Der Antiquar: Roman | Hansjörg Schertenleib
Bücher:
der antiquar: roman
Der Antiquar: Roman
Hansjörg Schertenleib
Aufbau Tb
, 2007 - 189 Seiten
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Lebensphasen eines Sonderlings
Hansjörg Schertenleib Der
Antiquar
aufbau
ISBN 3746623979
Arthur Dold ist Antiquar und Kartenhändler.
Er lebt in einem kleinen Ort in der Schweiz.
Stundenlang kann er in seinem alten, abgeschabten Sessel sitzen und entweder dem Schneetreiben vor seinem Laden zuschauen, oder aber seine Karten restaurieren.
Eines Tages passiert Unsägliches: er wird von einem Ladenräuber heimgesucht, ausgeraubt und zusammen geschlagen.
In langen Erinnerungspassagen lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen.
Der Vater, ein Gartenmeister, hat dem alten Fabrikbesitzer Hotz den Garten gepflegt und Hausmeisterfunktionen wahrgenommen.
So kamen auch Arthur und seine Schwester in das Haus am See, wo es allerhand zu erleben gab. Ein Bootshaus, der See, die junge Frau, die Hotz erst spät geheiratet hatte.....
Kinder hatte das Paar keine, so dass sie sich zum Kinderersatz die Kinder des Gärtnerehepaares nahmen. Arthur hasste die Stunden, in denen er überschwänglichen
Roman
en oder Gedichten folgen musste, weil es der Turinerin, so wurde die Frau des Fabrikbesitzers genannt, so gefiel!
Seiner Schwester Ines widerfuhr noch Ärgeres.....
Später ist Dold Antiquar geworden.
Nach dem Überfall lässt er sich von Lea pflegen, seiner Lebensgefährtin der späten Jahre.
In einer leicht melancholisch und resigniert klingenden Weise, beschwört Dold die alten Bilder der Vergangenheit herauf. Fast riecht man das angestaubte Mobiliar der Einrichtung und spürt etwas von der Einsamkeit, die den Mann umgibt.
Zwar ist die gegenwärtige Lebensgefährtin präsent und lebendig. Beide Partner leben jedoch für sich. Und für sich ist auch Arthur Dold, wenn er seine Erinnerungen wieder belebt.
Es gibt Freunde, die auf einen Whiskey bei ihm vorbeischauen; man raucht zusammen ein Zigarillo. Draußen schneit es, und die Dämmerung legt sich auf die Gassen.
Das Gefühl, dass hier einer schon weit fortgeschritten in seinem Leben steht und, dass es nicht viel Neues mehr geben wird, macht sich breit. Die Erzählung besitzt einen eigenen Reiz: das Leben wirkt gemächlich und teilweise gemütlich. Nur findet Arthur Dold keinen rechten Halt, und es fehlt die zur Stimmung passende Geborgenheit.
Die Schweiz mit ihrer herben, stillen und bedrohlich kalten Winterlandschaft im tiefen Schnee gewinnt an Konturen.
Dold macht die sonderbarsten Erfahrungen. Sein Freund, ein Arzt, wird zu seinem Gesprächspartner über die letzten Dinge. Und letzte Dinge begegnen auch Arthur Dold.
Schertenleib beschreibt die ungewöhnliche, intensive und verlorene Welt des Sonderlings Arthur Dold. Ein eigenartiges, individuelles und abseits der Norm gelebtes Leben wird uns vorgeführt. Man liest das Buch mit gemischten Gefühlen: zwischen anheimelnd und beängstigend erscheint uns das Auftauchen und Verschwinden von Personen, die nur am Rande eine Rolle spielen.
Die Erzählung lässt wechselnden Stimmungen aufkommen, die sich synchron zur Handlung entwickeln.
Die Spannung wird durch die Konstruktion des kleinen Romans hervorgerufen: vom normalen Leben des Antiquars, der sich den alten Atlanten widmet, bewegt er sich zu einem sich äußerlich und innerlich verirrenden Wesen.
Angeregt und nachdenklich bleibt der Leser am Ende zurück.
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Vergangenheit in Bruchstücken
Bei einem Lesefest habe ich zum ersten Mal von dem preisgekrönten Autor gehört, und da mich die Inhaltsangabe dieses Buches angesprochen hat, habe ich es mir gekauft.
Der Anfang hat mir gut gefallen, es kam Spannung auf und machte Lust auf mehr. Ich wollte wissen, was es mit der Geschichte des
Antiquar
s auf sich hat. Leider hat die Spannung nicht gehalten. Die Vergangenheit der Hauptperson wurde nur in Bruchstücken eingeblendet, und die Personen, die in der Vergangenheit für den Antiquar bedeutend waren, wurden nur angeschnitten, waren nach wenigen Zeilen/Seiten wieder verschwunden. Irgendwie habe ich die ganze Zeit gedacht, dass da eigentlich noch mehr kommen müßte. Letztendlich habe ich das Buch zwar zu Ende gelesen, die letzen Seiten des Schlusskapitels habe ich allerdings nur noch überflogen, da mir die einzelnen Passagen überhaupt nichts mehr gesagt haben.
Der Autor hat zwar die melancholische und teils verzweifelte Stimmung des Antiquars recht gut eingefangen, jedoch muss für mich ein
Roman
mehr beinhalten als nur "Stimmung".
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