Genau an Jennas 10. Geburtstag verrät ein Spion den Königsmördern den Aufenthaltsort der Prinzessin. Sofort wird ein Meuchelmörder losgeschickt, der das Mädchen und die gesamte Familie Heap umbringen soll. In letzter Minute gelingt es der außergewöhnlichen Zauberin Marcia Overstrand, Jenna in den sicheren Zaubererturm zu bringen. Es ist wieder eine eisig kalte Nacht und auch diesmal wird ein Kind gerettet: Marcia rettet in letzter Minute den Jungen ?412? vor dem sicheren Erfrierungstod.
Gemeinsam mit Nicko, einem von Silas Söhnen, geht die Flucht weiter in die morastigen Marram-Marschen zu Tante Zelda. Hier finden sie vorüber gehend Unterschlupf. Doch der neue böse Herrscher und schwarze Magier DomDaniel hat die Spur schon aufgenommen.
Ein Kampf so alt wie die Welt
Das wichtigste vorne weg: ?Septimus Heap? ist spannend ohne brutal zu sein, wendungsreich ohne vorhersehbar zu sein, liebevoll ausgeschmückt und mit lebendigen Charakteren bevölkert. Diese Zutaten gepaart mit einem reizvollen Erzählstil führen dazu, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann und dem Ende entgegen fiebert.Das der Roman von Angie Sage ?nur? vom Kampf Gut gegen Böse handelt, tut dem Lesespaß keinen Abbruch. Und auch, das sie das altbekannte Thema des königlichen Findelkindes und des entführten Babys verwendet, schadet keinesfalls.Denn Angie Sage bringt einige neue Ideen ins Genre und die Geschichte quillt einfach nur so über vor schönen und liebenvollen Details. Besonderen Anteil an dem Genuss beim Lesen haben allerdings die skurrilen Charaktere.Beispielsweise die gewissenhafte, bürokratische Botenratte Stanley, die wegen Gewissensbissens ins Gefängnis muss. Oder der Geist des ermordeten außergewöhnlichen Zauberers Alther Mella, der als Spion für ?Die Guten? arbeitet. Und natürlich der verrückte Jack, der sich am liebsten mit Ratten unterhält und die miauende Gans Berta. Es fällt schwer, diese Aufzählung zu beenden, da ihr Kosmos nur so von witzigen Einfällen wimmelt.Auch bei den magischen Wesen geht sie keine Kompromisse ein. Da tauchen ganz neue Wesen auf wie z. B. die Schlammkreatur Boggart, Wendronhexen, schneckenähnliche Magogs, Braunlinge oder Panzerkäfer. Natürlich dürfen auch bekannte Fantasy-Figuren wie Gestaltwandler, Wolverinen, Dryaden und Hexen im mittelalterlichen Universum von ?Septimus Heap? nicht fehlen.
Stimmwunder
Die Art, ein Hörbuch vorzutragen, ändert sich von Sprecher zu Sprecher. Dabei hat sich besonders Rufus Beck bei der Lesung der ?Harry Potter-Reihe? als ?Mann der 1000 Stimmen? etabliert. Doch Achtung ? mit Stefan Kaminski steht schon der Anwärter für den Titel ?Der Mann mit den 1001 Stimmen? in den Startlöchern. Häufiger musste ich das Hörbuch anhalten und zurückspulen, weil ich es einfach nicht glauben konnte: Liest hier wirklich nur ein Sprecher? Es ist wirklich unglaublich, zu welchen Sprüngen in den Tonlagen Herr Kaminski fähig ist. Gerade bei den Stimmen der weiblichen Figuren zweifelt man an seinen Wahrnehmungsfähigkeiten. Aber das ist noch gar nichts gegen zwei meiner Lieblingsfiguren: die erste ist die Wendronhexe, die die Geschichte von DomDaniels erster Vertreibung erzählt. Die zweite ist ?Der Boggart?. Zum ersten Mal habe ich mir gewünscht, dem Hörbuch läge eine CD mit einem ?Making-Off? bei. Nur zu gerne hätte ich gesehen, wie Stefan Kaminski diese Stimme hinbekommen hat ? einfach Sa-gen-haft!
Fazit: Von Beginn an zieht ?Magyk? mit einer spannenden, detailreichen Geschichte in den Bann. Dabei trägt Stefan Kaminskis außergewöhnlicher und brillanter Vortrag erheblich zur Atmosphäre des Buches bei. Wem, wie mir, bisher die Vorstellungskraft fehlte, wie sich wohl die Stimme eines Fantasy-Monsters ?in echt? anhören könnte, braucht nicht mehr weiter zu suchen. An dieser stimmakrobatischen Leistung werden sich andere Sprecher messen lassen müssen.
(C) Wolfgang Haan