Der Teufel von Mailand | Martin Suter
Bücher:
Der Teufel von Mailand
Martin Suter
Diogenes
, 2007 - 304 Seiten
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Unbedingt lesenswert!
Seit Sonia Forsters Ehe mit dem aufbrausenden Banker Frédéric Forster kaputt ging, stürzte sie sich ins Partyleben, mit Drogen und Alkohol. Eines Tages, nach einer durchgefeierten Nacht, scheint der letzte LSD-Trip nicht mehr enden zu wollen ? sie kann Farben riechen und überhaupt sieht alles bunt und unecht aus.
Sonia beschließt, diesem wilden Leben in Zürich den Rücken zu kehren und bewirbt sich in dem Wellnesshotel Gamander als Physiotherapeutin. Sie hofft, in dem kleinen Bergdorf Unterengadin in den Schweizer Alpen wieder zur Ruhe zu kommen.
Doch in dem edlen Hotel, welches viel zu wenige Gäste hat, als das sich der Betrieb lohnen könnte, geschehen die merkwürdigsten Dinge. Sonia ist mehr als misstrauisch und findet, wie zu ihrer Bestätigung auch noch ein altes Buch, in dem sie eine Sage mit dem Titel "Der
Teufel
von
Mailand
" liest.
Um sich zu beruhigen, erzählt Sonia Manuel, ihrem einzigen Vertrauten, von ihren Ängsten. Der tut die irrationalen Befürchtungen seiner Bekannten ab ? bis zu dem Tag, an dem ein Auto durch das Bergdorf fährt, auf dem in den Staub geschrieben "Der Teufel von Mailand" zu lesen ist...
Martin Suter schreibt gewohnt schnörkellos, ohne Umwege und Verirrungen strickt er seine Geschichte in typischer Manier.
Von der ersten Zeile an, ist auch dieses neue Werk von Suter so spannend, das es nicht mehr aus der Hand gelegt wird. Unbedingt lesenswert!
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Der hartnäckige Teufel von Mailand
Dieses sehr, sehr spannende Buch, vielleicht das bisher beste des Autors, basiert auf einer gleichnamigen Alpensage. Es ist die Geschichte eines kleinen Schweizer Hirtenmädchens, namens Ursina, die immer auf die unwirkliche, kalte Alp Dscheta im Val Solitaria geschickt wird. In einer kalten, stürmischen Nacht, wo sie und die Ziegen wieder sich gegenseitig wärmend zusammenrücken, fleht sie den lieben Gott an, ihr in ihrer Not zu helfen. Der Ziegenbock aber sagt ihr, der ?
Teufel
von
Mailand
? ist viel besser als der Heiland. Und so verschafft er ihr einen fruchtbaren Sommer in dieser trüben Winternacht. Sie kommt mit gut genährten Ziegen und viel Käse ins Tal zurück, bekommt reichlich Belohnung und macht diese Arbeit bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr. Und dann kommt eines Tages ein mysteriöser Herr mit staubiger Kutsche aus Mailand und verspricht Ursina ?ewige Jugend, einzigartige Schönheit, Geld, Glück, Reichtum und ein großes Schloss?. Das alles soll sie erhalten wenn sie ihre Seele verkauft. Die Bedingungen die an diesen Handel geknüpft sind, erscheinen aus Sicht von Ursina so unmöglich zu sein, dass sie aus ihrer Sicht nie passieren können. Der Teufel will sie erst holen wenn ?es im Sommer Herbst wird, Glut im Wasser brennt, wenn es beim zwölften Turmuhrschlag Tag wird, der Vogel zum Fisch und das Tier zum Mensch wird?.
So unwahrscheinlich es klingen mag, eines Tages treten all diese Dinge ein und Ursina muss in die Hölle. Wie alles passieren konnte, das weiß die Hauptfigur des Romans, die Physiotherapeutin Sonia lange Zeit nicht.
Sonia hat nach der Scheidung von dem reichen Bankier Forster die Stadt verlassen, will vergessen und engagiert sich in einem Luxushotel im Unterengadin. Dort findet sie das Buch mit der Alpensage, aber aus dem Buch sind zwei entscheidende Seiten herausgerissen. Ein Alptraum beginnt, Sonia kann ihren Konflikten nicht entfliehen. Es geschehen die merkwürdigsten Dinge, die sie sich nicht erklären kann. Auch all die Leute im Ort haben Konflikte, scheinen auch keine Seele mehr zu haben. Haben die Dorfbewohner ihre Hand im seltsamen Spiel oder ist es der mysteriöse Fremde mit dem schmutzigen Wagen auf dem der Schriftzug ?Teufel von Mailand? geschrieben steht? So gelingt es dem Autor alle Personen und auch die Leser ständig zu verunsichern. Im Sommer verliert ein Baum die Blätter, die Uhr des Kirchturms wird verstellt, Sonias Wellensittich fällt ins Aquarium, usw.
Das Ende soll hier nicht verraten werden, Verraten sei aber, dass der Autor eine ganz spannende Sache einführt, er lässt Sonia an Synästhesie erkranken. Sie kann plötzlich Farben schmecken und Gefühle sehen.
Das Buch ist derart packend und atmosphärisch dicht geschrieben, dass man keine Seite davon missen möchte. Man sagt ja von gewissen Büchern, dass man sie verschlingt und bei diesem Buch kann man wirklich ein Verschlinger von Lesestoff werden.
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Teufel auch!
Der Schriftsteller schlampt: Er weiß, daß er schreiben kann, daß ihm Szenerien, Landschaftsbilder, Wetterbeobachtungen, Dialoge gelingen,daß er sie abrufen kann. Und er ruft sie ab, Nebel und Regen in ermüdenden Wiederholungen, Spaziergänge und Arbeitsvorgänge nach immer gleichem Schema. Das Spiel führt viele Figuren vor, aber alle, einschließlich der beiden Hauptakteure, bleiben blaß. Holzschnittartig sind die Dorfbewohner, fast ein Folkloreballett, oberflächlich skizziert wird die Besitzerin der Wellness-Anlage, warum erscheint ein Dr.Stahel auf der Bühne, nur um über Synästhesie aufzuklären?
Ein wenig "Parfum", ein kleiner Psychoterror, ein bißchen Kriminalität - ein belangloses Buch. Wie großartig war doch "Lila,Lila", "Die dunkle Seite des Mondes". Schmerzlich habe ich solch befriedigende Lektüre vermißt.
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Spannend - aber leider nur 2. Wahl
"Der
Teufel
von
Mailand
" ist sicher einer der schwächeren Romane von Martin Suter. Zu wenig kann er sich aus dem Schatten der früheren Werke lösen, an die man beim Lesen immer wieder erinnert wird.
Insbesondere "Die dunkle Seite des Mondes" steht wie ein unerreichtes Vorbild daneben, mit dem dieser Roman viele Gemeinsamkeiten teilt, ohne sich davon wirklich lösen zu können. Sprachlich dabei aber durchaus in einer Reihe mit früheren Romanen, flüssig, fokussiert und fesselnd.
Sonia Forster will den Nachstellungen ihres geschiedenen Mannes entgehen und nimmt eine Stellung in einem abgelegenen Alpenhotel an, wo sie nicht nur von ihrer Vergangenheit, sondern auch von den Nachwirkungen einer unbedachten Drogennacht verfolgt wird. Bald wird die Bergidylle von mysteriösen Geschehnissen gestört, die einer alten Sage zu folgen scheinen und auf eine Katastrophe hinweisen.
Zu konstruiert wirkt diese Verknüpfung, zu stur folgt Suter diesem Muster, als dass sich die eine glaubhaft bedrohliche Atmosphäre einstellen würde. Das führt leider zu Längen gegen Ende des Romans, ehe sich alles mit einem großen Knall auflöst.
Am Ende wird der Schurke seiner gerechten Strafe zugeführt. Wie dies allerdings geschieht, ist aus der vorausgehenden Handlung überhaupt nicht hergeleitet, wirkt konstruiert und ein wenig so, als sei es schon mit Blick auf eine mögliche Verfilmung geschrieben.
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