Der Vorwurf an ihn lautet: Fahnenflucht. Stefano landet in einem Veteranenheim, wo er alte Männer versorgen muß. Seine gelegentlichen Treffen mit Carla werden durch diesen Umstand mitbestimmt. Sehr devot läßt sich der Rekrut auch noch von der dominanten Liebhaberin erniedrigen. Vielschichtig führt der Autor seine Leserschaft in eine ganze Reihe von Praktiken ein, was für allzu zartfühlende Gemüter doch etwas starke Kost sein dürfte.
Aber es kommt noch besser: Stefano braucht, wie jeder Rekrut, Geld. Und weil er ja an einer Schauspielschule war, verdingt er sich bei einer ungemein wohlhabenden Frau, die ihn erotische Geschichten vorlesen läßt. Das ist eine durchaus seltsame Obsession, da der Ehemann der Signora nichts davon erfahren darf. Und weshalb Stefano auf der Anfahrt mit dem Fahrer der Frau eine Augenbinde tragen muß. Erst als diese ihm den obskuren Auftrag gibt, eine Fotografie aus London zu besorgen -- und zwar um jeden Preis -- nutzt er das ihm zur Verfügung stehende Geld, um aus dem Teufelskreis der Abhängigkeiten auszubrechen. Da er, um den Auftrag zu erfüllen, ohnehin aus der Armee desertierte und nicht mehr nach Italien zurückkehren kann, setzt er sich gleich richtig ab.
Schertenleibs Buch ist nicht leicht einzuordnen. Ihn in die Sparte "Erotik" einzustufen, wäre nicht richtig. Aber harmlose leichte Muse kredenzt er auch nicht. Das Umschlagcover verdient ebenfalls Beachtung: Es ist von der aus vielen Fotozeitschriften bekannten Karin Szekessy. --Corinna S. Heyn