit aber wird Gregorius so interessanter Aufbruch zur bloßen Rahmenhandlung degradiert. Und wieso trifft er zum Beispiel nicht die dem Selbstmord nahe Portugiesin vom Eingangskapitel wieder, die ihn so zu verändern vermocht hatte? Das wäre doch reizvoll zu entwickeln gewesen.
Dennoch - bei allen Abstrichen in Bezug auf Handlung und Motivation - insgesamt ein lesenswertes Buch durch viele philosophisch interessante Thesen, die über Prados Aufzeichnungen vermittelt werden. (30.06.08)
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Philosophisches Road-Movie
Diesem Buch sollte man Zeit geben. Viele Rezensenten legten es
nach
ca. 100 Seiten weg. Das hat es eindeutig nicht verdient. Es ist nicht der "Überhammer" an Spannung und es passiert auch nicht jede Seite etwas Entscheidendes (manche Seiten sind sogar extrem langatmig), aber mit der Zeit baut es doch eine gewisse Spannung auf. Der Autor macht es sich aber oft sehr einfach, indem Mundus wichtige Zeitzeugen oder Informationen zu Prado oft einfach so in den Schoß fallen.
Die Personen der 2 Hauptakteure sind unterschiedlich gut dargestellt. "Prado" finde ich sehr ausführlich und facettenreich beschrieben. Der zweite Held ("Mundus"), von dem man anfänglich meint, er sei die Hauptperson bleibt aber leider in der Beschreibung und Entwicklung einiges schuldig. Viel zu wenig oft wird genauer über dessen Gedankenwelt geschrieben. Schließlich bricht ja Mundus mit seinem bisherigen Leben und wagt sich auf ein Abenteuer im fernen Portugal. Über ihn hätte der Autor eigentlich viel mehr schreiben sollen.
Die philosophischen Gedanken Prados kamen mir oft interessant (Abschlussrede als Schüler), aber dann auch wieder sehr banal vor. Was mich am meisten gestört hat, war, dass Prado immer als Lichtgestalt dargestellt wurde, an den sich alle nur mit verklärtem Blick erinnerten. Mundus selbst entwickelt sich aber auf einmal auch selbst zum Tausendsassa, in dem er alte Jungfern aus der Lethargie holt od. gebrochenen Widerstandskämpfern neue Würde verleiht. Aber vielleicht würde der Autor, der ja Philosophieprofessor ist, sich selber so gerne sehen.
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Die Geschichte von einem, der sein Leben zurück lässt, um es neu zu finden...
Wie schön wäre es doch, genauso wie Raimund Gregorius, ein etwas sonderbarer Berner Altphilologe, sein geregeltes Leben einfach hinter sich zu lassen und in einer buchstäblichen
Nach
t- und Nebelaktion den nächsten Zug ins Ungewisse zu besteigen. Weg von den Widrigkeiten, der Routine und der Eintönigkeit des Alltags auf die Suche nach Unbekanntem und Neuem...
Der Anlass für diese Tat ist das kurze Zusammentreffen Gregorius' mit einer Portugiesin, deren weiche Aussprache des Wortes "Português" ihn regelrecht fasziniert und eine eigentümliche Neugier für diese Sprache empfinden lässt - und ihn dazu bewegt, sich mit dieser Sprache auseinander zu setzen. Auf den Spuren des portugiesischen Arztes und Autors Amadeu Prado, dessen Autobiographie er zufällig in einem Berner Antiquariat entdeckt, begibt sich Gregorius auf die Reise ins Unbekannte und lernt sich dabei selbst kennen. Das alte Leben, das er dabei verlassen hat, findet er schließlich neu.
Leider wirkt die Erzählung zwischenzeitlich etwas langatmig und auf Grund der vielen Zufälligkeiten etwas zu "konstruiert". So läuft er z.B. auf dem Friedhof in
Lissabon
auf Anhieb auf Prados Grab zu, sucht wegen seiner zu Bruch gegangener Brille eine Augenärztin auf, die sich zufällig als Prados Nichte entpuppt, etc.
Nichtdestotrotz handelt es sich um ein Buch mit viel Tiefgang und Gefühl, das zum Nachdenken über das eigene Leben anregt.
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