Die Story ist realitätsnah, das macht den Unterschied zu anderen Liebesfilmen, die doch im Vergleich recht schnulzig wirken - vor allem zum Happy End hin. Ich mag das offene Ende - aber das kann nicht jeder vertragen. Die Dialoge sind zuweilen alltäglich, ganz und gar nicht künstlich...derartige Unterhaltungen hat sicher jeder schon mal geführt, der auf Reisen jemanden getroffen hat, jemanden der einem auf Anhieb sympathisch ist, bei dem man sich wohl fühlt, mit dem man - wenn er nur fragen würde - sicherlich überall aussteigen würde, um noch ein paar Stunden miteinander zu verbringen. Diese Momente vergisst man nicht mehr - ich habe auch 1-2 solcher Momente erlebt und bewahre sie wie einen großen Schatz. Es erscheint einem dieser Mensch wie ein Engel, der einen ein Stück des Weges begleitet und umgekehrt ist es genauso, man ist für den anderen ein Engel, der ein paar Schritte mitgeht, tröstet, Hoffnung schenkt, Kraft gibt, Wärme und Liebe - für den Augenblick verläuft das Leben zweier völlig fremder Menschen parallel. Einfach so schön wie das Leben nur sein kann.
In den folgenden - na sagen wir mal - 80 Minuten erleben wir zwei herzerfrischende Schauspieler. Nun wenn mich einige Freunde gefragt haben, worum es um den Film geht hab ich immer eigentlich das selbe gesagt: "es geht um zwei Menschen, die einen einzigen Tag miteinander verbringen, wohlwissend, dass es nur dieser eine Tag ist und sie sich höchstwahrscheinlich nie wieder sehen". Mehr sollte man nicht erzählen. Man muss diesen Film sehen, ach was sag ich. Man muss diesen Film erleben. Die Besetzung der beiden Rollen war schon brillant, aber dass Regisseur Linklater die Story nach Wien verlagert hat ist der Clou. Die Stadt ist der heimliche dritte Star im Bunde und es ist wunderschön wenn man den Beiden folgt. Ich meine das im doppelten Sinn:
1. Man hört ihnen zu worüber sie sich unterhalten. Wie ich finde sind es schöne Themen. Es kommt so flüssig, dass man zweifelt ob es überhaupt ein Drehbuch gab. Auch die minimalen aber für mich bedeutenden Gesten der beiden Darsteller, sind so exakt, dass ich den Film jedes Mal wenn ich ihn sehe gespannt verfolge.
2. Wie gesagt, hat Regisseur Linklater die Geschichte in Wien verlagert und führt die Beiden Akteure auf wundervolle Plätze, wo sie verschiedene interessante Menschen treffen (der Poet, die Wahrsagerin und die beiden Laienschauspieler) oder auch über Kunst philosophieren.
Dieser Film ist von der ersten bis zur letzten Minute Sehenswert und ich würde diesem Film jederzeit Unvergänglichkeit attestieren.
Zu Before Sunrise gibt es ein sequel mit dem Titel Before Sunset. Es ist ähnlich aufgebaut, nur dass sich die beiden Darsteller 9 Jahre später wieder treffen. Obwohl ich den Film auch mag, finde ich ihn etwas desillusionierend und er hat nicht den Charme den Before Sunrise hat. Hätte mich auch gewundert, wenn man es geschafft hätte, die selbe Klasse zu erreichen. Mir wär es lieber, wenn Before Sunrise kein Sequel gehabt hätte und es einfach ein offenes Ende gibt.