Der Chinese | Henning Mankell
Bücher:
Der Chinese
Henning Mankell
ZSOLNAY-VERLAG
, 2008 - 603 Seiten
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Familienchronik a la Mankell
Der Hörverlag präsentiert zum Mankell-Buch DER
CHINESE
eine gelungene Hörbuchversion. Sie erzählt die Geschichte der Richterin Vivi Sundberg, welche aufgrund ihrer familiären Bande in eine Tragödie gerät, der in einem schwedischen Dorf mehr als ein Dutzend Menschen zum Opfer fallen. Alle waren untereinander verwandt. Durch Zufall führt sie die Spur zum Clan eines traditionsgeleiteten und brutalen Chinesen. Das Hörbuch, welches verschiedene Epochen in Schweden, China und Amerika geschickt miteinander verknüpft, zeichnet sich durch die unterschiedlichen Schauplätze mit eigener Atmosphäre aus.
Axel Milberg (der Kieler Junge und Tatort-Kommissar Borowski) verfügt über ein facettenreiches Repertoire an Stimmen und Interpretationen für auch die kleinste Nebenrolle. Sein norddeutsches Timbre passt besonders gut zum ersten Handlungsschwerpunkt Schweden. Die typische Atmosphäre und Aufbruchstimmung der Besiedelung des "Wilden Westens" (beim Eisenbau Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika) stellt er aber gleichsam glaubwürdig dar. Der Sprecher beherrscht männlich-markante Charaktere, wie gleichsam die emotionale Stimmung der Hauptdarstellerin. Der Wechsel erfolgt quasi auf Knopfdruck. Das Hörbuch vermittelt einen stark überspitzten Einblick in die Kultur und Gewohnheiten der neureichen chinesischen Oberschicht. Die recht lange Erzählung bleibt stets fließend und die Strapazen des Überlebenskampfes der verschiedenen Charaktere ziehen den Hörer in einen stimmungsgeladenen Bann.
Insgesamt entstand eine spannende und frische Lesung, auch wenn die beschriebenen Ereignisse teilweise über 100 Jahre zurückliegen und klassische Spannungsmomente eines Krimis oder gar eines atemberaubenden Thrillers fehlen. Das Ende ist absehbar. Es wird trotzdem gute Unterhaltung geboten, wenn auch anders, als man(n) es von Henning Mankell erwartet.
Da China, gerade im Rahmen der anstehenden Olympischen Spiele, zusehends in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückt, wir auch diese Mankell-Produktion ihre Hörerinnen und Hörer finden. Rund 10 Stunden dürfen diese dabei Aufstieg und Fall, Lust und Schmerz sowie Güte und Verderbtheit einer chinesischen Familie kennenlernen. Recht speziell für Mankell, der sonst Afrika fokussiert, aber doch faszinierend. Jedoch sind die von ihm so oft benutzten Verschwörungsthemen (vgl. DIE WEIßE LÖWIN) auf die Dauer unglaubwürdig. Weniger wäre da mehr!
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Ein meisterhaft tiefgängiger Politthriller!
"Der
Chinese
" ist mein erstes Buch von Henning Mankell, das ich gelesen habe. Seine Romane sowie seine Wallanderkrimis kenne ich nicht. Deswegen habe ich keinen Vergleich zu seinen Büchern.
Aber ich kann sagen, dass dieses Buch mir sehr gut gefallen hat, obwohl man bei einem Roman wie diesem mit überschwenglicher Begeisterung eher vorsichtig sein muss. Mir hat gefallen, dass der Autor gerade in der Zeit der Vorbereitungen auf die Olympische Sommerspiele, uns die frühe Qin-Dynastie China näher gebracht hat. Die geschichtlichen Fakten sind halbwegs haltbar. Parallelen zum heutigen China sind durchaus zu erkennen.
Im Buch werden grosse geographische Dimensionen umfasst: Amerika, Afrika, China und Europa in einem Zeitraum von 140 Jahren der Weltgeschichte.
Der Autor hat ausgezeichnet angeknüpft an das ereignisvolle Jahr 1968, das damals die Welt erschütterte. Seine Romanfigur, die Richterin Birgitta Roslin erinnert sich an jenen rebellischen Frühling, als es eine echte Solidarität der Pro-Vietnam-Bewegung gab und die aufständische Anhängerschaft für MaoTse Tung - China.
Maos Zitat: Gegenwärtiger Aufschwung der Bauernbewegung ist ein gewaltiges Ereignis. Darauf die Vorstellung der Anhängerschaft: Ein unendliches Gewimmel von Chinesen mit Hacken und Spaten, die hohe Berge in fruchtbares Land zu verwandeln ...
Maos Machtausübung hat viel Leid, Chaos und Verwirrung mit sich gebracht. Aber er war es auch, der China wieder aufgerichtet hat, das heute im Begriff ist zu einer Weltmacht aufzusteigen.
China ist für einige von uns ein mystisches Land. Aber um das chinesische Volk zu verstehen, muss man deren Mentalität kennen. Das Streben nach Wiederherstellung der Familienehre (wie hier im Buch) ist verständlich, aber aus Zorn und Rache ist unendschuldbar.
Das Buch erzählt eine packende Geschichte mit unabsehbaren Überraschungen. Die Geschichte der armen Bauernkinder San, Wu und Guo Si ist schrecklich traurig. Mich hat sie tief erschüttert, weil sie nicht nur der Phantasie des Autors entsprungen ist, sondern nicht allzuweit entfernt von der Wirklichkeit zu sein scheint. Wir Menschen von heute neigen eher zu oberflächlichem, glänzendem Dasein. Aber durch das Buch wird man daran erinnert, dass sowohl mit dem Eisenbahnbau in Amerikas Wildem Westen vor ca. 140 Jahren, wie heute bei dem Bau des Olympischen Dorfes, die Leute ausgenutzt und "verheizt" werden. Es gibt nichts Schlimmeres als Menschenhandel! Auf einer Seite die Demütigung, auf der anderen die profitliche Bereicherung.
Und der arme Mensch hofft, wartet und glaubt. Glaubt an Götter, wie die armen Bauern hier in der Geschichte. Mir ist es schwer gefallen sich vorzustellen, dass die Götter das "göttliche " Gleichgewicht so vorgesehen haben: Die Reichen werden in den Sänften getragen und die Armen von ihren Grundbesitzern geschlagen. Oder die Armen stehen mit gesenkten Köpfen da, mit dem Gesicht der Erde zugewandt, wenn die Reichen an ihnen vorbei ziehen. Kein Wunder dass sie sich gefühlt haben wie Hunde. Von jedem getreten werden und davon zu leben, was die Reichen weg geworfen haben ...
Der Schreibstil des Autors ist flüssig, fesselnd und spannend. Aber auch trocken und beinahe fast emotionslos. Was ich persönlich sehr gut finde. Denn jeder Leser hat eine eigene Vorstellungsgabe, um das Geschriebene umzusetzen. So kann der Schrecken in seiner Grösse variieren, je nach der Empfindung des Lesers. Ich finde auch die angesprochenen Themen von der Vergangenheit bis hin zur Gegenwart, ob politisch angehaucht, real oder utopisch, sehr interessant.
Das Buch ist gut. Es ist was Wahres dran ...
Die Hoffnung auf eine bessere Welt bleibt. Aber die Gewissheit auch, dass die Welt solche Menschen wie JA, Zi oder Ya Ru nicht braucht!
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Einer Fehlinformation aufgesessen
Was lehrt uns die Schule? Und was das Leben? Bei einem solchen Gespräch kam ich auf "Der Chronist der Winde" von Henning Mankell zu sprechen. Denn dieser Roman gibt meine Position in einer so poetischen Art wieder, wie ich es leider nicht schaffe. Als dann mein Gesprächspartner meinte, genauso sei es ihm mit dem
Chinese
n ergangen, war klar, dass ich auch dieses Buch von Mankell lese. Doch schon die ersten Zeilen deuteten unmissverständlich darauf hin, mich in einen Krimi verirrt zu haben. Und da ich schon mal dabei war und Mankell sein Handwerk versteht, wollte ich nicht nur wissen, was mir der Erfolgsautor über das neue China zu sagen hat, sondern auch wer der Mörder ist. Zufrieden gestellt haben mich beide Antworten nicht. Der Plot der Kriminalgeschichte war mir oft zu konstruiert, und mit dem Chinabild konnte ich nicht allzu viel anfangen.
Ein Fachmann für Thriller und Krimis bin ich nicht. Aber wenn ich mit diesem Genre in Kontakt komme, sei es in Filmen oder Büchern, mag ich nur die Extreme. Entweder ist das Ganze so plakativ, dass ich mich in der Comicswelt zuhause fühle, oder der Autor entpuppt sich als verkappter Psychoanalytiker der Spitzenklasse. Wer es mit der Mitte versucht, hat es schwer, mich zu begeistern. Das Gefühl, dass sich ein Autor nicht für eine Richtung entscheiden will, hatte ich auch bei der literarischen Darstellung Mankells von China. Zu lesen, dass sich eine Großmacht überlegt, wie sie in rohstoffreichen Ländern Fuß fassen kann, ist nicht wirklich überraschend. Und eine Strategie auszuhecken, mit der sich gleich zwei Probleme mit einem Schlag lösen lassen, gehört wohl zu den Vorgaben. Aber die zunehmende Unzufriedenheit zu kurz gekommener Bauern damit zu entschärfen, einige Millionen verarmter und zur Revolution neigender Chinesen nach Afrika zu verfrachten, klingt so originell wie unwahrscheinlich. Eine Geschichte muss nicht wahr sein, aber ich muss ihr glauben können. Und wenn Mankell immer wieder betont, dass der große Bösewicht seines neusten Romans nicht wahnsinnig sei, so möchte ich wenigstens eine einleuchtendere Schilderung seiner Normalpsyche. Und wenn es denn bloße Rache ist, dann möchte ich von einem Autor wie Mankell mehr über die psychologischen Hintergründe dieser Emotion erfahren. Zumal ja immerhin ein ganzes Dorf ausgelöscht wird.
Mein Fazit: Da Henning Mankell das Handwerk eines Krimiautors ganz ohne Zweifel beherrscht, las ich das Buch zu Ende, obwohl ich eigentlich gar keinen Krimi lesen wollte. Aber dass mir die Lektüre auch viel Erhellendes zum alten und modernen China sagen könnte, erwies sich als Fehlinformation. Doch ich benutze diese Rezension gerne dazu, Werbung für Mankells "Der Chronist der Winde" zu machen. Denn spannender und ergreifender lässt sich die Welt der Strassenkinder kaum beschreiben.
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