Und so macht sich Schultze, der Mann ohne Vornamen, auf den Weg. Zu verlieren hat er nichts: Der volkseigene Kohlebetrieb hat zugemacht, ein respektables Alter ist erreicht und Schultzes neu entdeckte Liebe zum folkloristischen Südstaatenblues sind Motivation genug das Abenteuer Amerika anzugehen, frei nach dem Motto 'Bevor ich hier sterbe, kann ich auch genausogut in Amerika sterben'. Doch muß Schultze erkennen, dass in New Braunfels die Uhren auch nicht anders ticken als in der sachsen-anhaltischen Provinz. Ein Abenteuer ist Amerika aber dennoch, besonders wenn man von vornherein nicht einen Gedanken an den Gebrauch eines Wörterbuches verschwendet :o).
Michael Schorr legt mit "Schultze Gets the Blues" ein bemerkenswertes Kinodebüt ab. Seine Porträts der ostdeutschen wie auch der amerikanischen Provinz sind gänzlich der Realität verpflichtet, kommen ohne Nostalgie aus und werden von Kameramann Axel Schneppat in wunderbare und außergewöhnliche Bilder gefasst. Ein ebenso großes Lob gebührt auch dem Hauptdarsteller Horst Krause, der seinen Charakter so lebensecht verkörpert, dass man ein ums andere Mal ins Schmunzeln kommt. Szenen, wie die, in der Schultze nach Schlaf ringend des nachtens wiederholt in die Küche geht, das Radio anmacht, den Bluessender sucht und mit andächtiger Mimik der Musik lauscht oder wie er einen Arzt konsultiert, nur um sicher zu gehen, dass seine neuentdeckte Leidenschaft zu dieser "unnormalen" Musik nicht krankhaft ist, sind einfach großartig.
Das Bonuspaket der DVD besteht zwar nur aus 4 verschiedene Trailern und den obligatorischen Audiokommentaren, doch soll das den Film nicht schmälern, denn der ist absolut sehenswert! Hut ab ;o)!