Und dann entdeckt Schultze eines Abends den Südstaatenblues. Es ist diese neue Bewegung, die sich dank Schultze unter die Menschen mischt und erstmals nur ihn auf subtile Weise mit Energie erfüllt. Langweilig ist der Film für jene, die mit Musik überhaupt nichts anfangen können. Und damit meine ich weniger, dass man Polka oder Südstaatenblues mögen muss, denn da hätt ich nicht mal 5 Minuten ausgehalten. Es ist - ganz einfach - die Magie der Musik, sich auf die wahre Wirkung von Musik einlassen zu können. Schultze schafft Distanz zu seinem verhockten Nest, die Stagnation und Angst, vollkommener Sklave derer zu werden, wird allein durch diese Neuentdeckung gerade so viel entkräftigt, dass man als Zuschauer auf die kleinen Détails aufmerksam gemacht wird. Anstatt nach dem Nachtessen zu Bett zu gehen, wird noch einmal das Akkordeon ausgepackt. Eine kleine und grosse Veränderung zugleich.
Während zu Beginn des Films Schultze als ein Dorfbewohner vorgestellt wird, der kaum noch irgend etwas an seiner Lage oder derer anderer zu bewegen befähigt sein dürfte - dafür ist sein soziales Engagement zu zurückhaltend, seine Stimmklang zu abweisend - ist bei der letzten Szene (Beerdigung!) das Gegenteil der Fall. Nicht nur wird der Trauermarsch von Akkordeon-Blues gespielt, auch werden einzelne Trauergäste von einem merklich anderstartigen, inneren Takt geleitet: ein schwarzer Schirm springt alle paar Sekunden tänzelt in die Höh, zwei Frauen trauen sich unbewusst ein paar dezente Hüftschwünge zu, der Mann am Ende der Reihe dreht sich möglichst unbemerkt eine kleine Pirouette.
Music is life! Und "Schultze gets the blues" erzählt davon.
Wer an Filmen wie "kitchen stories", "Broken silence" oder allenfalls sogar "Hundstage" Gefallen findet, sollte sich diesen Film für einen besinnlichen Abend vormerken.
Schultze ist wahrhaft kein hochfliegender Geist, aber bereits eine kleine Veränderung (& sei es nur ein anderes Lied auf dem Schifferklavier) kann das ganze Leben aus dem gewohnten Gleis werfen, zu glücklichem Leben und Tod führen.
Umgesetzt wird diese schöne Parabel mit hervorragenden Schauspielern in traumhaft schönen Bildern. Ein Film zum Genießen.reviews: 1, 2, page 3, 4, 5, 6