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  Das dunkle Spiel | C. S. Mahrendorff
 
 
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das dunkle spiel

Das dunkle Spiel
C. S. Mahrendorff

Lübbe, 2003

Kundenbewertung:(4 Bewertungen)
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Mahrendorf Das dunkle Spiel

Ich habe die vielleicht etwas schrullige Ansicht, Bücher sollten eigentlich nicht den Umfang von 250 Seiten überschreiten. Natürlich gibt es Ausnahmen, die wie z.B. Harry Mulisch mit seiner "Entdeckung des Himmels" fast 800 Seiten füllt, ohne langweilig zu werden. Leider hat Herr Mahrendorf nicht das Format dazu. Die ganze Geschichte schleppt sich so dahin ohne sich recht zu entscheiden, ob es ein Künstlerportrait oder ein Kriminalroman oder die Darstellung einer unglücklichen Liebe sein soll. Die Selbstbeschränkung auf 250 Seiten hätte dem Buch sehr gut getan, dann wäre es vielleicht spannend geworden. Ansonsten bleibt alles an der Oberfläche. Es wird weder Mahler und seine Bedeutung diskutiert, noch eine tiefere Analyse des Antisemitismus im Wien vor dem 1. Weltkrieg dargestellt. Ich hatte den Eindruck häufig werden nur Seiten mit Worten gefüllt, die gespart werden konnten, ohne dem Verlauf einen Abbruch zu tun. Mühsam entwickelt sich die Geschichte zum Finale, zwar wird erst der Verdacht auf eine andere Person als den eigentlichen Erzbösewicht gelenkt, aber die Spannung wird nicht gerettet.
Da der Erzähler Psychologe ist, wundert mich dann doch seine verkorkste Liebesbeziehung, ein Happy End hätte ich mir gewünscht. Es hätte ja nicht die Künstlerin sein müssen. Loben möchte ich aber doch die Beschäftigung des Autors mit Mahler und seinem Werk und seiner Zeit. Hier glänzt er mit Faktenwissen, so dass die Lektüre doch nicht umsonst ist. Aber auch gerade die Anregungen, die er aus dem sicher nicht langweiligen Leben Mahlers und vor allem seiner Frau Alma hätte ziehen können, lässt er beiseite. Schade!


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Verschwörung in Wien

Also, da gingen selbst dem jungen Wiener Nervenarzt zum Schluss die Nerven durch, was kaum verwundert, denn die Staatsanwaltschaft hat ihm, unter Androhung lebenslanger Zuchthausstrafe, verboten,auch nur ein Sterbenswort dieser ungeheueren Vorgänge in die Öffentlichkeit zu tragen.

Herr Dr. Leonhard Heydinger, ich hoffe, Sie haben sich im Krankenhaus wieder erholen können. Doch jetzt, da Sie wieder auf den Beinen sind,können Sie doch wenigstens ein bisschen von dieser geheimnisvollen Wiener Verschwörung erzählen, denke ich. Es ist ja auch immerhin schon einige Jahre her.

Im Café Imperial, damals, im Januar 1905,sprach Sie Herr von Fringsheim an, ein angehender Sektionsrat im Wiener Innenministerium, den Sie von einem Sektempfang in Köln her kannten. Anlass für diese Gesellschaft war die Uraufführung von Gustav Mahlers 5. Sinfonie, die er selbst dirigierte. Jedenfalls, eröffnet von Fringsheim Ihnen nun, dass ein Verräter im Innenministerium sein müssse. Der Regierung in Belgrad sei ein Bericht über die Wehrfähigkeit der k.u.k.Infanterie in die Hände gespielt worden. Es geht wieder einmal um Serbien... und um jüdische Künstler, die aus Wien mit aller Macht vertrieben werden sollen, das Ziel "der schwarzen Hand", einer antisemitischen Geheimloge. Sie ist wieder aktiv, geht ihnen gleich durch den Kopf.

Ich merke schon, Herr Doktor, Sie werden nervös. Bleiben Sie ruhig, Sie haben nichts zu befürchten! Doch ich verstehe schon, was Sie so erregt: Sechs Jahre zuvor tauchten Erpresserbriefe an jüdische Persönlichkeiten auf. Sie waren als Nichtjude zwar nicht unmittelbar betroffen,aber auf Grund Ihrer gesellschaftlichen Stellung und Ihres Engagements im kulturellen und politischen Leben Wiens wurden Sie immer mehr in die Affäre verstrickt., die mit der Ermordung der Kaiserin Elisabeth nicht endete,jedoch von nun an totgeschwiegen wurde. Nur Graf von Rheinsperg, Sie und einige wenige wussten von der Existenz "der schwarzen Hand".Ihnen waren damals die Hände gebunden. Sie durften nicht weiter ermitteln. Und tatsächlich, jetzt sollte es in die nächste Runde gehen.

Neben vielen Musikern der Hofoper ist auch Arnold Schönberg Ziel der Verschwörung; auch Siegmund Freud ist unter merkwürdigen Umständen mit den Erpressungen verwoben. Vor allem aber ist Gustav Mahler, der umstrittene und eigenwillige Komponist, der Direktor der Wiener Staatsoper, von der Hasstritade betroffen.

Es geschehen Morde, die als Selbstmorde kaschiert sind. Und wie steht es um Gustav Mahlers Tod? Sie haben Mahler über die ganzen Jahre, mehr oder weniger, begleitet. War es wirklich die Schuld "der schwarzen Hand", dass man sein Leben nicht retten konnte? Wer waren die Drahtzieher? Von wo aus agierten sie?

Dr. Heydinger, nun reden Sie doch endlich! Sie haben nach all den Jahren doch nun wirklich nichts mehr zu befürchten!Nun gut, Sie wollen Ihr Schweigen nicht brechen. Um so besser, dass C.S.Mahrendorff Ihr Wiener Tagebuch aus dem Jahre 1924 gefunden und es zu einem großartigen Roman verarbeitet hat.Ein Roman wie süffiger Wein.Eine Hymne für Gustav Mahler, ein Thriller vor der Kulisse der Metropole Wien, dieser Stadt "mit ihren Ausdünstungen, ihrer Kopflastigkeit und ihrer Intrigen, ihrer Presse und ihrer Salons, ihrer Demonstrationen und ihren Ausschreitungen." Wien eben, am Vorabend des ersten Weltkriegs.

Ach, beinahe hätte ich es vergessen, Dr. Heydinger, wie geht es Ihrer geliebten Freundin Lena von Rother. Ich sehe, Sie haben gerade ihren Brief gelesen. Ist sie noch immer in New York? Hat sie wieder eine Überraschung für Sie bereit wie seinerzeit in Köln? Na, das war ja eine schöne Bescherung! Ich hoffe, diesmal geht es gut aus...


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Eine Faction (Fiktion und Facts gemischt)

Vielleicht sollte man bei diesem Buch das Nachwort des Autors zuerst lesen. (Aber nur wer diese Rezension nicht gelesen hat) In diesem Nachwort beschreibt der Autor, was sein Buch ist, nämlich die Mischung aus Fiktion und Fakten.
Der Autor vermischt sehr toll das Leben und Schaffen des berümten Komponisten Gustav Mahler zu Beginn des 20 jhrdts. in Wien(und New York).
Ich habe das Nachwort natürlich erst zum Schluss gelesen und habe mich während des Lesens des Buches immer so sehr gewundert. Es handelt sich fast um eine Biographie (allerdings eines kurzen Zeitraums) des Gustav Mahler und seiner Frau. Ich habe mich oft gefragt, darf ein Autor das? Die Kunst ist frei. Klar darf er das. Darf er aber so nah an die Personen herangehen, wie er das tut? Ist das "noch" erlaubt?
Ich fand dann aber wiederum die Darstellung des Gustav Mahler so interessant und faszinierend, dass ich mir, während des Lesens, 2 CDs mit Symphonien des Komponisten gekauft habe, um das "Feeling" für Gustav Mahler zu haben. Nach dem Lesen habe ich mir dann nochmals 2 CDs gekauft. Bin ich nun durch das Mahler Buch ein MahlerFan geworden? Vermutlich ja. Auf alle Fälle hat das Buch erreicht, dass ich mich mit dem Menschen Gustav Mahler und seiner damaligen Frau beschäftigt habe. Was kann ein Buch besseres erreichen/schaffen?


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Gelungene Mischung

Das Buch hat mir von der ersten Seite an sehr gut gefallen. Hier stimmt einfach alles: Guter Stil, geschichtlicher Hintergrund, gelungene Mischung aus Wahrheit und Dichtung, und ganz nebenbei wird auch noch das Interesse geweckt an bekannten Persönlichkeiten und die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Buch, das unterhält und Wissen vermittelt. Da lohnt es sich, zu lesen! Mir hat schon vor Jahren Mahrendorffs Buch "Und sie rührten an den Schlaf der Welt" wunderbare Lesestunden bereitet. Solche Bücher bleiben in Erinnerung, auch nach Jahren. Solche Bücher holt man auch wieder mal heraus, um sie ein zweites Mal zu lesen. Ganz sicher werde ich demnächst den "Walzer der gefallenen Engel" lesen und freue mich darauf.


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