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  Der Chinese | Henning Mankell
 
 
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der chinese

Der Chinese
Henning Mankell

ZSOLNAY-VERLAG, 2008 - 603 Seiten

Kundenbewertung:(43 Bewertungen)
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Erik Huddén und Vivi Sundberg sind noch arg geschockt, als sie im Januar 2006 nach einer Besichtigung des Tatorts an die Haustür von Tom Hansson klopfen. Der halbnackte Mann, der in den Pistolenlauf der Polizistin schaut, weiß noch gar nicht, dass er und seine Frau die einzigen Überlebenden eines bestialischen Massakers sind, dem die restlichen achtzehn Bewohner seines schwedischen Dorfes zum Opfer fielen. Sie alle waren untereinander verwandt, zwei sind die Adoptiveltern der Richterin Birgitta Roslin. Diese ermittelt auf eigene Faust -- und argwöhnisch von Vivi Sundberg beäugt. Durch Zufall führt sie ein rotes Band zur Spur eines mysteriösen Chinesen: eine Spur, die die Richterin bis hin nach China verfolgt. In der bedrückenden und bedrohlichen Atmosphäre von Peking im Vorfeld der Olympischen Spiele wird sie fündig -- und stößt auf eine schier unglaubliche Geschichte rund um kommunistischen Machtwahn und kapitalistische Korruption, die tief zurückführt in die chinesische Vergangenheit...

Der Zufall spielt eine große Rolle im Roman Der Chinese von Henning Mankell, ein etwas zu große Rolle vielleicht. Auf der anderen Seite ist allzu viel konstruiert in dem Buch, das man trotz der Beteuerungen des Verlags kaum einen Kriminalroman oder gar, wie im Klappentext, einen ?atemberaubenden Thriller? nennen kann. Denn nach dem fulminanten Beginn, der immerhin über einhundert Seiten wirkt, verliert sich Mankell in der Herleitung des Mordmotivs, das im großen, auf dem Rücken der Chinesen ausgetragenen Eisenbau Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Ursprung hat, mit dem ?die Weißen? die Indianergebiete im Norden Amerikas zu erschließen suchten. Das wirkt für einen Kriminalroman, der zudem Köder auslegt, an die in der Folge nichts und niemand mehr anbeißt, alles etwas weit hergeholt -- und lässt die Fans von Kommissar Kurt Wallander ratlos zurück.

Wer sich aber unbefangen auf den Chinesen einlässt, wird trotzdem auf seine Kosten kommen. Denn Mankell kann (immer noch) brillant schreiben und erzählen. Und das macht seinen Roman jenseits aller Schwächen lesenswert.-- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de


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Nicht der Täter ist pervers, pervers ist seine Welt

Henning Mankell, den meint man zu kennen. Das ist der mit dem Kommissar Wallander, ein solider, schwedischer Krimi-Autor. Auch der vorliegende Roman handelt von gewaltsamem Tod. Diesmal aber will die Aufklärung uns mehr erzählen als von Indizienbeweisen und Zeugenaussagen, diesmal trägt die Wahrheitsfindung einen gesellschaftlichen Anspruch in sich, wünscht sich die Handlung eine Gerechtigkeit, die kein Gericht herstellen kann, bestenfalls die Völker. "Der Chinese", so lautet der Titel von Mankells neuem Roman, beschränkt sich auch nicht auf Schweden, selbst wenn er dort seinen Ausgang nimmt. Er beansprucht die ganze Welt als seinen Ort und jene kleinen Plätze in uns, an denen wir uns erinnern, dass wir nur Teile eines ziemlich großen Ganzen sind.

Ein Massaker in einem fast verlassenen schwedischen Dorf ist die traditionelle Ouvertüre: Alles was dort noch lebte, ist an einem Tag, mit einer Waffe gemetzelt worden. Und wie immer, wenn so viele Menschen so grausam sterben, taucht der Verrückte auf, der Einzeltäter, denn wer so viele Menschen umbringt, ohne einen materiellen Gewinn zu erzielen, denn nichts im Dorf deutet auf einen Raub hin, der muss doch verrückt sein. Und wenn er denn geraubt hätte, wäre dann seine Tat normal? - Mankell offenbart dem Leser schnell den Täter. Während die Polizei noch diesen oder jenen verfolgt, erfährt eine Richterin, deren privates Interesse auf ein Tagebuch eines Verwandten stößt, dass die Spur nach China führt.

China, dass war der Richterin einst ein Ziel ihrer Sehnsucht, das kleine rote Buch mit den Mao-Zitaten trug sie als ihre Bibel, zumindest Schweden sollte von ihr und ihrer Gruppe damals revolutioniert werden, später dann auch mehr und eine selbstgenügsame Gemeinschaft hätte es werden sollen, ganz wie in ihr die Volksrepublik schien. Mit leiser Selbstironie und Wehmut erinnert sich die Richterin an diese Zeit und während ihr das Mao-China als ein blasses Bild in rosa Farben abenddämmert, treibt sie die Frage nach dem um, was aus ihr selbst geworden ist: Eine ordentliche Mutter und Beamtin, ein redlicher Mensch, der sich nicht die Finger schmutzig macht, wissend und verdrängend zugleich, dass es in der Welt ganz schön dreckig zugeht.

Es mag ihre Unruhe über die Stille sein, die sie umgibt, ein Treibmittel gegen die verrinnende Zeit, die ihr das Tagebuch eines schwedischen Vorarbeiters beim Bau einer der Eisenbahnlinien, deren Querung Amerikas das große Land für immer veränderten, in die Hand drückte. Das Tagebuch zu finden, ist zum einen der Schlüssel zur Lösung des Massakers, zum anderen eine grandiose Erweiterung des einfachen verbrecherischen Horizonts: Aus dem armen Europa treibt es Menschen in die neue Welt, just zu dem Zeitpunkt, an dem sich das kleinbäuerlich und feudal geprägte Amerika mit ungeheuerlicher Gewalt in den kapitalistischen Riesen verwandelt, den wir heute kennen. Als sich seine Schienenstränge in den jungfräuliche Boden bohren und seine Lokomotiven Menschen und Güter aus aller Welt anziehen und über den Kontinent schleudern.

Wer heute die pittoresken China-Towns in den Städten der USA besucht, wird selten wissen, dass sie auch Denkmale sind, Zeichen der Erinnerung an tausende von Kulis, die beim Bau der großen Eisenbahnen in der noch jungen USA mit der Peitsche zum Graben getrieben wurden, unter Felsen und in der Kälte ihr Leben ließen. Über solche China-Sklaven schreibt der Verwandte der Richterin, voller Hass, denn er ist es, der peitscht, und sie sind es, die sterben. Und wie jeder gute Mörder, dessen Gewinn ein kleiner Lohn oder ein großes Aktienpaket ist, braucht er eine Rechtfertigung: Die Chinesen, Iren oder Neger, denen er vorgesetzt ist, sind ihm der letzte Dreck, den Tieren näher als den Menschen, sie werden verbraucht, wie man Schwellen, Nägel und Schienen braucht, um das Land dem gigantischen Profit zu erschließen.

Mankell nimmt uns mit auf die Reise dreier Brüder aus dem armen China in das vermeintlich reiche Amerika. Zwei von ihnen werden auf der Reise sterben, einer, der den schwedischen Vorarbeiter und dessen Vorliebe für die Knute kennen gelernt hat, überlebt. Er wird zurückkehren in ein China, das längst von den westlichen Mächten kolonisiert ist, dessen Menschenmaterial man nicht mehr importiert, dessen Massen zu Käufern mutiert sind und zu Billigstarbeitern im eigenen Land. Schon früh vertraut Mankell dem Leser an, dass der ehemalige Kuli im wie auch immer kommunistisch geführten China aufgestiegen ist, einer der Verbindungsfunktionäre wurde zwischen Politik und Wirtschaft, einer, der sich die Finger nicht dreckig machen muss, weil er andere dafür bezahlt. Manchmal meint man den enttäuschten Liebhaber zu lesen, jemanden, der auch einmal das rote Buch in der Tasche trug und der sich heute fragt, was denn aus seinen Hoffnungen und seinen Illusionen geworden ist, wenn man Mankells Figuren lauscht.

Nicht ohne dass der Leser es vorher geahnt hätte, reist die Richterin in die heutige Volksrepublik, auf der Fährte des Mörders und in die eigene Geschichte, in jenes China, dessen beschleunigendes Zentrum längst kapitalistisch geworden ist, an dessen Rändern aber die Mehrheit der armen Bauern nur scheinbar geduldig die schweren Lasten der Akkumulation trägt, während sich die oben mit Designerklamotten behängen und mit Statusautomobilen zu ihren Villen fahren. Längst sind die antiimperialistischen Parolen dem Schrei nach Rohstoffen gewichen, längst exportiert man wieder Kulis, nach Afrika, damit sie dort in Bergwerken schuften oder Lebensmittel anbauen. Gern wird vom roten Adel der chinesischen Modernisierer Deng, zitiert, dem es gleich war welche Farbe das Fell der Katze hatte, entscheidend sei, wie viele Mäuse sie fing. Doch in der kommunistischen Partei, so Mankell, wächst die Furcht, die Katze könne auch den Halter fressen.

"Der Chinese" ist ein Buch der Angst. Nicht die üblich Frage nach dem Täter und ob er seiner Strafe zugeführt wird, soll den Leser bewegen. Seitenweise sind die Dialoge politisch, fragen die alten Fragen der Aufklärung und die neuen nach der Rolle der Aufklärung in den Zeiten der Globalisierung. Die Angst um eine Schieflage der Welt ist es, die den Autor antreibt und die er an den Leser weitergibt. Auch wenn der Roman mit einer Strafe für den Mörder endet, auch wenn ein Urteil erkennbar ist, eine Verurteilung hält das Buch nicht bereit. Mankell kann den neuen, großen, internationalen Richter nicht erkennen. Also schreibt er ihn auch nicht.


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Eher politisches Buch

Wieder einmal hat Mankell eine weibliche Hauptfigur gewählt. Die schwedische Richterin Birgitta Roslin stellt fest, dass sie eine Verbindung zu den Mordopfern hat, und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an. Dabei führen ihre Nachforschungen sie auf die Spur eines Chinesen und folgerichtig bis nach China. Hier wird das Bild, das sie von China hat - als junge Frau war sie Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe, die nach den Grundsätzen von Mao handelte - gründlich auf die Probe gestellt.
Mankell unterbricht seine Erzählung nach einem Teil, der in Schweden im Jahr 2006 spielt, für ein langes Kapitel, das in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts spielt und von drei chinesischen Brüdern berichtet, die nach Amerika verschleppt werden und dort unter menschenunwürdigen Bedingungen den Ausbau der Eisenbahnlinie vorantreiben. Nur einer von ihnen kehrt schließlich nach China zurück. Den Zusammenhang zwischen der ungeheuerlichen Bluttat und diesem Einschub begreift der Leser schnell. Auch Birgitta Roslin erkennt rasch Parallelen, doch benimmt sie sich auf ihrer Chinareise teilweise sehr naiv und berichtet allen möglichen Leuten, die sie kaum kennt, von ihrem Verdacht. Dass eine erwachsene Richterin mit großer Berufserfahrung sich so sorglos verhält und natürlich auch prompt in Gefahr gerät, erscheint nicht sehr plausibel.

Der Roman hat zweifellos seine Längen. Mankell-Fans, die die anderen Kriminalromane des Autors kennen, werden sich unter Umständen langweilen, wenn ausführlich von den politischen und gesellschaftlichen Plänen chinesischer Machthaber berichtet wird. Die Geschichte der drei Brüder, die in die USA verschleppt werden, ist fesselnd, verliert sich aber leider bald ebenfalls in einigen Längen, die die Tragik zerstören und den Leser schließlich ungeduldig die Seiten umblättern lassen. Man merkt, dass Mankell das Thema am Herzen liegt und dass er sich viele Gedanken über China und seine Rolle in der zukünftigen Weltpolitik gemacht hat; man muss aber erstmal den Zugang zu diesem Thema finden. Neben einer gewissen Langatmigkeit spielt diesmal auch der Faktor Zufall eine zu große Rolle in diesem Werk. Wenn Birgitta Roslin nach Peking reist und damit sofort am richtigen Ort ist, ist das schon ein wenig unglaubwürdig. Wirklich störend sind die vielen kleinen Fährten, die Mankell auslegt und die nicht weiter verfolgt werden. Was spannend und verheißungsvoll wirkt, wird überhaupt nicht mehr angesprochen: das Verbrechen in den USA, das rote Band, der zuerst gefasste mutmaßliche Täter.

Der Chinese" ist kein schlechtes Buch, es ist nur insgesamt weniger mitreißend als andere Romane von Henning Mankell und stellenweise auch ein wenig langatmig. Mehrere thematisch sehr unterschiedliche Handlungsstränge sind nicht immer überzeugend miteinander verwoben. Man sollte sich auf jeden Fall für die Themen China und Globalisierung interessieren, um Zugang zu der Geschichte zu finden. Wer ein eher politisches Buch lesen möchte, der ist hier richtig; wer einen klassischen Krimi oder Thriller erwartet, könnte enttäuscht sein - und wird mit Sicherheit Kurt Wallander und seine Tochter Linda vermissen.



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Durchwacsen

Mankell schreibt wie immer in einem nüchtern-sachlichen Stil, fasst wie ein Polizeireporter, und dass gibt dem Leser Freiraum für viel eigene Phantasie. Allerdings ist der Stil seines neusten Romans so routiniert und auswechselbar, dass man sich fragt, ob der Autor selber schrieb oder sogenannte Ghostwriter, die seine "Handschrift" draufhaben und unter gewinnbringenden Pseudonym möglichst viel und schnell produzieren. Die Technik des suspense und wechselnder Perspektiven sind gekonnt und klug eingesetzt, etwa ganz am Anfang als der Leser mit den Augen eines einsamen, herumstreunenden Wolfs den grausigen Tatort eines Massenmordes in den schwedisichen Wäldern entdeckt. Aber wollte der Autor wirklich einen Krimi schreiben oder nicht vielmehr ein Buch über die zeitgenössische Politik in China und Afrika, denn nur wo es darum geht, spürt man wirklich das Engagement und die Stimme Mankells. So versucht er in seinem Roman Krimi und politische Aussage zu verbinden und unternimmt dabei einen mühevollen Spagat, der die Jahrhunderte und Kontinente überbrückt. Über die Naivität der politischen Aussagen muss sich der aufgeklärte Zeitgenosse allerdings schon wundern, denn der Autor stellt sich auf die Seite von Männern wie Mao Tse Tung und Robert Mugabe, der eine ein Machtpolitiker der seinem zynischen Kalkül und seinen Fehleinschätzung Millionen von Menschen opferte, der andere gerade in jüngster Zeit als Tyrann und Wahlfälscher berühmt geworden. Kennt der Autor überhaupt die Wirklichkeiten des heutigen China und die gewaltigen Sachzwänge unter denen es steht. Bei soviel Schwarz -Weiss Malerei möchte man es nicht glauben, und dass der Massenmörder aus dem Lager der Bösen kommt macht die Sache auch nicht glaubhafter. Irgendwie erinnert mich Mankell an die westlichen Intellektuellen und Gutmenschen, die in den Dreissigern die Sowjetunion besuchten, das erste sozialistische Land über den Klee lobten aber einfach nichts von den Massenexekutionen und dem Gulag wissen wollten.


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Der große Sprung nach vorn für Mankell?

Schweden, USA, China, Zimbabwe, England. Mankells Roman spielt sich nicht, wie die meisten Wallander-Werke im heimeligen "schwedischen Ländle" (Achtung Kalauer) ab.

Doch beginnt die Story wie es bei Mankell üblich ist. Ein äußerst brutaler Massenmord in der schwedischen Provinz erschüttert nicht nur das Land der Elche, sondern zieht seine Kreise bis nach China. Der Mörder steht bereits nach der Hälfte des Buches fest, ebenso sein ahnengeprägtes Motiv. In Wirklichkeit geht es um ein Land im Aufbruch: China.

Mankell bettet seine Protagonisten ein in ein Land voller Korruption und Widersprüche. Die große Revolution scheint einerseits beendet, die kommunistische Führung teilt sich in 2 Lager auf. Beide scheinen das gleiche Ziel zu haben und für beide gilt: Der Zweck heiligt die Mittel. Doch während die einen noch treu die Maobibel am Herzen tragen und seine Worte jeden Tag zu leben scheinen, werden die anderen zu dem, wovor Mao immer warnte: Kapitalisten, Imperialisten, Egoisten!

Der Mord und die Aufklärung am Verbrechen sind nebensächlich und der große Showdown unvermeidlich. Spannend ist dieses Buch daher nicht, aber es eröffnet den Blick auf eine heranreifende Supermacht und greift das Thema Orwells in "Animal Farm" neu auf. " Alle Tiere sind gleich, doch manche sind gleicher" Quo vadis, Land des Lächelns?


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Ein guter Mankell - auch wenn es doch kein Wallander geworden ist

Mankell beginnt das Buch in der Tradition eines Wallander Kriminalromans. Dem Leser wird von einem blutrünstigen Massenmord in der nordschwedischen Provinz berichtet. Ein Massaker hat stattgefunden, brutal und bestialisch ausgeführt. Ohne erkennbares Motiv wurde nahezu die gesamte Dorfgemeinschaft getötet, überwiegend alte Menschen, die in dem fast verlassenen Dorf wohnten. Die Polizei steht vor einem Rätsel, die Presse und die Medien belagern den Ort, die Aufklärung des Verbrechens macht keine Fortschtritte. Einzig eine engagierte Richterin aus Südschweden beschäftigt sich aus privaten Motiven mit dem Fall und findet erste Anhaltspunkte, die von der örtlichen Polizei aber nur widerwillig in die Ermittlungen miteinbezogen werden.

Dann macht Mankell mit der Geschichte einen Zeitsprung zurück ins mittlere bis späte neunzehnte Jahrhundert. Der Leser begibt sich mit einem jungen Chinesen auf eine Reise voller Qualen, Entbehrungen und Tod. Mit seinen zwei Brüdern flieht ein junger chinesischer Bauer vor der Wilkür eines Großgrundbesitzers und landet schliesslich als Sklavenarbeiter beim Eisenbahnbau im nördlichen Nevada unter der Knute eines brutalen und menschenverachtenden schwedischen Vorarbeiters. Seine zwei Brüder überleben nicht, nur er schafft es, nach Jahren wieder nach Hause zu kommen, lernt schreiben und zeichnet seine Erlebnisse in Tagebuchform für die Nachwelt auf.

Wieder macht Mankell einen Zeitsprung und wir finden uns im modernen China des Jahres 2005 wieder. Der Leser lernt einen Chinesen mittleren Alters kennen, der viel Geld, Einfluss und Macht besitzt. Aber nicht nur dies, er besitzt auch ein 130 Jahre altes Tagebuch von einem seiner Vorfahren. Schnell wird klar, dass es sich bei dem Tagebuch um die Aufzeichnungen des ehemaligen chinesischen Sklavenarbeiters handelt, der zum Ende seiner Chronik über die Schmach und die verlorene Ehre berichtet, unter der er und seine Familie zu leiden hatten und sich dafür Genugtuung wünscht, die er nun jenen überlassen muss, die nach ihm kommen, da er selbst nun zu alt und zu schwach dafür sei. Der Nachfahre im modernen China ist mit den nötigen Mitteln und dem nötigen Einfluss ausgestattet, diesem Wunsch seines Vorfahren endlich nachzukommen. Er bauftragt einen Vertrauten ins ferne Ausland zu reisen und das zu tun, was zu tun ist.

Nun geht Mankell wieder zurück nach Nordschweden zu der engagierten Richterin, die immer mehr Hinweise zu Täter und Tatmotiv findet und sich immer intensiver der Auflösung des Falls widmet. Sie reist sogar nach China, stösst dabei an Grenzen und gerät in Situationen, die ihr viel abverlangen. Der Roman beginnt nach dieser Vorgeschichte quasi erst und entwickelt sich zu einer dramatischen und spannenden Kriminalgeschichte mit vielen politischen, kulturellen und sozialkritischen Aspekten, wie man es von Mankells Romanen gewohnt ist. Ängste des Autors vor einer Kolonialisierung Afrikas durch die Chinesen werden laut und seine kritische Haltung gegenüber einem chinesischem System, das mittlerweile weltweit zu greifen beginnt, wird spürbar. Eine zugegenermassen sehr konstruierte Geschichte, aber es ist ja schliesslich das Privileg eines Schriftstellers, gute Geschichten zu konstruieren. Und diese Geschichte ist gut, sogar sehr gut, wie ich finde. Ein starkes Buch von Henning Mankell, das nach meiner Meinung zu seinen besten Nicht-Wallander-Romanen gehört. Für Mankell Fans ohnehin ein Muss, für alle anderen gebe ich die Bewertung vier Punkte.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9



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