Allerdings stösst man verstärkt auf politische Meinungsäusserungen des Autors, die dieser als Tatsachen darstellt. Und auch formulierungstechnisches erfüllt das Werk insgesamt nicht den eigenen Anspruch auf Allgemeinverständlichkeit.
Löblich dagegen die Auseinandersetzung mit der juristischen Sprache, die auf Laien abschreckend wirkt. Das Buch zeigt deutlich, daß die Unverständlichkeit juristischer Texte meist nicht auf Zufall oder nur auf Nachlässigkeit der Verfasser beruht. Wesel zeigt, daß Juristen in der Ausbildung zum Experten den Blick des Laien auf Rechtsprobleme verlieren - mit bösen Folgen für die Annehmbarkeit ihrer Urteile oder Beratungen. Sehr angebracht scheint mir da sein Aufruf, auch unter Experten die Sicht des Laien einzuüben. Die Sprache des Buchs ist da schon fast ein zu gutes Vorbild - durchweg verständlich und leicht zu lesen, doch die Sätze geraten oft auffällig kurz.
Gleichzeitig führt Wesel den Leser in die Arbeitsmethoden der Juristen ein: Wie läßt sich eine Auslegung begründen, wie baut man eine Argumentation auf? So lernt man durchaus auch Inhalte, die ganz praktisch im Studium verwendet werden können. Lohnend also für angehende Rechtsstudenten im Haupt- oder Nebenfach, die Grundlagen mitbekommen, sich aber einen skeptischen Blick auf ihr Fach bewahren wollen.