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  Der Chinese | Henning Mankell
 
 
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Der Chinese
Henning Mankell

ZSOLNAY-VERLAG, 2008 - 603 Seiten

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Meisterhaft

Es beginnt ? wie in den meisten Mankell-Krimis ? wieder mit einem Paukenschlag: Bei einem Massaker in einem kleinen schwedischen Dorf werden beinahe alle Einwohner auf das grauenvollste getötet. Die Polizei ist hilflos und stürzt sich deshalb schnell auf die vermeintlich einzig mögliche Erklärung: Das muss die Tat eines Wahnsinnigen gewesen sein. Anders Richterin Brigitta Roslin. Nachdem sie erfährt, dass die Pflegeeltern ihrer Mutter unter den Opfern sind, fährt sie an den Ort des Geschehens, um sich selbst ein Bild zu machen. Dabei findet sie alte Tagebücher, die sie weit in die Vergangenheit zurückbringen. Spuren führen nach Amerika, China und Afrika und legen mehr und mehr den Verdacht nahe, dass es sich bei den Mordtaten um blutige Racheakte handelt, deren Ursprung weit zurückliegt. Henning Mankell ist ein Meister. Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu, allerdings findet sie in ?Der Chinese? einmal mehr eine Bestätigung. Wie schon so oft wird hier eine prickelnd spannende Krimihandlung eingewoben in einen globalen Zusammenhang, der einen weiten Bogen beinahe rund um den Globus spannt. Mankell lesen, das zeigt sich wieder einmal, ist so viel mehr als nur einem Täter auf die Spur zu kommen. Es ist intelligent dargereichte Zeitgeschichte kritisch beleuchtet und angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele in China brisant und sozusagen tageskatuell.


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Ein großartiger Roman und eine bemerkenswerte Synthese von Mankells bisheriger schriftstellerischer und politischer Arbeit

Eins sei gleich am Anfang gesagt: das neue Buch von Henning Mankell ist eine konsequente Weiterführung seiner bisherigen schriftstellerischen Arbeit. Er kommt mit jedem Buch näher an eine Synthese seiner genialen Wallander-Krimis, die immer auch den kritischen Blick auf den Zustand der schwedischen Gesellschaft, ihrer Demokratie und ihres Justizsystems hatten, seinen Afrikaromanen und seinem politischen Engagement im Rahmen der negativen Folgen der Globalisierung vor allem für die afrikanischen Länder, mit denen ihn ja eine tiefe Freundschaft, aber auch eine kritische Solidarität verbindet.

Zum zweiten: es lohnt sich, dieses dicke Buch zu lesen, und es lohnt sich, es möglichst zügig zu tun. Von der ersten Seite nimmt einen das Buch gefangen, und der Leser beginnt selbst darüber nachzudenken, welche Verbindung es wohl gibt zwischen dem unglaublichen Massenmord in dem kleinen Dorf bei Hudiksval, wo bis auf drei Ausnahmen jemand 19 Menschen auf zum Teil bestialische Weise getötet hat.

Die selbstbewusste Richterin Brigitta Roslin mit maoistischer 68-er Vergangenheit sieht am Tag nach den Morden in ihrer Zeitung ein Bild von einem der Häuser des Dorfes und erkennt mit großem Erschrecken darin das Haus wieder, in dem ihre schon lange verstorbene Mutter über eine lange Zeit ihrer Kindheit bei Pflegeeltern gewohnt hat.

Obwohl sie kurz vor einem beruflichen und ehelichen Burn-Out steht, klemmt sie sich hinter diesen Fall, versucht mit den örtlichen Ermittlern in Kontakt zu treten und stößt aber auf wenig Gegenliebe. Die unermüdliche Arbeit von Brigitta Roslin und ihre Art der Vergangenheitsbewältigung und Reflexion stellt den einen Teil dieses bemer"enswerten Buches dar. Der andere ist geprägt von der "chinesischen Linie", wie ich das nennen möchte. Sie beginnt 1863 mit der Geschichte von drei Brüdern, die auf ein Schiff entführt werden, um in Amerika bei dem Bau der großen Eisenbahnlinien als Sklavenarbeiter eingesetzt zu werden. San, der einzige überlebende Bruder kehrt unter abenteuerlichen Umstände über London nach China zurück und schriebt seine Geschichte auf und beschriebt dort besonders den brutalen blonden Vorarbeiter JA, der angeblich aus Nordeuropa kommt.

Fast 150 Jahre später liest der chinesische Shooting-Kapitalist Ya Ru das Tagebuch seines Vorfahren, und fasst einen verhängnisvollen Entschluss.
Dieser innerchinesischen Geschichte von Ya Ru, seiner Schwester Hong, mit der Brigitta Roslin auf einer Chinareise in Kontakt kommt,widmet Henning Mankell im Jahr der Olympischen Spiele in Peking seine große Aufmerksamkeit. Er will seine Leser aufklären über den neokolonialistischen Charakter des chinesischen Regimes, das angeblich plant, Millionen von chinesischen Bauern , die in den überquellenden Städte Chinas kein Auskommen mehr finden, in den menschenleeren Gegenden afrikanischer Länder anzusiedeln.

Hierbei zeichnet er am Beispiel der beiden Geschwister Hong und Ya Ru den mitunter tödlichen innenpolitischen Kampf im derzeitigen China nach. Mit der Protagonistin Brigitta Roslin und ihrer früheren Freundin Karin Wiman führt er zwei Frauen in die historische Handlung ein, die 1968/69 als Studentinnen selbst einmal große, ihnen heute unverständlich erscheinende Hoffnungen in die charismatische Person MaoTse Tungs gesetzt hatten und die schwedische Arbeiterklasse davon überzeugen wollten. Inwiefern Mankell hier eigene Geschichte bearbeitet, ist mir unbekannt.

Man hat seitens einiger Rezensenten Mankell vorgeworfen, das Buch habe Brüche. Ich finde das nicht, denn die Geschichte verläuft immer "ungleichzeitig" ( Ernst Bloch).

Mankell ist ein weiterer Baustein gelungen in seinem bewundernswerten Versuch, nicht nur einen Krimi oder einen Afrikaroman zu schreiben, sondern eine der tatsächlichen Lage in der globalisierten Welt standhaltende und sie beschreibende und gleichzeitig kritisierende Synthese zu finden, die auch literarisch überzeugt.

Mit diesem Buch ist er diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.






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Ein Krimi über die Globalisierung

Mankell hat in seinem neuen Roman Der Chinese" nur scheinbar einen klassischen Krimi geschrieben, der zwar mit einem Massaker in einem kleinen abgelegenen schwedischen Ort beginnt, uns aber dann nach China und ins südliche Afrika führt.
Dazwischen noch ein Ausflug in die Geschichte, die zeigt, wie sehr arme Chinesen unter anderen auch beim Bau der amerikanischen Eisenbahn ausgebeutet wurden.
Und dann geht der Bogen ins aktuelle China in der vorolympischen Zeit, wo gewisse zu Reichtum gekommene Wirtschaftskräfte wieder menschenverachtend nur an ihren Profit denken und nun die eigenen Bürger ausnutzen.
Eingebetet ist die Geschichte einer chinesischen und einer schwedischen Familie, deren Berührungspunkte nicht ohne weiteres erkennbar sind. Das gute siegt, aber leider wird der einsame Wolf, mit dem die Geschichte an einen kalten Januarmorgen beginnt, am Schluss des Buches erschossen.

Ich habe die 600 Seiten des sehr spannenden Buches in nur einer Woche gelesen, kann es nur empfehlen, man kann viel lernen und mitnehmen, wird aber auch sehr spannend unterhalten. Meine Empfehlung, unbedingt lesen. In der SZ am 02.06.2008 wurde das Buch auch sehr positiv besprochen.



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Die "Mankellsche Verführung"

Die "Mankellsche Verführung" beginnt mit der ersten Zeile und hält 140 Seiten an. Das liest sich so:"...Frrüh am Morgen des 13.Januar erreicht der Wolf ein kleines Dorf. Er bleibt stehen und nimmt Witterung auf. Irgendwoher kommt Blutgeruch...Am Waldrand beginnt der Wolf zu fressen. Es geht leicht, weil das Fleisch noch nicht gefroren ist. Er ist jetzt sehr hungrig. Nachdem er einen Lederschuh von einem Fuß gezerrt hat, beginnt er, das Bein von unten her anzunagen..."

Was ist furchtbares geschehen?

In Hesjövallen, einem kleinen Dorf, wurden achtzehn meist alte Menschen auf bestialische Weise niedergemetzelt. Die Polizei glaubt an die Tat eines Wahnsinnigen. Brigitta Roslin, eine Richterin, ist anderer Meinung. Sie ist sogar der Überzeugung, dass die Tat minutiös geplant worden ist und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und tatsächlich: Ein rotes Seidenband, das die Polizei am Tatort gefunden hat, bringt die Richterin auf die Spur eines geheimnisvollen Chinesen...

Krimi-Spannung in Wallander-Qualität. Ich war gefesselt. Allerdings lässt mich Mankell in diesem Zustand ziemlich verwirrt zurück, denn er hat andere Zwecke im Auge. Er will mich auf etwas aufmerksam machen, etwas, was ihm besonders am Herzen liegt: auf den schwarzen Kontinent, auf Afrika. Ab Seite 141 führt Mankell bedächtig - aber sehr anschaulich - an die Thematik heran.

Er greift die Armut der chinesischen Bauern in der Mitte des 19.Jahrhunderts auf und zieht damit eine Parallele zur Geschichte des afrikanischen Kontinents: die Verelendung der Landbevölkerung, deren Flucht in die Städte, ihre Verschleppung und Versklavung.

Dann kommt Mankell zu seiner fiktiven Geschichte und zu seinen damit verbundenen Befürchtungen.

An einem Wintertag des Jahres 2006 versammeln sich im Sitzungssaal des Gebäudes "Der gelbe Kaiser", fünfzig Kilometer westlich von Peking, die mächtigsten Frauen und Männer Chinas. Yan Ba hält im Auftrag des Präsidenten eine fünfstündige Rede. Er trägt vor, dass China vor einer großen Bedrohung stehe, der nur mit kühnen Maßnahmen begegnet werden könne. Man befürchtet Chaos in verschiedenen Teilen des Landes, wenn hundert Millionen Bauern sich wütend erheben. Denn trotz steigenden Wohlstandes befindet sich die Landbevölkerung am Rande des Existenzminimums.

Die Lösung des Problems, so der Redner weiter, liege in der Übersiedlung Millionen chinesischer Bauern auf den afrikanischen Kontinent, die dort brachliegendes Land bearbeiten könnten. China würde nicht als Eroberer kommen, sondern als Freund.

Mankells Ängste vor dem großen Engagement Chinas in Afrika sind nicht unbegründet.

Chinas enormes Wirtschaftswachstum fordert Rohstoffe: Kupfer aus Sambia, Mangan aus Gabun, Holz aus dem Kongo und von überallher Erdöl. Ein Ministerialbeamter aus Peking beschreibt die Haltung Chinas so:"Jede Beziehung zwischen uns und einem afrikanischen Staat ist eine Freundschaft zwischen Partnern auf gleicher Augenhöhe."

Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki findet allerdings zum Thema: "China, Afrikas neuer Freund" ungewöhnlich harte Worte: Angesichts von Chinas übermächtiger Wirtschaftskraft sei die Gefahr groß, dass Afrika quasi zu dessen Kolonie werde. Bisher diene man dem Partner vor allem als eins: als Lieferant für Ressourcen. Afrika, das Rohstofflager der Volksrepublik. Mbeki:"Dadurch ist Afrika zur Unterentwicklung verdammt. Es besteht die Gefahr, dass zu China eine Beziehung aufgebaut wird, die koloniale Abhängigkeiten wiederholt."

Mankell will wohl mit diesem Buch seiner Fan-Gemeinde einen Denkanstoß zu "seinem" Thema geben. Wer sich darauf einlassen will, der kann das getrost tun, denn er schreibt über 200 Seiten politisch fundiert und engagiert. Vor allem aber schreibt Mankell in seiner gewohnt brillanten Art. Der Krimi jedoch bleibt leider auf der Strecke.

Wer nur den Krimi lesen will, ohne etwas zu versäumen, der lese nur folgende Seiten: S.9-140; S.257-416; S.520-603.

Herr Mankell, bleibt nur zu hoffen, dass Ihnen Ihre Fans diese "Bauernfängerei" nicht übel nehmen werden.


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reviews: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, page 9



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