Das Buch selbst ist liebevoll gestaltet. Der Einband allein vermittelt den Eindruck, etwas Kostbares in Händen zu halten. Wie ein altes Zauberbuch mutet die Gestaltung an. Ebenso mit Liebe wurden die zahlreichen Illustrationen im Innenteil gezeichnet, die durch eine karte am Anfang ergänzt werden. Besonders nett war die Idee, einen Teil einzufügen, in dem man erfährt, was weiterhin mit den Personen geschah, die lediglich am Rande in der Geschichte aufgetaucht sind.
Septimus Heap: Magyk ist der erste Teil einer Trilogie um Septimus Heap. Und so gut wie der erste Teil geschrieben ist, darf man auf die folgenden gespannt sein.
"Septimus Heap" ist in vielerlei Hinsicht eine recht klassische Fantasygeschichte. Es gibt die altbekannte Schwarz/Weiß-Skizzierung der Welt, mit guter und böser Magie. Es gibt den altbekannten Kampf zwischen den guten und den dunklen Mächten. Es findet sich so manche Parallele zu bekannten Fantasyerzählungen. Dennoch, "Septimus Heap" als Abklatsch erfolgreicher Fantasyromane zu sehen, täte der Sache großes Unrecht.
Angie Sage schafft eine Welt, die eigenständig wirkt. Anders als bei "Harry Potter" ist Sages Welt in sich geschlossen. Es besteht keinerlei Bezug zum Hier und Jetzt. Manche Schilderungen erinnern an mittelalterliche Geschichten, insbesondere die Schilderungen des Lebens innerhalb der Burgmauern. Sage serviert also quasi ein Mittelalter mit einer saftigen Prise Magie.
Die Sprache ist recht einfach und leicht verständlich gehalten. Sage erzählt aber nicht nur kindgerecht, sondern auch auf sehr liebevolle Art und mit einem Augenzwinkern. Immer wieder regen Szenen zum Schmunzeln an, immer wieder erheitert Sage den Leser mit kleineren Tollpatschigkeiten der Figuren, mit witzigen Wendungen der Geschichte und einer feinen Prise Ironie. Man gewinnt nicht nur die Hauptfiguren lieb, sondern auch all die phantasievollen Geschöpfe, die in Angie Sages Welt sonst noch so herumgeistern: fleißige, gewissenhafte Botenratten, gutmütige Boggarts, pflichtbewusste, loyale Panzerkäfer und gemütliche, handzahme Steintiere.
Wenn ich so an meine eigenen Kindertage zurückdenke, so bin ich mir sicher, dass ich "Septimus Heap" geliebt hätte. Es ist phantasievoll, gewitzt und spannend zugleich und damit für den kindlichen Leser hochgradig unterhaltsam. Hätte es das Buch damals schon gegeben, Angie Sage hätte gute Karten gehabt, Astrid Lindgren in meiner persönlichen Gunst den Rang abzulaufen.
FAZIT: schöne, kindgerechte Fantasyliteratur für Kinder und Junggebliebene, die neben anderen Werken, wie "Eragon", "Harry Potter", "Bartimäus" und Co. durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Für Erwachsene vielleicht etwas zu leicht zu durchschauen, aber schließlich ist es auch ein Kinderbuch.
"Septimus Heap" ist durch und durch Kinderbuch, das, obwohl es das erste einer Trilogie ist, auch als durchaus abgeschlossen betrachtet werden kann. Ich habe mich in die liebenswert gezeichneten Charaktere und magischen Gestalten verliebt. Angie Sage besticht durch ihren feinen, britischen Humor, der mich manchmal laut auflachen ließ. "Septimus Heap" ist lustig, entbehrt aber nicht einer kleinen Dosis Grauen und Ekel. Nun warte ich ungeduldig auf den zweiten Band.