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  Die Schwalben von Kabul | Yasmina Khadra
 
 
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Die Schwalben von Kabul
Yasmina Khadra

Aufbau Tb, 2004 - 158 Seiten

Kundenbewertung:(6 Bewertungen)
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"Es genügt nicht, über etwas zu lesen, man muss es aus eigener Erfahrung kennen lernen", ist eines der sattsam bekannten Vorurteile gegen das so genannte Bücherwissen. Die Schwalben von Kabul widerlegt derartige Äußerungen grundlegend. Es gibt Welten, zu denen Menschen anderer kultureller Prägung keinen Zugang haben, weil sie sich nur von innen heraus verstehen lassen. Und eben ein solches tief greifendes Verständnis ermöglicht uns Yasmina Khadra in seinem Roman über das Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban.

Kabul ist keine Stadt mehr, sondern ein Stein gewordener Albtraum. Schreiende Kinder und jammernde Bettler prägen das Straßenbild. Atiq Shaukat fristet sein Dasein als Gefängniswärter. Sein Leben beschränkt sich auf lange Phasen des gedankenlosen Dahindämmerns, hin und wieder unterbrochen von unvorhersehbaren Augenblicken rauschhafter Gewalt. Nur selten kann er sich überwinden nach Hause zu gehen, denn dort wartet seine todkranke Frau auf ihn und lässt seinem Gewissen keine Ruhe.

Mohsen Ramat kann sich nicht einmal in die Routine regelmäßiger Arbeit flüchten. Haltlos stolpert er durch die Ruinen, den Kopf voller Erinnerungen an eine Zeit, in der er mit seiner schönen und gebildeten Frau ein Leben in Freiheit führen konnte. Zunaira wagt sich nicht mehr aus dem Haus, zu groß ist ihre Angst und ihre Scham, sich unter dem Schleier verstecken zu müssen. Als das Ehepaar doch einmal einen Spaziergang wagt, kommt es zur Katastrophe.

Die "Schwalben", das sind die furchtsam durch die Straßen hastenden Frauen Kabuls unter ihren dichten Tschadri. Religiöser Wahn hat sie in einem Maße zu Opfern männlicher Willkür gemacht, das für einen Mitteleuropäer kaum nachvollziehbar ist. Umso bestürzender ist es, Yasmina Khadra auf seinen Wegen durch das zerbombte Kabul zu folgen und zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, wie das Leben dort aussieht -- in erster Linie für die Frauen, aber auch für Männer, die ihre Kritikfähigkeit noch nicht völlig verloren haben.

Die Schwalben von Kabul ist ein Buch, das niemand ohne tiefe Erschütterung aus der Hand legen wird. Manchmal ist Literatur eindringlicher als jeder noch so gut recherchierte Fernsehbericht. --Hannes Riffel


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Ein grausames politisches System

Yasmina Khadra Die Schwalben von Kabul Aufbau TB ISBN 3746620872

In diesem Buch erfährt man etwas über ein Leben in Kabul unter der Herrschaft der Taliban, das wir als entfernte Westeuropäer uns nicht vorstellen konnten.

Daß Menschen andere Menschen in einer Weise unterjochen, wie es hier beschrieben ist, das bleibt die Frage, die mir beim Lesen unweigerlich gekommen ist.

Keine Musik, kein Lachen, keine Freude ist den Menschen erlaubt. Frauen, auch gebildetete und studierte Frauen, werden zu Kreaturen herabgewürdigt, die man keinem Tier zumuten würde. Ihre Ehemänner müssen sich willkürlich demütigen lassen, ohne eine Möglichkeit der Gegenwehr zu haben. So geht sogar die Liebe verloren , die doch die einzige Rettung in einer so trostlosen Welt sein mag.
Ich würde mir die Hölle so vorstellen, wenn es denn eine gäbe.

Ich habe das Buch mit Grauen und Empörung gelesen und würde es allen denen empfehlen, die sich mit politischen Systemen unter dem Islam auseinandersetzen möchten. Zugegegen sind nicht alle Systeme gleich, aber dieses war eines der grausamsten in seiner Herabwürdigung und Mißachtung der menschlichen Würde.

Cl.B.


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Terror unter den Taliban

Zwei Paare erleben im Kabul der 90er die Schreckensherrschaft der Taliban. Die Stadt liegt unter einer erbärmlichen Sonne in Trümmern, mitten auf den Straßen zwischen Marktständen, Bettlern, Milizionären und Wächtern der Taliban werden öffentliche Hinrichtungen vollzogen. Atiq der Gefängisaufseher hat sich mit den Machtverhältnissen unter den Taliban arrangiert: auf den Straßen setzt er sich mit der Peitsche durch, gegenüber seiner Umwelt ist er herrisch und doch bedrückt ihn der Zustand seiner todkranken Frau und der allgegenwärtige Terror.
Mohsen, durch den Machtwechsel von seinem Studium unterbrochen, irrt planlos durch die Straßen während seine schöne Frau, in einem anderen Leben eine begehrte Juristin, sich zu Hause verkriecht.
Die Wege dieser beiden Paare kreuzen sich zufällig, und die vier Menschen werden von dem Terror mitgerissen, vor dem weder Liebe, Ehe, Freundschaft, Bildung oder Mut Bestand haben und sich als einziger Ausweg der Tod anbietet.
Der Autor schafft es den Leser mit dieser kurzen Geschichte (160 Seiten) in die Straßen Kabuls zu entführen, man kann die Aussichtslosigkeit förmlich spüren und erlebt wie der einzelne Mensch zum Spielball des Terrors wird.
In Anbetracht dieses Buches muß man sich der Gleichgültigkeit, mit der die Welt das Taliban-Regim geduldet hat, schämen.


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Entartet

Ein dünnes Buch, aber umso eindringlicher. Der Autor (der unter dem Namen seiner Frau schreibt) beschreibt den Alltag zweier Familien in Kabul unter den Taliban, ganz normale Leute in einer völlig entarteten Welt, wie sie uns Europäern nur schwer vorstellbar erscheint. Eine Welt, in der Lachen, Singen, Musik, quasi alles verboten ist, in der Frauen weniger wert sind als der Dreck am Straßenrand, in der jeder Spaziergang mit Peitschenhieben enden kann, weil man es gewagt hat zu lächeln, in dieser Welt treiben die Protagonisten auf den Abgrund zu, obwohl sie einfach nur versuchen zu überleben. Der Autor beschreibt sehr realistisch, dass das fast unmöglich ist, denn in einer entarteten unmenschlichen Welt werden auch normale Menschen immer entarteter, jede Grausamkeit ist normal. Ein wirklich gutes Buch, was einem Gänsehaut verursacht und man wirklich dankbar ist, auf der richtigen Seite des Erdballs zu leben.


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Das Leben unter den Taliban

Atiq war 10 Jahre alt, als die Russen Afghanistan angriffen. Jetzt ist er Gefängniswärter unter den Taliban und bewacht Todeskandidaten. Seine eigene Frau ist todkrank und so irrt Atiq verzweifelt tagein und tagaus durch Kabul um nicht nach Hause gehen zu müssen.
Mohsen und Zunaira gehörten vor dem Umsturz zur gebildeten Schicht, Zunaira war Juristin. Dann kamen die Taliban und seitdem muss sich die emanzipierte Zunaira unter der Burqa verstecken, was sie als Demütigung empfindet.
Als sich Zunaira von ihrem Mann überreden läßt, mit ihm einem Spaziergang durch die Stadt zu machen, kommt es zur Katastrophe. Durch dieses Ereignis treffen sich die Geschichten von Zunaira und Atiq und in einer Wüste von Elend und Leid sprießt ein kleiner Keim von Liebe.

Dieses Buch ist bedrückend und erschütternd. Unter den Taliban war sowohl Lachen wie auch Singen und Tanzen verboten. Eine kranke Frau jagt man davon wie einen reudigen Hund. In dieser Geschichte wird einem das Ausmaß eines solchen Lebens deutlich. Es ist bedrückend, mit Atiq und Mohsen durch Kabul zu wandern, das nur noch aus Schutt, Asche und Leid besteht. Es gibt keine glücklichen Momente. Aber das wäre in so einer lebensfeindlichen Umgebung auch unrealistisch. Zudem zeigt das Buch auch, wie schnell sich Leute dem vorgegebenen Verhalten anpassen und wie unglücklich sie werden können, wenn sie aufbegehren wollen. Dieses Buch ist ungemein berührend und zeigt dem Leser, unter welchen Bedingungen man in Afghanistan lebt. Die dargestellten menschlichen Abgründe sind grausam, aber realistisch geschildert. Ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn auch etwas schwierig zu lesen, da jeder Satz der 150 Seiten vor Informationen strotzt, die dem Leser viel Konzentration abverlangen und ihm keine Verschnaufpause gewähren.


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brilliant

Das Buch ist atemberaubend, grausam, furchtbar und wunderschön, in fliessender Schrift ohne Punkt und Komma. Musste es ein paar Seiten überschlagen, weil ich die Wahrheit und Graumsamkeit nicht ertragen konnte. Ich weiss nicht, ob ich es empfehlen würde, denn es brennt sich ein in Kopf und Herz und wird zu einer unvergesslichen,aber leider doch zu abgründigen Reise, in eine uns so fremde Welt.


reviews: page 1, 2



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