Lea | Pascal Mercier
Bücher:
Lea
Pascal Mercier
Hanser
, 2007 - 256 Seiten
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Kauftipp
Die Violinmusik übernimmt die Regie über 2 Leben
2 Männer im Jänner in der Provence: Martijn van Vliet und Adrian Herzog. Beide kommmen sie aus Bern; gemeinsam reisen sie nach Hause.
Beide haben sie ein Problem: van Vliet das mit seiner Tochter und Herzog mit seinem Beruf als ehemaliger Chirurg.
Van Vliet ist der Vater von
Lea
und alleinerziehend. Als Lea eines Tages auf dem Bahnhof eine Geigerin hört, will sie nur mehr Geige lernen. Ihr Vater erfüllt ihr diesen Wunsch - was ihn schließlich in den Ruin treibt. Doch Lea feiert schnell Riesenerfolge. Ihrem Vater fällt allerdings bald auf, dass mit seiner Tochter etwas nicht stimmt....
Pascal Mercier hat eine faszinierende Novelle über 2 Menschen geschrieben, die "2 Analphabeten der Vertrautheit und Fremdheit" sind. Van Vliet ist es unmöglich, sich anderen zu öffnen - zuerst nicht seiner Frau, später nicht seiner Tochter. Und diese Unmöglichkeit führt schließlich in die Katastrophe.
Eher blass bleibt die Figur von Adrian Herzog. Er ist allerdings in erster Linie Zuhörer, da ihm van Vliet seine Lebensgeschichte erzählt.
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Der Fluch der Guarneri
Pascal Mercier wählt für seine Geschichte die Form der Novelle -(Goethe sah im Zentrum der Novelle "eine sich ereignete unerhörte Begebenheit" Gespräch mit Eckermann vom 25.1.1827)- um in brillianter Weise die Zwangsläufigkeit des Schicksals zu beschreiben. Ein junges Mädchen, das nach dem Tod seiner Mutter alle Lebenslust verloren hat, wird durch den Vater wieder aufgebaut,der aufgrund eines Zufall mitbekommt, wie seine Tochter durch ein Geigenspiel wieder am Leben teilzunehmen beginnt. Doch die große Karriere als Geigenvirtuosin wird ihr letztlich nur zu einem noch größeren Verhängnis.
Nach meiner Auffasung hat Pascal Mercier sich nach dem Nachtzug nach Lissabon noch einmal gesteigert und es diesmal geschafft die Spannung bis zum Schluß hochzuhalten. Die Stilwahl der französichen Zitate macht die Geschichte noch authentischer und lebendiger. Ich habe das Buch in einem 8 Stunden Flug über den Altlantik durchgelesen und war gefesselt.
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Sehr ungewöhnliches Buch..
... das mich aber trotzdem begeistert hat! Anfangs war ich sehr skeptisch wegen der Thematik des Romanes (oder der Novelle), da ich weder sehr musikalisch noch an teuren Geigen oder dem Geigenspiel interessiert bin - aber ich habe "Nachtzug nach Lissabon" gelesen, und war deshalb sehr gespannt auf das nächste Buch Pascal Merciers.
Die Geschichte nimmt einen langsam aber sicher gefangen, man kann das Buch irgendwann gar nicht mehr aus der Hand legen. Mit gut und überaus nachvollziehbar gezeichneten Charakteren, einer absolut feinen Sprache und einer außergewöhnlichen Geschichte ist das Buch wieder eine kleine Perle, die Freunde guter Literatur (und damit meine ich nicht das seichte Elke-Heidenreich-Niveau) gelesen haben sollten!
Es ist kein lautes, reisserisches Buch (reicht meiner Meinung nach nicht an "Nachtzug aus Lissabon" ran), aber die Erzählkunst Merciers ist einfach grandios, und deswegen freue ich mich auf weitere, vielleicht zum Nachdenken anregende Bücher von ihm.
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Sog
Mehrere Rezensenten schreiben es bereits: man wird in die Geschichte hineingezogen, ein beinahe unwiderstehlicher Sog.So wie
Lea
durch die Macht der Musik- in diesem Fall die E-Dur Partita für Solo-Violine- in den Sog einer Existenz als Musikerin hineingezogen wird,aus ihrer Trauerstarre erwacht. Nicht Lea lebt die Musik, sondern die Musik lebt sie und durch die Musik lebt sie. Ihre Gefühle, ihre Existenz werden durch die Musik kanalisiert.Die Musik ist ein fragiler Rahmen für das sonst waltende Chaos, das lauert und immer wieder durchbricht,bis es sich schliesslich durchsetzt. Die Kraft der Musik heilt Lea nicht, sie ist ein Musik-Junkie,abhängig von ihr und allem, was daran hängt, Ehrgeiz,Wahrgenommenwerden,Zuneigung,ja Liebe.
Der Vater ist ebenso der Grenzgänger zwischen akademischen Erfolg und Spieler mit Mut zum Risiko. Er ist abhängig von dem Wohl seiner Tochter,kompensiert dadurch den Verlust seiner Frau ( ohne diesen zu verarbeiten). Die dunkle Seite im Ausleben dieser Abhängigkeit bricht sich immer mehr Bahn. Die Geschichte liest sich wie das Stimmen einer Geige- die Wirbel werden immer mehr angezogen, bis schliesslich die Saiten brechen.
Es gibt ein Unglück, das ist so gross, dass es ohne Worte nicht zu ertragen ist.
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