Lea | Pascal Mercier
Bücher:
Lea
Pascal Mercier
Hanser
, 2007 - 256 Seiten
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Kauftipp
Ein wunderbares, bewegendes Buch - wirklich gute Literatur vom Besten
Können wir Menschen den Verlauf, den Fortgang unseres Lebens bestimmen ? Haben wir überhaupt irgendeinen Einfluß auf das, was geschieht, auf das, was offenbar geschehen soll, egal was wir tun oder wie wir uns verhalten ?
Dieser tief philosophische Untergrund zieht sich wie ein musikalisches Thema durch das ganze Buch, das Pascal Mercier eine Novelle nennt und das eine ganz außergewöhnliche Lektüreerfahrung bietet. Tatsächlich hat mich in diesem Frühjahr kein anderes Buch so bewegt und gefesselt, durch seine Themen angesprochen wie diese Geschichte von
Lea
, einem musikalischen Ausnahmetalent, ihrem Vater Martin van Vliet und Adrian Herzog, der das ganze Lebensdrama der beiden bei einem zufälligen Zusammentreffen der beiden Männer in der Provence erfährt und nach dem tragischen Ende der Geschichte zu Hause in Bern für die Nachwelt aufschreibt.
An verschiedenen Abschnitten der Geschichte Martin van Vliets mit seiner Tochter Lea stellt dieser dem zuhörenden Adrian Herzog immer wieder dieselbe Frage: warum ? Hätte es nicht anders kommen können, wenn ich an dieser oder jener Stelle dieses oder jenes nicht gesagt oder getan hätte ? Doch immer wieder die Antwort: "Es musste so kommen."
Und so wird der Leser atemloser Zeuge einer Entwicklung , von der er schon ziemlich am Anfang ahnt und wenig später dann auch weiß, daß sie nicht gut ausgehen wird. Und dennoch eilt der Leser ohne Unterbrechung durch die Seiten dieser Novelle, ist immer wieder begeistert von der Sprachkunst Pascal Merciers und vor allen Dingen: der Leser partizipiert an der Nähe, die die beiden Männer zwischen sich aufbauen, während die Erzählung ihren Fortgang nimmt.
"Lea" ist ein großes Buch, ein Lesegenuß ganz besonderer Art. Am Ende bleibt dem Leser mehr als nur eine außergewöhnliche Geschichte: er ist mit mehr Erkenntnis beschenkt worden, aber mit vielen offenen und ungelösten Fragen. Genau das, was wirklich gute Literatur leisten soll.
Dieses Buch ist unbedingt zu empfehlen. Man legt es, einmal angefangen, bis zum Ende nicht mehr aus der Hand.
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Nicht vergeigt!
Manchmal - leidenschaftliche Leser werden sicher wissen, was ich meine - schlägt man ein Buch auf und liest die erste Seite wie ein Versprechen. Man taucht in einen Kosmos aus Worten ein und weiß, dass man das Gelesene so schnell nicht vergessen wird.
"
Lea
", das neue Buch von Pascal Mercier ist ein solches Buch.
Zugegebenermaßen erfindet Mercier auf knapp 250 Seiten das Rad nicht neu. Gleich zu Beginn hat der Leser ein Déja-Vu. Hat nicht Markus Werner in seiner grandiosen Erzählung "Am Hang" genau die gleiche Idee gehabt?
Auch in "Lea" begegnen sich zwei Fremde zufällig in einem Urlaubsort. Spontan beschließen Martijn van Vliet und Adrian Herzog die Rückreise nach Bern gemeinsam anzutreten.
Die anfängliche Fremdheit löst die Zunge van Vliets, der dem Zufallsgefährten die tragische Geschichte seiner Tochter Lea erzählt.
Nach dem Tod von Cecile, Martijns Frau, ist die achtjährige Lea wie betäubt. Nach dem sie mit ihrem Vater einer Straßenmusikantin beim Geige spielen zusieht, erwacht sie aus ihrer Trauer und möchte ebenfalls spielen lernen. Martijn ist froh und freut sich über den Ehrgeiz und die Ernsthaftigkeit, mit der Lea ihr Instrument erlernt. Sie macht schnell Fortschritte und behauptet sich in Talentwettbewerben.
Je professioneller ihr Spiel wird, desto mehr fühlt sich Martijn von der musikalischen und persönlichen Entwicklung seiner Tochter ausgeschlossen. Doch auch Lea wird schließlich an ihrem Talent zerbrechen...
Die Ereignisse entwickeln im Lauf dieser Geschichte eine solche Eigendynamik, das nicht nur Martijns Zuhörer Adrian Herzog, der zugleich als Erzähler dieser Geschichte fungiert, sondern auch der Leser in einen Strudel unumkehrbarer, katastrophaler Ereignisse hineingezogen wird.
Trotz der anfänglichen Parallelen zu Markus Werners Buch "Am Hang" erzählt hier Pascal Mercier auf seine ganz eigene Art.
Das Buch hat sicherlich nicht die philosophische Tiefe seines Bestsellers "Nachtzug nach Lissabon". Angelegt als Novelle, reflektiert Pascal Mercier aber auch hier über existenzielle Fragen menschlichen Seins und Miteinanders. Und so wie sich Lea mit ihrem Geigenspiel eine "imaginäre Kathedrale aus Tönen" baut, so tut dies Pascal Mercier in diesem Buch mit Worten.
Seine ganz eigene Erzählstimme kommt auch in diesem Buch wunderbar zum Tragen.
Das Versprechen, von dem ich eingangs schrieb, wird eingelöst!
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Selbstzerstörerisch
LEA
ist eine unglaublich gut geschriebener Roman, deren beider Hauptfiguren (Vater und Tochter) sich gegenseitig aus dem Tritt bringen, und so den Halt verlieren, den man im Leben braucht. Beim Lesen des Buches dachte ich oft, dass es mir zu konstruiert erschien. Heute zwei Wochen nach dem Lesen, denke ich, dass die beiden Hauptfiguren sich in einer gegenseitigen Trance und Abhängigkeit befanden, dass jede noch so kleine Kleinigkeit dass Fass einmal mehr zum überlaufen brachte. Hätte ich mir damals nicht den "Nachtzug nach Lissabon" gekauft, wer weiss, wie toll ich "LEA" dann fände. So ist es nur auf Paltz 2 der Mercier Romané.
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