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  Schachmatt | Stephen Carter
 
 
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Schachmatt
Stephen Carter

List Tb., 2004 - 864 Seiten

Kundenbewertung:(32 Bewertungen)
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Seit Tolstoi wissen wir, dass alle glücklichen Familien einander gleichen, jede unglückliche Familie jedoch in ihrem Unglück einzigartig ist. Seltsamerweise findet sich in Stephen L. Carters hoch gepriesenem Erstlingsroman Schachmatt keinerlei Anspielung auf den russischen Romancier, obwohl im Mittelpunkt des 800 seitenstarken Buches das unglückliche Schicksal einer Familie aus der wohlhabenden schwarzen Oberschicht der amerikanischen Ostküste steht, der noch dazu in auffälliger Weise mit literarischen Verweisen und Zitaten aller Art gespickt ist. Weil aus diesem Soziotop äußerst selten reale oder fiktionale Dokumentationen zu haben sind, reagierten die amerikanischen Medien und Kritiker äußerst enthusiastisch auf Carters Roman -- und Carters Verleger Knopf zahlte die Rekordsumme von 4,2 Millionen Dollar für Schachmatt und seinen potenziellen Nachfolger.

Dabei investierte der Verlag weniger in die literarischen Qualitäten des Romans als vielmehr in den Bekanntheitsgrad seines Autors: Carter ist nicht nur Rechtsprofessor an der Elite-Universität Yale, sondern auch Verfasser von mehreren einflussreichen Büchern zum Problem des Rassismus in der amerikanischen Rechtsgeschichte. Und selbst nicht-amerikanische Leser werden schnell merken, wie sehr dieser reale Hintergrund die Fiktion beeinflusst. Carter ist natürlich kein Einzelfall eines schreibenden Advokaten -- Alan Dershowitz und Bernhard Schlink haben auf ihre Weise hier Zeichen gesetzt. Der Unterschied liegt darin, dass Carter zugleich spannend und problembewusst sein möchte, was dazu führt, dass Schachmatt zwei Bücher präsentiert, die nicht zueinander finden.

Am Anfang steht der Tod von Oliver Garland, Bundesrichter und Patriarch einer weit verzweigten Familie. Richter Garlands konservative Überzeugungen verstörten nicht nur seine schwarzen Freunde, sondern führten auch in seiner Familie zu Verwerfungen. Im Mittelpunkt steht Talcott "Misha" Garland, der jüngste Sohn des Richters, der offensichtlich von diesem vor seinem Tod auserkoren wurde, das weitere Schicksal der Familie zu bestimmen. Richter Garland war ebenso kontrovers wie konservativ, ein depressiver Alkoholiker mit Verbindungen zu den höchsten Kreisen Washingtons, dessen Karriere als schwarzer Jurist und Politiker dem weißen Rassismus zum Opfer fiel. Sein Sohn Misha wird auf der Beerdigung seines Vaters von Jack Ziegler bedroht, einem Unterweltboss, dessen Freundschaft mit dem älteren Garland diesen um die mögliche Berufung zum obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten brachten. Gegen seinen Willen wird Misha in die Jagd nach der brisanten Hinterlassenschaft seines Vaters hineingezogen -- was nicht nur seinen Job und seine Familie, sondern auch sein Leben in höchste Gefahr bringt.

Die überaus spannende Konstruktion der Geschichte hält die Leser auch dann noch in ihrem Bann, wenn Carter seine ausgedehnten Exkurse zum Rassismus der amerikanischen Gesellschaft, aber auch zur Literatur, zum Sport und zum Schachspiel einflechtet. Im Ganzen leidet Carters Roman unter der unleugbaren Ambition seines Autoren, alles richtig zu machen: zu smart, um spannend zu sein, aber auch wieder spannend genug, um seine Formelhaftigkeit zu ertragen. --Peter Schneck


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Weniger ist mehr

Ein Schachproblem zur Lösung eines Kriminalfalles zu nutzen ist zugegeben eine ungewöhnliche Idee, aber das Buch hat doch einige Längen. Der Autor konstruiert klug und interessant den Kriminalfall rund um den verstorbenen Richter, aber es gelingt ihm nicht, die Spannung zum Ende hin aufzubauen. Schön ist die kluge Sprache und der Humor, mit dem sich der Ich-Erzähler sieht und sein nicht ganz so einfaches Leben schildert. Gute Urlaubslektüre, wenn man viel Zeit hat, ansonsten sind die fast 900 Seiten viel zu viel für das, was am Ende dabei rauskommt.


Euer Ehren

Dunkle Geheimnisse von Vätern sind bei Söhnen nicht gut aufgehoben. Sie müssen entblättert werden. In Talcott Garlands Fall muß zuerst seine Naivität überwunden werden, mit der er dem Tod des Vaters gegenübertritt. Carter legt ein Netz aus, in dem sein Held sich in bester hitchcockscher Art als ein Unschuldiger verfängt, bis ihm nichts anderes übrig bleibt, als den Fall zu lösen. Bei Talcott heißt es, das nicht unumstrittene Denkmal des Vaters zum Einsturz zu bringen. Warnungen, Verdächtigungen reißen den Sohn aus seinem Alltag, drängen ihm die Ermittlung in eigener Sache förmlich auf, gleichzeitig führt er uns in eine Gesellschaftsschicht, die so noch nicht beschrieben wurde.

Daß er sich dabei eines Plots bedient, der gleichsam das Aufdröseln mehrerer Rätsel erfordert, gehört zu den genreüblichen Gesetzen, allerdings interessiert er sich vor allem für die Menschen in seiner Geschichte. Was aus ihnen wegen des Geheimnisses geworden ist. Und wie Unwissen, Naivität Voraussetzung dafür sind, daß es solange geheim bleiben konnte. Ein spannender Thriller, indem nicht zuletzt das Schachspiel von Bedeutung ist, mit einer überzeugenden Götterdämmerung.


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Gekonnt und doch zu viel gewollt

Dieses Buch ist kein Pageturner. Dennoch will man wissen, wie es ausgeht.
Eine gewisse Grundspannung wird also überwiegend durchgehalten.
Sprachlich ist der Roman in Ordnung, aber keine Offenbarung.
Die vermittelten Inhalte sozio-politischer Art interessieren, vermögen mangels Tiefe im Erkenntnisgewinn aber nicht dauerhaft zu beeindrucken.
Wird anfangs in ermüdender Breite eine Hundertschaft von Haupt- und Nebenfiguren vorgeführt, arbeitet sich der autor an diesen im Laufe des buches gewissenhaft ab und klärt im Abhak-Verfahren gegen Ende alle offenen Fragen.
Große Stärke des Buchs ist der emotionale Wert. Zwischendruch gelingen Carter anrührende Passagen über die Liebe des Ich-Erzählers zu seinem Sohn, zu seiner sich von ihm abwendenden Frau und zu den übrigen Mitgleidern seiner Familie. Das wirkt zwar durchaus kalkuliert aber erreicht jederzeit den gewünschten Effekt und bietet der intellektualisierten Thriller-Handlung eine solide literarische Unterfütterung.
Insgesamt gilt: Weniger wäre mehr gewesen. Dennoch ein beachtliches Romandebut.


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Lang, aber dennoch spannend

Ich habe mir das Buch auf Empfehlung einiger Freunde gelesen, wobei ich durch die Rezensionen hier nicht sehr motiviert war.
Aber schon nach den ersten gelesenen Seiten konnte ich das Buch nur noch schwer aus den Händen legen. Die Spannung wurde durchweg oben gehalten und irgendwie hat es der Autor sogar geschafft, den Spannungsbogen immer wieder auf's neue weiter zu spannen. Immer wieder denkt man, dass man des Rätselslösung kennt, um dann kurze Zeit später zu merken, dass es eben gerade nicht so ist.
Zum Schluss kommt dann ein sehr raffiniertes Ende, mit dem man so nie gerechnet hätte, weil man einfach nie auf diese Idee gekommen wäre.
Leider gibt es bisher kein weiteres Buch des Autors, denn es ist schwer Bücher auf so einem hohen Spannungsniveau zu finde.
Das Buch ist einfach erste klasse und wirklich nur zu empfehlen.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7



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