Nachtzug nach Lissabon | Pascal Mercier
Bücher:
Nachtzug nach Lissabon
Pascal Mercier
Hanser
, 2004 - 496 Seiten
Kundenbewertung:
(271 Bewertungen)
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Wie finde ich meinen Weg?
Die Geschichte hat mich von Anfang an gefangen genommen. Warum?
Nach
einer fast vollständig überstandenen Lebenskrise, und der damit verbundenen intensiven Beschäftigung mit mir selber, kann ich der Geschichte vieles abgewinnen.
Die Reise des Hr. Gregorius steht für mich stellvertretend für die Reise in das eigene Leben. Zunächst geht alles seinen gewohnten Gang. Aber dann bringen einen die äußeren Umstände, Kleinigkeiten, zum Umdenken. Und etwas, das vorher undenkbar schien, ist mit einem Mal der logische nächste Schritt.
In diesem Roman fühle ich mich wunderbar zuhause. Da ich mich nicht darauf eingelassen habe, ihn mit Verstand und Logik zu bewerten. Es ist eine sehr emotionale Angelegenheit sich diesem Roman zu öffnen. Vielleicht wäre er mir in einem anderen Lebensabschnitt nicht so nahe gegangen.
So bin ich von diesem Stück Literatur tief beeindruckt und kann es nur empfehlen.
Bezugnehmend auf andere, eher negative, Rezensionen ergibt sich für mich ein durchaus stimmiges Bild. Denn nicht ein jeder wird durch die selben Dinge berührt. Von daher sollte man seine eigenen Favoriten küren, und sich nicht allein auf das Urteil von Anderen stützen.
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unbeschreiblich, unsagbar
Schwer zu beschreiben dieser Roman,denn die Kurzfassung hört sich sehr langweilig an. Aber, mir ging es zu mindest so, einmal angefangen kann man nicht genug bekommen. Erstmals natürlich von Prados Briefen die man nicht stehen lassen kann ohne sie reichlich zu hinterfragen und anderseits vom Hauptdasteller der immer intresanter und menschlicher wird im laufe der Gschichte.
Zugegeben tat ich mich ab und an schwer,die Briefe aufs erste mal zu verstehen, trotzdem verliert man sich immer mehr in dieser wunderbaren Erzählung.
Gregorius Suche wonach?
Das Buch beschreibt die Begegnung des in den klassischen Sprachen genialen Berner Lehrers Raimund Gregorius mit einer Portugiesin wie auch das anschließende Aufgewühltsein von den sehr philosophischen Lebenserinnerungen eines portugiesischen Arztes namens Amadeo de Prado, die er in einem Antiquariat entdeckt. Diese Begegnungen lassen ihn Hals über Kopf sein bisheriges Leben abbrechen und
nach
Lissabon
auf der Suche nach diesem Autor reisen. Offenbar hat er wichtige Fragen entdeckt, die es sich lohnt zu durchdenken, wichtige Parallelen vielleicht auch seines Lebens im Vergleich zu diesem portugiesischen Autor, die ihm aufgefallen sind.
Er geht detektivisch vor, ermittelt den inzwischen an einer Aneurysma-Blutung verstorbenen Autor, wichtige Personen und Zeitzeugen seines Lebens sucht er auf und entwickelt so ein immer differenzierteres Bild Prados, nebenbei portugiesisch lernend, eine lebende Sprache für einen jetzt das Leben suchenden Gregorius. Wiederkehrende Schwindelepisoden führen schließlich zur Rückkehr nach Bern und zur Krankenhausaufnahme Gregorius.
Damit endet das Buch völlig offen, unklar bleibt, ob der Schwindel durch einen bösartigen Tumor verursacht oder gutartiger Natur ist, unklar auch, ob Gregorius seinen Weg weiter fortsetzen wird in Lissabon.
Das Buch muss offenbar hier enden, weil alles Wichtige aus Prados Leben herausgefunden ist. Damit jedoch wird für mich zumindest ein wesentlicher Schwachpunkt des Werks deutlich: Gregorius Suche zu motivieren aus ihm selbst heraus! Der Lehrer ist zu farblos geschildert, warum sucht er, was lernt er aus den Sätzen Prados für sein Leben? Es ist, als würde Mercier ihn lediglich benützen, um Prados Leben entwickeln zu können. Damit aber wird Gregorius so interessanter Aufbruch zur bloßen Rahmenhandlung degradiert. Und wieso trifft er zum Beispiel nicht die dem Selbstmord nahe Portugiesin vom Eingangskapitel wieder, die ihn so zu verändern vermocht hatte? Das wäre doch reizvoll zu entwickeln gewesen.
Dennoch - bei allen Abstrichen in Bezug auf Handlung und Motivation - insgesamt ein lesenswertes Buch durch viele philosophisch interessante Thesen, die über Prados Aufzeichnungen vermittelt werden. (30.06.08)
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Empfehlenswert
Hatte
nach
dem Titel eine vollkommen andere mehr kriniartige Erzählung erwartet. Interessant die Charakterisierung des Lehrers für alte Sprachen, unerwartet sein Aufbrechen nach Portugal, die vorkommenden Personen. Wäre interessiert ob auch autobiographische Elemente eingeflossen sind. Ein interessantes Buch bis zum Schluss, zu Anfang vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig. Regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.
... sprachlicher Höhenflug
Es gibt Bücher, die sind unterhaltsam, kurzweilig, spannend und verleiten mich, die
Nach
t durchzulesen. Ich kann nicht aufhören, muss so schnell wie möglich das Ende erfahren. Bei jeder Seite, die ich umblättere, kribbelt es mehr in meinem Bauch, wie mag die Geschichte wohl ausgehen?
Dann gibt es Bücher, in denen ich gerne mal blättere, ab und zu ein Kapitel lese und dann wieder auf die Seite lege, aber nicht weit weg, sondern in meiner Nähe behalte, weil ich es sonst vermissen würde. Das kann mal ein schöner Bildband, eine Reise- oder Stadtbeschreibung, ein witziger Ratgeber oder eine Gedichtsammlung sein.
... und dann sind da noch die besonderen Kleinode, die Bücher, die sich mir in mein Gedächtnis brennen und von dort nicht mehr verschwinden. Dabei kann es sich um eine Liebesgeschichte, um ein Abenteuer, um eine Sci-Fi-Geschichte oder um einen Gedichtband handeln, vielleicht auch um ein Booklet zu einer wunderbaren CD.
... so ein Kleinod ist dieses Buch!
Mercier hat da ein einzigartiges Werk geschaffen, da reiht sich Wort an Wort zu einem sprachlichen Höheflug. Wörter, die nicht nur das Blatt Papier füllen, sondern die berühren, die in einem eine Seite zum Klingen bringen, die alles um sich herum vergessen lassen. Wort für Wort, Satz für Satz lasse ich mir auf der Zunge zergehen", genieße jede Silbe, tauche hinab in ein Reich voller wunderbarer Gedanken und geistiger Bilder. Jede Seite wird mit Vorfreude umgeblättert, fast ehrfürchtig, einerseits fiebere ich dem Ende entgegen und anderseits hoffe ich, es möge nie eine letzte Silbe geben. Kein Absatz wird übersprungen, manche Sätze werden wie bei einem Lieblingssong wieder und wieder gierig aufgesaugt, mal laut vorgelesen, um diese Sprache auch hören zu können.
Kurz zum Inhalt: da gibt es einen Professor, der an einem Gymnasium Latein, Griechisch und Hebräisch lehrt, für den diese Sprachen alles in seinem Leben sind, der Tag für Tag in die Schule geht, um diese Sprachen seinen Schülern beizubringen, das ist sein ganzer Lebensinhalt, daran ist seine Ehe zerbrochen. Dann plötzlich ein Begegnung, die alles verändert, ein paar Wörter in einer für ihn fremden Sprache, der Klang dieser Sprache lässt ihn nicht mehr los. Ein Buch, das ihm in die Hände fällt, dessen Inhalt er mühsam versucht zu entziffern, lässt ihn auf eine abenteuerliche Reise gehen. Er setzt sich in den
Nachtzug
und fährt nach
Lissabon
. Auf der Suche nach dem Autor dieses Buches lernt er nicht nur die Personen rund um diesen besonderen Mann, sondern auch sich selbst kennen.
Ich habe begeistert diese Reise mitverfolgt, in Gedanken und Bildern. Zu gerne wäre ich selbst in den Zug gestiegen und hätte mich auf eine Fahrt ins Ungewisse begeben, um aus den Zwängen des täglichen Lebens auszubrechen und wieder die unbändige Freiheit zu spüren, Neues auszuprobieren und zu erfahren. Vielleicht eines Tages ...
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