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  Die Lämmer des Herrn | Yasmina Khadra
 
 
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Die Lämmer des Herrn
Yasmina Khadra

Aufbau Tb, 2004 - 213 Seiten

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Der Aufbau des Fundamentalismus

Der Roman zeigt wie sich der Fundamentalismus in der Gesellschaft ausbreiten kann. Die Geschichte spielt in Algerien. Anfangs war schon der Kampf um die Unabhängigkeit, wo ein Teil der Gesellschaft noch zu Frankreich hielt. Anschliessend führte die Vetternwirtschaft im Staatsapparat zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung, der richtige Nährboden für die Ausbreitung des Extremismus. Die alten Eliten werden so abgesägt und durch neue ersetzt. In Algerien kann jedoch die Armee die alte Situation wiederherstellen. Resultat ist so ein Unruheherd, welcher immer wieder aufflammt. Im Roman sind des weiteren Racheakte wegen vorheriger Unterdrückung, Eifersucht wegen der Liebe zur gleichen Frau, wodurch aus Freunden Feinde werden. Es gibt allerdings auch die Trittbrettfahrer, welche sich jeweils dem günstigen Wind zuneigen. Ein wichtiger Roman, um das algerische Chaos besser zu verstehen.


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"Der Teufel ist mitten unter uns"

Dieser Roman spielt im Dorf Ghachimat in Algerien Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts: ein typisch arabisches Dorf mit Tratsch und Klatsch, Unterbeschäftigung und wenig bis gar keiner Perspektive für die Jungen. Drei Freunde lieben das gleiche Mädchen (die Tochter des Bürgermeisters). Nur einer kann sie (in allen Ehren) heiraten: der Polizist Allal. Aus Enttäuschung darüber geht sein Freund, der Lehrer Kada, nach Afghanistan und wird dort ein glühender "Gotteskrieger". Als er nach einiger Zeit ins Dorf zurückkehrt, beginnt der große Terror...
Das Buch von Yasmina Khadra (Pseudonym für einen hohen algerischen Offizier, der nach Frankreich emigrierte) zeigt die Mechanismen eines Pseudo-Gottesstaates: Man stützt sich auf die (ihrer Ansicht nach) Zukurzgekommenen, die sich dem Terror umso williger in die Arme werfen. Leutseligkeit wird in diesem Dorf zur Aggressivität, Lethargie zum Chaos - keiner ist sich mehr seines Lebens sicher. Bücher werden zur Todesfalle. Man führt vorgeblich einen Krieg gegen alles, das eine Dienstmütze des verhassten (algerischen) Staates trägt - in Wirklichkeit ist es aber ein Krieg gegen den Menschen. Frauen und Kinder, ja Säuglinge werden auf die grausamste Art und Weise ermordet. Am Ende triumphiert einer, der selbst - auf Grund seiner Behinderung - jahrzehntelang unterdrückt und ausgestoßen wurde.
Auffällig an diesem Roman ist auch, dass selbst eine strenge Religion wie der Islam die Menschen nicht daran hindert, andere (Menschen), die in irgendeiner Form von der Norm abweichen, auszuschließen, zu misshandeln, zu verletzen usw.
In weiten Bereichen erinnert das Buch mit all seinen Mechanismen an die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und Österreich (und nicht nur hier).
Mein Rat: unbedingt lesen und weiterempfehlen!


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Großartige Fallstudie

Yasmina Khadra schildert auf knapp 200 Seiten, wie eine Gesellschaft in den Fundamentalismus abdriftet. Und man sieht auch, dass die Ursachen nicht zwingend religiöser Natur sind, sondern oft Neid, Hass und Eifersucht die Auslöser sind.
Eine großartige Fallstudie!


Das Schlachten der Lämmer

Das Motto des Buchs liegt in dem Satz: "In Ghachimat nährt sich das kollektive Gedächtnis vorrangig von der Rachsucht" (S. 19).

Ein blutrünstiger Roman. Nichts für Zartbesaitete.

Erzählt wird der Verfall und das Sterben eines Dorfs: Vom Entstehen einer extremistischen Bande, über die Einschüchterungen der Zaudernden, das Schlachten einzelner (Lämmer), bis in die Exzesse der sich schwindlig steigernden Gewaltorgien.

Die Hinwendung der Nachbarn, einiger weniger zu den Fundamentalisten kommt schleichend. Erst mit dem Sieg der FIS, der Front Islamique du Salut, (erwähnt auf S. 96) erreicht auch das Dorf Ghachimat die Möglichkeit, sich mehr oder weniger problemlos auf die Seite der Sieger zu schlagen, für Gottes Staat zu kämpfen und zu töten. Der Atem des Meuchelns erreicht das Dorf.

Die wenigen Meister des Todes sind die Frömmler, eine Schar ehemals Zukurzgekommener. Ihr Meister ist jedoch (welch Ironie) kein Frommer, kein Frömmler. Es ist Zane, ein Ausgestoßener, ein: der Zwerg. Er, der Zuflüsterer, erhält die Macht über Leben und Tod. Er bestimmt, wer als nächster dran ist. Wie ein Geier lauert er über dem Dorf. Er wartet geduldig. Er ist die Rache und das Ende.

Wie alle Romane des Autors (die ich kenne) klar strukturiert, packend, kompromisslos, aber wenig Trost spendend.



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Wenn der Wahnsinn wuchert

Ein kleines algerisches Kaff, Anfang der Neunziger Jahre. Tradition, Trägheit und Hoffnungslosigkeit prägen das ereignislose Leben. Die Wunden des Freiheitskampfes vor drei Jahrzehnten sind noch nicht vernarbt, die damals Geächteten heute noch aus der Gesellschaft ausgestoßen. Da entzweit die Eifersucht drei Freunde: Als der siegreiche Polizist die begehrte Dorfschöne freit, meldet sich der frustrierte Lehrer zum Kampf nach Afghanistan, während der dritte im Bunde, ein arbeitsloser Versager, sowieso keine Chance gehabt hätte. Doch als der Lehrer als Mudschaheddin" zurück kehrt, beginnt sich die Stimmung zu wandeln. Die religiöse Bewegung der Islamisten trotzt der allmächtigen Befreiungspartei, sammelt immer mehr der Hoffnungslosen um sich, und allmählich kippen die Mehrheiten. Als die Islamistenbewegung nach ihrem Wahlsieg verboten wird, überzieht Terror das Land, von dem bald niemand mehr weiß, von wem und wozu er begangen wird. Wie in Ionescos Stück Die Nashörner" geraten die Vernünftigen in die Rolle geächteter Außenseiter, während fanatische Grausamkeit zum Selbstzweck mutiert.
Khadras Buch malt ein düsteres Bild einer perspektivlosen, sich selbst zerfleischenden Gesellschaft, doch manchmal merkt man, dass der Autor intellektuell weit über seinen Figuren steht. Wenn z.B. Tej, der ungebildete Dorfmechaniker, der sich den Islamisten angeschlossen hat, einen Mitstreiter als Operettenpropheten" betrachtet, so darf man sich schon fragen, wie viele dieser Armen jemals eine Operette gesehen haben. Auch sonst wird häufig erzählt, werden selbst grausamste Geschehnisse eher berichtet, als in spannungsgeladene Szenen verwoben. Dennoch ein lesenswertes Buch, schon um so bitterer, illusionsloser Sätze willen wie: ' Die Armut macht vor keinem Hort des Friedens halt. Nimm ihr die Leine vom Hals, schon stürzt sie sich auf das Glück der anderen. Wenn du eine Bestie suchst, die keine Ermüdungserscheinungen kennt, so such sie dir unter den Ärmsten der Armen. Schlagartig träumt sie von einem Reich, das aus Schlachthäusern und Nutten besteht...."



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