Kabul ist keine Stadt mehr, sondern ein Stein gewordener Albtraum. Schreiende Kinder und jammernde Bettler prägen das Straßenbild. Atiq Shaukat fristet sein Dasein als Gefängniswärter. Sein Leben beschränkt sich auf lange Phasen des gedankenlosen Dahindämmerns, hin und wieder unterbrochen von unvorhersehbaren Augenblicken rauschhafter Gewalt. Nur selten kann er sich überwinden nach Hause zu gehen, denn dort wartet seine todkranke Frau auf ihn und lässt seinem Gewissen keine Ruhe.
Mohsen Ramat kann sich nicht einmal in die Routine regelmäßiger Arbeit flüchten. Haltlos stolpert er durch die Ruinen, den Kopf voller Erinnerungen an eine Zeit, in der er mit seiner schönen und gebildeten Frau ein Leben in Freiheit führen konnte. Zunaira wagt sich nicht mehr aus dem Haus, zu groß ist ihre Angst und ihre Scham, sich unter dem Schleier verstecken zu müssen. Als das Ehepaar doch einmal einen Spaziergang wagt, kommt es zur Katastrophe.
Die "Schwalben", das sind die furchtsam durch die Straßen hastenden Frauen Kabuls unter ihren dichten Tschadri. Religiöser Wahn hat sie in einem Maße zu Opfern männlicher Willkür gemacht, das für einen Mitteleuropäer kaum nachvollziehbar ist. Umso bestürzender ist es, Yasmina Khadra auf seinen Wegen durch das zerbombte Kabul zu folgen und zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, wie das Leben dort aussieht -- in erster Linie für die Frauen, aber auch für Männer, die ihre Kritikfähigkeit noch nicht völlig verloren haben.
Die Schwalben von Kabul ist ein Buch, das niemand ohne tiefe Erschütterung aus der Hand legen wird. Manchmal ist Literatur eindringlicher als jeder noch so gut recherchierte Fernsehbericht. --Hannes Riffel
In diesem Buch erfährt man etwas über ein Leben in Kabul unter der Herrschaft der Taliban, das wir als entfernte Westeuropäer uns nicht vorstellen konnten.
Daß Menschen andere Menschen in einer Weise unterjochen, wie es hier beschrieben ist, das bleibt die Frage, die mir beim Lesen unweigerlich gekommen ist.
Keine Musik, kein Lachen, keine Freude ist den Menschen erlaubt. Frauen, auch gebildetete und studierte Frauen, werden zu Kreaturen herabgewürdigt, die man keinem Tier zumuten würde. Ihre Ehemänner müssen sich willkürlich demütigen lassen, ohne eine Möglichkeit der Gegenwehr zu haben. So geht sogar die Liebe verloren , die doch die einzige Rettung in einer so trostlosen Welt sein mag.Ich würde mir die Hölle so vorstellen, wenn es denn eine gäbe.
Ich habe das Buch mit Grauen und Empörung gelesen und würde es allen denen empfehlen, die sich mit politischen Systemen unter dem Islam auseinandersetzen möchten. Zugegegen sind nicht alle Systeme gleich, aber dieses war eines der grausamsten in seiner Herabwürdigung und Mißachtung der menschlichen Würde.
Cl.B.