Es war einmal ein Palästina: Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels | Tom Segev
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Es war einmal ein Palästina: Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels
Tom Segev
Pantheon
, 2006 - 669 Seiten
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Kauftipp
Juden und Briten vor der Staatsgründung Israels
Tom Segev ist ein umfassendes Buch über die Wurzeln des Konfliktes zwischen
Juden
und
Araber
n gelungen. Umfassend, jedoch, meist nur im Bezug auf Juden und deren Hassliebe auf/zu den Briten. Der Untertitel des Buches suggeriert ein holistisches Bild, ein solches wird aber nicht geboten (der Untertitel der Englischen Ausgabe ist da etwas ehrlicher, aber auch nicht 100% korrekt: "Jews and Arabs Under the British Mandate"). Unabhängig davon ist es ein äußerst lesbares Buch, welches die Aufarbeitung unzähliger offizieller sowie privater Dokumente geschickt verwebt. Somit beschreibt das Buch nicht nur den geschichtlichen Kontext, sondern auch die persönlichen Gefühle von Zeitzeugen, die die Fakten komplementieren. Man hätte sich einen ähnlichen Tiefgang auch aus arabischer Sicht gewünscht, sind die zitierten Quellen doch eher spärlich, beständig muss Herrn as-Sakakini's Tagebuch herhalten. Trotzdem ist "Es
war
einmal
ein
Palästina
" ausgesprochen wertvoll für das Verständnis der Geschichte generell und des Zionismus im Speziellen.
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Geschichte erleben
Tom Segev hat es in diesem Buch her
vor
ragend geschafft, Masse von Information und recherschiertem Hintergrund zu einem lesbaren Gang durch einen wesentlichen Teil der Vorgeschichte
Israels
zu machen. Die Darstellung erscheint objektiv mit sehr vielen Quellenangaben, berücksichtigt die Sichtweise und Fehlverhalten von
Juden
und
Araber
n und unterscheidet sich daher durch seine bewusst bemüht objektive Darstellung von vielen anderen Werken.
Trotzdem sollte der Leser einen gewissen Background der weltpolitischen Lage mitbringen, wenn er die beschriebenen zeitlichen Entwicklungen in das Gesambtbild einbeziehen möchte, zwingend erforderlich ist es aber nicht.
Fazit: Umfangreiche Informationsquelle für einen interessierten Leser, der die Zeit mitbringt sich umfangreich in die Problematiken einzuarbeiten, nichts für Freunde der abgerundeten dezidierten Kurzinformation (kein Nachschlagewerk)
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Geschichte erzählt wie ein Roman
Während die meisten Bücher über den Nahost-Konflikt 1948, dem Jahr der Gründung
Israels
beginnen, setzt Segev bereits kurz
vor
Ende des ersten Weltkriegs an und richtet das Augenmerk des Lesers auf die Epoche, in der die wahren Wurzeln des Konflikts liegen. Segev beschreibt mit schon fast belletristischem Stil die Entwicklung der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zum Staat Israel. Dabei gelingt ihm, was wenigen Sachbüchern glückt: Den Leser zu fesseln, als läse er einen Roman. Besonders trägt dazu bei, daß er die geschichtliche Entwicklung nur in zweiter Linie aus der Perspektive der großen politischen Führer erzählt, sondern zu allererst aus der Sicht der weniger bekannten Figuren oder auch aus der Sicht von Menschen, die scheinbar nie am Rad der Geschichte gedreht haben. So kommt eben nicht nur Ben Gurion zu Wort, sondern auch eine englische Volksschullehrerin, ein Soldat oder ein nur mäßig prominenter Mitarbeiter einer staatlichen Bildungsbehörde. Dies alles ermöglicht einen abgerundeten Blick auf die Geschichte. Wegen dieser Herangehensweise eignet sich das Buch aus meiner Sicht auch und gerade für Leser, die die Geschichte
Palästina
s noch nicht kennengelernt haben; vorausgesetzt, man macht sich die Mühe, das Buch von vorne bis hinten zu lesen. Denn ein Nachschlagewerk ist es nicht. Kritisch ist allenfalls anzumerken, daß Segev die Personen, aus deren Sicht er schreibt, manchmal etwas abrupt zur Sprache kommen läßt, ohne sie dem Leser zunächst vorzustellen. So kann es passieren, daß der Leser die politische Bedeutung einiger Figuren zunächst nicht erkennt, weil Segev offenbar voraussetzt, daß sie jedem ein Begriff sind. Wer das Buch zu Ende liest, bemerkt aber, daß die ein oder andere Figur, die zunächst nur als Privatperson in Erscheinung trat, später maßgeblich auf die weitere Entwicklung Palästinas eingewirkt hat.
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Wie der israelisch-palästinensische Konflikt begann
Am 9. November 1917 wurde eine pro-zionistische Erklärung Großbritanniens, die nach dem damaligen britischen Außenminister "Balfour-Deklaration" benannt wurde, veröffentlicht. Sie besagte, dass in
Palästina
die Heimstätte der
Juden
zu schaffen wäre. Die
Araber
wurden in dem Dokument nicht explizit erwähnt, obwohl die Briten den Arabern, im Gegenzug für die Unterstützung im Kampf gegen das Osmanische Reich, die Unabhängigkeit versprochen hatten. Damit begann das ganze Unheil, in das bis zum heutigen Tag die Parteien des israelisch-palästinensischen Konfliktes verstrickt sind.
Tom Segev, ein israelischer Historiker aus Jerusalem, schildert in seinem Buch die Geschichte Palästinas während der britischen Mandatszeit von 1917, dem Ende der siebenhundertjährigen osmanischen Herrschaft über dieses Land, bis 1948, als der Staat Israel gegründet wurde. Er spannt den Erzählbogen von der erst noch illusionären zionistischen Ideologie, die völlig im Widerspruch zur orthodoxen Glaubensauffassung lag, über die Jahre des arabischen Terrors und des jüdischen Gegenterrors bis zu den Entscheidungsjahren, als die Briten einfach nur noch ihr Mandat in diesem für sie strategisch unbedeutenden Landstrich loswerden wollten, wohl wissend, dass danach der Krieg zwischen Juden und Arabern unvermeidbar
war
.
Dieser packende Bericht stützt sich
vor
allem auf britische, arabische und jüdische Quellen, von denen manche hier erstmals zitiert werden. Die Geschichte wird anhand vieler Einzelschicksale von Menschen, die nicht nur bekannte Namen trugen, nacherzählt, was die gesamte Tragik anschaulich und greifbar macht. Segev bleibt dabei immer objektiv. Er kritisiert nicht, sondern schildert die Ereignisse wertfrei so, wie sie sich zugetragen haben.
Wer mehr über die Ursachen des schier unlösbaren israelisch-palästinenschen Konfliktes erfahren will, kommt an dieser exzellenten und objektiven Untersuchung dieser turbulenten Zeit vor der israelischen
Staatsgründung
nicht vorbei.
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Unterhaltsam und informativ
Das Buch hat für mich zwei große Stärken.
Erst
einmal
erklärt es den Ursprung des heutigen Nahostkonfliktes und zeigt, dass dieser auf langfristige, historische Entwicklungen zurückgeht und nicht nur aufgrund spezifischer, politischer Fehler am Ende des ersten oder zweiten Weltkrieges entstanden ist. Er zeigt auch, dass der Konflikt bereits
vor
der
Staatsgründung
Israels
sichtbar
war
, und dass es auch damals schon viele Versuche gab, diesen Konflikt zu lösen. Das Buch zeigt auch sehr gut die Anstrengungen, aber auch das Scheitern der britischen Kolonialmacht, die durchaus nicht nur Machtpolitik betrieben hat, sondern auch versucht hat, eine zivile, friedliche Gesellschaft in
Palästina
zu schaffen. Allerdings ist sie dabei sowohl an den wohl nicht zu vereinbarenden, politischen Zielen der Bevölkerungsgruppen und auch an eigenem Unvermögen gescheitert. Mich hat das Buch gelehrt, dass allen Politikern, die von einer "Lösung" des Nahostkonfliktes sprechen, sogar von einer kurzfristigen Lösung dadurch, "dass man alle an einen Tisch bringt und einen Vertrag unterschreibt", mit Misstrauen begegnet werden muss.
Die zweite Stärke des Buches ist es, dass es den politischen Konflikt zwischen
Juden
und
Araber
n nicht nur im Rahmen einer historischen Analyse darstellt, sondern ihn auf die Ebene einzelner Personen und deren Biographien zurückführt. Oft verstecken sich hinter politischen Begriffen Emotionen oder Konflikte, die auf der Ebene der politischen Wissenschaft eher nur umschrieben als verstanden werden. Ein Stück Land zu bebauen, einen Angehörigen zu verlieren oder an eine Bestimmung zu glauben kann eine starke Identifikation für eine Idee begründen. Und das Buch macht an Beispielen deutlich, wie gerade dieser Prozess zu den Spannungen in der Region führt.
Das Buch erscheint gut recherchiert, es gibt ein umfangreiches Literaturverzeichnis, und durch Zitate wird der Inhalt der manchmal romanhaft beschriebenen Ereignisse auch nachgewiesen.
Aufschlussreich.
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