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  Buch: Die Vorbereitung des Romans | Roland Barthes
 
 
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Die Vorbereitung des Romans
Roland Barthes

Suhrkamp Verlag, 2008 - 500 Seiten

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Großes Werk

Das spontane Aufflammen der Inspiration, das könnte man als Leitthema der ersten Vorlesung sehen. Das Umarbeiten der Inspiration in einem enormen Text, das ist das Leitthema der zweiten Vorlesung. Beides - Aufflammen und Umarbeiten - wird durch eine tägliche Praxis und ein Sich-Reiben an Regeln getragen. Die Vorlesung zum Haiku ist eine stärker linguistisch gefasste Analyse. Zwar streut Barthes die Phänomene des Haikus in alle Richtungen aus, zieht die Teezeremonie ebenso heran wie die japanische Höflichkeit oder das Schießen" der Fotografie; und kommt damit natürlich immer wieder zu kulturhistorischen Themen zurück. Doch die zweite Vorlesung ist viel stärker von gesellschaftlichen Analysen geprägt: In drei (Selbst-)Prüfungen entfernt sich der Dichter aus der Gesellschaft, um das, was er zuvor erlebt hat, auf Distanz zu bringen und in Schrift zu gießen.
Noch einmal findet man hier den Duktus des großen französischen Denkers, seine enorme Belesenheit, seinen eigenwilligen Stil. Sperrig soll dieses Buch sein, und trotzdem ist es von tiefgründiger Schönheit. In jedem Satz spürt man, dass Barthes liebt, worüber er schreibt, und dass er diese Liebe mit einer so erhellenden wie zärtlichen Analyse umwebt. In der Vorlesung zum Neutrum schrieb er, das Prinzip des Zartgefühls bestünde darin, im Genuss des Analysierens das Erwartete zu unterlaufen. Dieses Zartgefühl zeigt Barthes: analytisch ist er auf jeden Fall, aber diese Analyse wird eingesetzt, um das bisher Gedachte und Gewusste umzudrehen.
Eines aber kann er ganz gewiss: ohne zu vereinfachen, greift er die Mühen, Zweifel und Ängste eines Schriftstellers auf, das Hochgefühl, den Rausch und die Manie, der Sturz, das Brüten, die Imagination, das Entfremden, und vieles anderes. La Préparation du Roman, wie der Titel im Französischen lautet: das heißt auch, im kulinarischen Sinne gelesen, Die Zubereitung des Romans. Neben der inhaltlichen Darstellung und der Einübung einer offenen Methode bietet diese Vorlesung also eine dritte Lehre an: der Reflexion des eigenen Schreibverhaltens. Dies ist keine Therapie für Schreibblockaden. Trotzdem wirkt das Buch befreiend. Eine enorme Aufgabe, so scheint es; Barthes löst sie elegant und wie beiläufig.

Wie alle Bücher Barthes' ist also auch dieses Buch ein großes Werk. Wäre unser Denken von der Schriftstellerei nicht so vom Geniekult geprägt, mit all seiner Arroganz und all seiner Anmaßung, könnte man hier ein wirkliches Kleinod der Schreibpraxis entdecken, einer Schreibpraxis, die das ganze dichterische Leben meint, und nicht nur eine abgegrenzte Verordnung guter Ratschläge.


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