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  Der Papierkönig. | Hansjörg Schertenleib
 
 
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der papierkönig.

Der Papierkönig.
Hansjörg Schertenleib

Aufbau Tb, 2005 - 343 Seiten

Kundenbewertung:(4 Bewertungen)
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leider nicht konsequent durcherzählt...

Reto Zumbach, lokalredakteur des Hamburger Abendblatts, hat sich in den Kopf gesetzt, ein Buch zu schreiben. Die Handlung soll auf einer wahren Begebenheit beruhen: Eine junge Frau, Nathalie, die ihren Urlaub mit ihrem Freund Daniel in Irland verbringt, wird von dem erfolgreichen Papierfabrikanten Kolk tagelang im Keller seines Gästehauses gefangen gehalten und missbraucht, während Daniel von Kolk brutal ermordet wird. Zumbach nimmt Kontakt Kolk auf, der inzwischen eine Gefängnisstrafe für seine Taten verbüßt und erhält Briefe, in denen Kolk über sich und seine Taten berichtet.
Zumbach selbst macht sich auf den Weg nach Irland, um in unmittelbarer Nähe des Tatorts mit seinem Buch zu Beginnen. Doch statt das Geschehene nieder zu schreiben, kreisen Zumbachs Gedanken immer mehr um ihn selbst, er beginnt seine Vergangenheit aufzuarbeiten und bricht schließlich mit seinem bisherigen leben.

Die Rahmenhandlung, nämlich Zumbachs Begegnung mit sich selbst in der Abgeschiedenheit Irlands, ist an sich eine recht gelungene Geschichte. Dass der kriminalistische Handlungsstrang immer weiter in den Hintergrund tritt, um gegen Ende beinahe ganz aus dem Geschehen zu verschwinden, hinterlässt den Leser jedoch am Ende recht unbefriedigt. So schön es ist, verschiedene Handlungsstränge zu entwickeln, so wäre es doch schön, wenn sie auch konsequent bis zum Ende des Buches verfolgbar blieben und sich nicht einfach in Luft auflösen und den Leser vergeblich auf eine schlüssige Auflösung warten lassen.
Nichts desto trotz ist Der Papierkönig" ein sprachlich sehr gut geschriebenes Buch, das sich hervorragend lesen lässt und einen durchaus in seinen Bann zieht.



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Am Schluss bleiben Fragen

Ich fand die ersten 300 Seiten von Hansjörg Schertenleibs Roman sehr interessant, aber die letzten 50 Seiten trübten meine Freude am Buch stark. Im "Papierkönig" werden verschiedene Geschichten parallel entwickelt und erzählt. Schertenleib spannt ein spannendes Beziehungsgeflecht auf, aber am Schluss fehlt die Auflösung. Die einzelnen Erzählstränge werden nicht zusammengeführt, sondern die Geschichten fallen auseinander, weshalb der Leser am Schluss eher ratlos zurück bleibt.
Es geht um den wenig erfolgreichen Journalisten Zumbach, der in Irland den Tod des Fussballers Kienast recherchiert. Da Kienasts Freundin Nathalie die Freundin seiner Schwester war, hängen beide Geschichten stark zusammen. Die recherchierte Geschichte ist somit immer auch Teil seiner eigenen Geschichte. Besonders stark fand ich den Erzählstrang, der von Zumbach und seiner langjährigen Freundin Stephanie handelt. Namentlich, wie sie sich während der Zürcher Jugendunruhen Anfang der Achtziger Jahren kennen gelernt und wie sie sich von Spontis zu eigentlichen Spiessern entwickelt haben. Einzig Zumbach entledigt sich schliesslich vom Spiessertum.
Für mich ist ziemlich unklar geblieben, warum der Roman eigentlich "Der Papierkönig" heisst, denn die Figur des Unternehmers und Mörders Kolk ist nur eine Nebenfigur, welche geheimnisvoll und völlig unfassbar ist. Die eigentliche Hauptfigur ist Zumbach. Sprachlich ist der Roman dagegen ganz stark. Die einfache, poetisch wirkende Sprache erinnert mich an Silvio Blatter.
Der Roman ist auch als Hommage an Max Frisch angelegt. Schertenleib gibt auch einen klaren Hinweis, als er von einer Busreise ins mexikanische Palenque berichtet. Das ist ein Fingerzeig auf "Homo Faber". Max Frisch schrieb auch über die gleiche Thematik, nämlich der Frage nach der eigenen Identität, wie zum Beispiel in "Stiller" oder "Biographie: Ein Spiel". Mit einer Vorkenntnis von Frischs Werk würde Schertenleibs Roman viel verständlicher.


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Fantastisch erzählt, aber ...

Reto Zumbach, Journalist beim Hamburger Abendblatt, gebürtiger Schweizer, Anfang dreißig, macht sich auf den Weg nach Irland, weil er ein Buch schreiben will: Die wahre Geschichte eines Mordes, begangen vom sechzigjährigen Papierfabrikanten Richard Kolk - ein Deutscher mit Ferienhaus an der irischen Küste - am Torhüter des FC Zürich, Daniel Kienast. Ein Verbrechen aus Leidenschaft, sofern man bei dem nüchternen, berechnenden Unternehmer von Gefühlen reden kann: Kolk wollte, bekam dann auch Natalie - gegen ihren Willen -, die Partnerin des Fußballstars - zufällig auch die beste Freundin von Zumbachs Schwester, was letztlich der Anlaß dafür ist, daß er die Geschichte erzählen will. Natalie befindet sich seither in der Psychiatrie, Kolk sitzt im irischen Knast und schreibt ruppige, aber wohlformulierte Briefe.

Schon anfangs, als Zumbach auf der Fähre unterwegs ist, erfährt der Leser viel über diesen unentschlossenen, weichen, für allerlei emotionale Einflüsse anfälligen Journalisten, der seinen Eltern vorgaukelt, beim "Spiegel" zu arbeiten, der immer noch seiner großen Liebe Stefanie nachhängt, trotz aller Demütigungen durch die viel stärkere, selbstbewußtere Frau. Und so erzählt der Roman vier Geschichten: Eben jene von der vergangenen Liebe, jene von der Suche nach den Schauplätzen der Mord-Vorgeschichte, jene von Natalie, die in der geschlossenen Abteilung sitzt, und die von Kolk, der Zumbach einige Briefe geschickt hat. Zumbach bewegt sich durch Irland, folgt der Spur der tragischen Urlaubsreise des frischverliebten Paars, aber gleichzeitig ist er sehr passiv, nimmt zur Kenntnis - die Dinge passieren ihm. Seine größte, aktivste Leistung besteht darin, sich überhaupt auf den Weg zu machen. Er ist insofern ganz Journalist, Chronist, aber gleichzeitig fehlt ihm die Fähigkeit, sein eigenes Leben von dem zu trennen, was Gegenstand seiner Recherchen ist. Das Buch - Zumbachs Buch - ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

"Der Papierkönig" scheint unglücklich betitelt, aber hier wie auch ansonsten im Roman nehmen vordergründige - wie diese - und weit weniger vordergründige Doppeldeutigkeiten großen Raum ein. Die Suche, die stattfindet, ist auch die Suche nach dem eigenen, verlorenen Leben; obwohl noch vergleichsweise jung sieht die Bilanz von Zumbachs Leben niederschmetternd aus.

Ich bin hin- und hergerissen, denn das Buch ist fantastisch erzählt, Schertenleibs Sprachgewalt und Bilderreichtum nehmen den Leser sehr schnell für sich ein. Seine Figuren sind plastisch, seine Geschichten sind spürbar, seine Beschreibungen erzeugen fast visuelle Eindrücke. Lange, lange habe ich keinen deutschsprachigen Roman mehr gelesen, der so vortrefflich geschrieben war. Aber, aber. Irgendwas an der Geschichte stimmt nicht - viele Motivationen, Ursachen, Zusammenhänge bleiben unscharf bis völlig unerklärt, Schertenleib stößt seine Hauptfigur ein bißchen zu sehr herum, das Ende hat reichlich unbefriedigende Züge, eigentlich stiehlt sich der Autor aus der Verantwortung. Dennoch lohnt sich das Buch, alleine eben wegen der Tatsache, daß es sprachlich rundum überzeugt.


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Kein gutes Ende

Nach den ersten 100 Seiten dachte ich, dies sei das beste Buch eines deutschsprachigen Autors, das ich seit Ewigkeiten gelesen habe, dann wurde es etwas langatmig und zum Schluss meiner Meinung nach fast richtig schlecht. Die Stärken des Buches liegen in den sehr deutlichen erzählerischen Vorzügen. Die Figuren ziehen einen - zumindest anfangs - sehr in den Bann. Wenn Schertenleib eher realistisch Zumbachs Kindheit, seine Beziehung zu Stephanie, Nathalies Beziehung zu Daniel und die Geschichte des Papierkönigs und Bösewichts Kolk erzählt, ist das Buch packend und originell. Zum Schluss werden dann verstärkt Techniken des avantgardistischen Erzählens angewandt, die Story bricht auseinander. Dies ist an sich noch nicht das Problem. Das Schlimme ist, dass man das Gefühl hat, dass das Zusammenhangslose und Assoziative eher das Problem verdeckt, die Fäden der einzelnen Figuren nicht mehr zusammendenken und die Geschichte nicht mehr zu Ende bringen zu können, was wirklich schade ist. Dass die Protagonistin Nathalie ausgerechet zweimal einem wirklich ultrabrutalen Gewaltverbrechen zum Opfer fällt, wirkt billig, vollkommen unrealistisch und zerstört die Dramatik des ersten Teils.


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