Gottes kleiner Krieger | Kiran Nagarkar
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gottes kleiner krieger
Gottes kleiner Krieger
Kiran Nagarkar
Fischer (Tb.), Frankfurt
, 2008 - 696 Seiten
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Mein Buch des Jahres
Ich habe den kleinen
Krieger
gerade fertig gelesen, in jeder freien Minute der letzten zwei Tage und die halbe nacht hindurch, und bin noch ganz weg. Was für ein tolles Buch!
Nagarkar beschriebt die Geschichte von Zia, eines indischen Muslims aus wohlhabendem Hause, der durch die Erziehung seiner Tante und andere Erlebnisse in der Kindheit zu einem religiösen Fanatiker wird. Erst als islamistischer Terrorist, dann als konvertierter Katholik. Das ganze ist sprachlich brillant, spannend und farbig wie man es von europäischen (vielleicht mit Ausnahme von Zadie Smith) oder amerikanischen Autoren nie zu lesen bekommt, psychologisch stimmig und erfrischend Multikulti - die Hauptfigur verlebt ihre Kindheit in Bombay, studiert in Cambridge und landet dann in einem amerikanischen Kloster. Last, but not least: Es war vielleicht der erste 700 Seiten Roman, in dem ich keine längere Durststrecke zu überstehe hatte.
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Unglaubliche "erste Halbzeit"
Die Idee ist genial: Ein Mensch wird zum multiplen
Gottes
krieger
. Zuerst im Namen Allahs, dann im Namen des christlichen Gottes. Leider trägt die Idee nicht durch. Zias Weg in den islamistischen Terrorismus konnte ich einigermaßen nachvollziehen; der Wandel zum katholischen Fanatiker war zwar gut konstruiert aber genau so blieb die Geschichte im zweiten Teil: konstruiert.
Die Entwicklung Zias zum Terroristen beschreibt Nagarkar in einer Sprache, die unübertroffen ist: Lebendig, anschaulich, faszinierend. Dieser Teil des Romans (der überwiegend in Indien spielt) hat locker 5 Sterne verdient. Der zweite Teil (der überwiegend in den USA spielt) fällt dagegen leider so stark ab, dass ich mich nicht überwinden konnte, bis zum Ende zu lesen.
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Bildreicher Roman mit oberflächlichen Psychogrammen
Ich gebe zu, dass ich Kiran Nagarkas Roman mit Vorschusslorbeeren im Kopf zu lesen begann, nachdem ich den Autor auf einer Lesung in Frankfurt persönlich kennengelernt habe. Dennoch ist mir meine Zeit zu kostbar, um mich langweilen zu lassen. Dies ist bei diesem Roman mit seinen farbenprächtigen Bildern, seiner gekonnten Lautmalerei und seinen verschiedenen und spannenden Handlungssträngen nicht möglich. Mangels Zeit
wollte ich eigentlich nur bis Seite 150 lesen, konnte aber danach nicht
mehr aufhören. Klar: Wen das Thema Religion und deren teilweise extremen oder gar perversen Auswüchse nicht interessieren, sollte dieses Buch nicht lesen. Wer glaubt, in diesem Roman tiefgründige Psychogramme von
potenziellen Selbstmordattentätern zu finden, wird enttäuscht werden, denn diese sind zu flach, die Profile der Akteure gehen nicht in die Tiefe.
Dennoch bleibt das Buch geistreiche, spannende und nachdenkenswerte
Lektüre auf sprachlich hohem Niveau.
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Ein Roman als schwieriges Gebirge
Es geht um den Lebensweg eines jungen Mannes, der vom islamistischen Terroristen zu einem extrem asketischen Christen wird und dabei alle Extreme des Lebens und Denkens austestet. Von den dunklen Seitenstraßen in Bombay zu den heiligen Hallen von Cambridge, von der Jagd nach Salman Rushdie zu den Terroristencamps in den Bergen Afghanistans, vom abgeschiedenen Trappistenkloster in Kalifornien zu den geheimen Weihen und kriminellen Machenschaften der internationalen Finanzwelt führt der Kreuzzug von Zia Khan -
Gottes
kleinem
Krieger
.
Der Roman beeindruckt über weite Strecken sehr wohl, da sind immer wieder Passagen, die ausgezeichnet geschrieben sind. Gerade im ersten Drittel, in dem vor allem der Weg des jungen Zia in den islamischen Fundamentalismus geschildert wird, das ist packend und immer spannend.
Dann auch die Zeiten im Trappistenkloster als asketischer Einsiedler, immer wieder bewegend und auch spirituell tiefgängig. Der Übergang vom Islam zum Christentum war für mich zu wenig begründet und wenig zwingend, da erschien mir die Romankonstruktion allzu gewollt.
Im letzten Drittel hatte ich dann das Gefühl, als würde sich alles etwas hinziehen, wobei man ja sagen muss, dass es schon für den Roman spricht, dass ich 700 Seiten ohne einen Moment zu zögern oder mich zu quälen, durchgelesen habe.
Als Fazit bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Ich glaube, einen wirklich faszinierenden Autor kennengelernt zu haben, von dem ich gerne auch anderes lesen möchte. Dabei bin ich aber froh, dass die ersten Bücher nicht so umfangreich sind. Denn mit einem solch gewaltigen Roman, der wie ein Gebirge erscheint, scheint sich Nagarkar überhoben zu haben.
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