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  Der Chinese | Henning Mankell
 
 
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Der Chinese
Henning Mankell

ZSOLNAY-VERLAG, 2008 - 603 Seiten

Kundenbewertung:(44 Bewertungen)
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Teilweise endlos lang gezogen

So ist das Buch nicht schlecht. Wer es sich ausleihen kann , sollte dies tun. Anfangs ist es noch recht spannend. Nur macht Mankell sehr grosse Zeitsprünge. Von der Gegenwart springt er plötzlich in die Vergangenheit Chinas. Finde ich ziemlich heftig. Auch zum Schluss zieht es sich doch endlos lang. Am schnellsten kommt man voran in der Gegenwart , alles andere zieht sich doch sehr in die Länge.

Mein Fazit : Ausleihen ist okay - Kaufen nur wenn man es recht günstig bekommt.

Auf einer Skala von 1 = sehr gut - 5 = mangelhaft würde ich die Note 3 geben.




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Der Chinese schläft nicht

Von Mankell wird man, auch wenn es stärkere oder vermeintlich (subjektiv) schwächere Bücher waren, eigentlich nie enttäuscht. "Die Tiefe" oder z.B. "Der Chronist der Winde" gingen mir nicht so nahe, aber ich kann mich natürlich noch genau an die ersten Wallanderbücher erinnern, die bei mir mit "Die fünfte Frau" starteten. Es sind viele Jahre ins Land gegangen und Henning Mankell ist lange noch nicht fertig mit dem, was er uns sagen will. Der große Marcel Reich Ranicki sagte einmal sinngemäß "Das Dumme am Tod ist, das ich die ganzen Bücher die noch kommen werden, nicht mehr lesen kann". Ich will das mal mit Mankell erweitern und ein fiktives Zitat konstruieren. Dann würde Mankell demzufolge sagen: "Das Dumme am Tod ist, dass ich noch so viel mitzuteilen habe, und das dann nicht mehr kann." Was macht er aus dieser Erkenntnis heraus? Er schreibt mit "Der Chinese" gleich ein Buch, das Stoff für drei Romane hergibt. Dazu überhäuft er uns mit (überraschenden) Informationen, die sowohl historisch als auch aktuell nicht nur hochinteressant daherkommen, sondern auch manches Weltbild ins Wanken bringen könnte.
Gut, der Bau der quer durch den Kontinent stoßenden Eisenbahnlinien in Nordamerika, bei dem Sklaven aus allen Teilen der Welt an die Hacke gemartert wurden, ist vielleicht nicht neu, aber das so viele Chinesen dabei waren überrascht doch. Manchmal erinnerte es an das Buch "Schnee, der auf Zedern fällt". Da ging es nicht um Chinesen sondern um Japaner die in KZ - ähnlichen Lagern gehalten wurden (wer wusste das vorher?) um bei der Erdbeerernte im Nordwesten der USA zu helfen. (Bei dem Buch ging es auch um ein weit zurückliegendes Verbrechen aus dem Pazifikkrieg) "Der Chinese" muss nun herhalten um uns über das neue China (beängstigend logisch) aufzuklären, es geht um Afrika und auch aktuell um Robert Mugawe, der hier noch in einem milderen Licht dargestellt wird als heute, wo er (in den westlichen Medien) der afrikanische Horrordiktator schlechthin ist.
Und es geht natürlich wie bei Mankell um ein unglaublich brutales Verbrechen, welches gleich am Anfang schockt. Ein Dorf wird ausgemerzt und dieser Kriminalfall bewegt die schwedische Kriminalpolizei. Das ist der Krimi in dem Buch, der Rest ist (kultur-) politische Aufklärung über 140 Jahre, manchmal auch langatmig, vorgeführt durch, für die Sache genau konstruierte Personen. Manchmal kann man dann das Gefühl haben, die Figuren sind deshalb so polarisierend gezeichnet, damit auch immer klar ist, wer was und warum sagt. Das die etwas tiefer liegende Botschaft lauten könnte, Peking sei vielleicht doch nicht der richtige Ort für olympische Spiele, ist geschenkt. Aber wir werden nicht umhin kommen, uns weiter mit Afrika und China so zu beschäftigen, wie es sich für diese Welt gehört. Jeder sechste Mensch ist schon Chinese und der will essen. Und der Afrikaner ist auf dem Weg nach Norden und holt sich zurück was es nicht mehr gibt.



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Mankell und der Kampf zweier Linien

Über die in gewaltigen Sprüngen zwischen Kontinenten und hundertfünfzig Jahre hin- und her springende Handlung und die nicht immer logischen Zusammenhänge wurde von anderen Rezensenten schon viel geschrieben. Deshalb will ich nur auf den modernen China-Teil eingehen. Letztendlich will Mankell uns mit der Romanhandlung sein Chinabild vermitteln. Für ihn stellt sich das heutige China in schöner maoistischer Tradition als "Kampf zweier Linien" dar, die durch das ungleiche Geschwisterpaar "Ya Ru" und "Hong Qui" verkörpert werden. Er lässt uns nicht im Dunkeln, wem seine Sympathien gehören. Der gerissene Geschäftsmann Ya Ru nutzt mit Rücksichtslosigkeit und Brutalität alle Chancen, die ihm die Veränderung Chinas bietet. Gut verdrahtet in der obersten Führungsebene der kommunistischen Partei scheffelt er beispiellose Reichtümer durch Ausbeutung und korrupte Machenschaften. In der Kolonisierung Afrikas sieht er die große Chance, seinen Reichtum und seine Macht ins Unermessliche zu steigern. Seine gute Schwester Hong Qui dagegen ist entsetzt von ihrem Bruder und allen modernen Fehlentwicklungen Chinas, die er verkörpert. Für sie liegt die Lösung der Probleme in der Rückbesinnung auf die kommunistischen und maoistischen Tugenden. Nur die guten Kräfte in der Partei können noch die Wende schaffen und China auf den richtigen Weg zurückbringen.

Ein solches Chinabild kann eigentlich nur vertreten, wer als ehemaliger Maoist sich wie die Heldin Birgitta Roslin und vermutlich Mankell selbst jahrelang an China abgearbeitet hat und durch eine Kette von Ernüchterungen und Enttäuschungen gegangen ist. Die chinesische Wirklichkeit sieht anders aus. Über alle Lager der politischen Führung Chinas hinweg besteht heute ein großer Konsens, dass die kommunistische Partei ihre Hauptrolle als Ordnungskraft und Garant für Stabilität spielt. Die Ideologie ist in den Hintergrund gerückt, während der Nationalismus immer stärker wird. Statt zweier Lager gibt es heute heterogene und komplexe Strukturen mit durchaus unterschiedlichen politischen Vorstellungen, die aber in den seltensten Fällen ideologisch begründet sind. Was man nirgendwo findet, ist auch nur eine einzige ernstzunehmende Stimme, die wie Hong Qui von kulturrevolutionären Idealen träumt. Die Kulturrevolution wird von praktisch allen Chinesen als das gesehen, was sie war, nämlich eine nationale Katastrophe, als das große Trauma der jüngeren chinesischen Vergangenheit. Mankells in die Krimihandlung verpackte Analyse ist bestenfalls naiv, aber auch sehr gefährlich, weil sie die Lösung für Chinas Probleme in einer wohlwollenden maoistischen Diktatur sieht. Mit demokratischen Grundsätzen und der Hoffnung auf eine offene und von den Chinesen selbst bestimmte Entwicklung verträgt sich das jedenfalls nicht.

Das Buch lässt mich etwas ratlos zurück. Über viele hundert Seiten liefert es eine packende und professionell geschriebene Krimihandlung, aber warum muss das alles mit einer so verqueren politischen Botschaft verknüpft sein?



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reviews: 1, 2, 3, 4, 5, page 6, 7, 8, 9



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