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  Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik | Wolfgang Klafki
 
 
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Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik
Wolfgang Klafki

Beltz, 1996 - 327 Seiten

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Bildung- erläutert vom Altmeister!

Jeder, der sich professionell mit Bildung beschäftigt (Lehrer, Dipl.-Pädagogen,...) sollte die Gedanken Klafki's nachvollzogen haben. Kaum ein deutscher Erziehungswissenschaftler oder Pädagoge hat in den letzten 50 Jahren mehr Einfluß auf die Schulpädagogik gehabt. Gerade PISA- & TIMMS- Studie haben in den letzten Jahren die Diskussion zum Thema Bildung in der Öffentlichkeit angeheizt. Hier liefert Klafki eine Grundidee, was Bildung sein kann und wie sie in der Schule umgesetzt werden kann. Ob man am Ende seinen Ausführungen zu 100% folgt bleibt einem freilich selbst überlassen. Dennoch lohnt es sich das Original einmal selbst gelesen zu haben und nicht immer nur 2-10 seitige Zusammenfassungen und Abhandlungen in Pädagogischen Lehrwerken. Dennoch Achtung: Das Buch ist nichts für Laien oder Anfänger- dafür ist Klafkis Vakabular leider etwas zu "abgehoben"- schade- aber das Thema bedarf eines gewissen Fachvokabulars und einer gewissen (pädagogischen)Vorbildung.


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Von der Notwendigkeit einer Bildungstheorie für die Didaktik

Grundüberlegung aller in diesem Sammelband zusammengestellten Beiträgen von W. Klafki ist, dass sich die Didaktik resp. didaktische Überlegungen und Handlungen an einer übergeordneten Bildungstheorie orientieren müssen und vor der sie verantwortbar sein müssen. Dabei entwickelt Klafki ein elaboriertes Bildungsverständnis mit gesellschafts- und ideologiekritischem Ansatz. Klafkis Bildungsverständnis steht im Zusammenhang der Bildungskonzeptionen der sog. klassischen Bildungstheorien / Bildungstheoretiker (ca. 1770-1830, Kant, Herder, Herbardt, Humboldt, Schleiermacher usw.), von denen er wesentliche Funktionen eines Bildungsbegriffs für die eigenen Vorstellung gewinnt, gleichzeitig aber auch kritisch hinterfragt. Klafki selbst bestimmt diese Vorgehensweise als "historischen Argumentationsgang".

Klafkis Bildungskonzeption lässt sich in etwa so charakterisieren: Es werden grundlegende Relationen ausgerückt, einmal das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, dann zu seinen Mitmenschen und schließlich zu seiner Umwelt / dem gesell. System. Um in diesen drei Beziehungen handlungsfähig zu werden, muss der Mensch drei wesentliche Fähigkeiten aufbauen / entwickeln: 1. Selbstbestimmungsfähigkeit als die Fähigkeit, über persönliche Lebensvollzüge und Sinndeutungen persönlich entscheiden zu können, 2. Mitbestimmungsfähigkeit als Anspruch und Verantwortung der gemeinsamen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse sowie 3. Solidaritätsfähigkeit als Einsicht und Verantwortung, dass die beiden zuvor genannten Fähigkeiten nur gerechtfertigt sind, wenn sie auch für andere Menschen gewonnen werden. Das setzt den persönlichen Einsatz für die Benachteiligten zum Ziel.
Klar wird, dass Klafkis Bildungskonzeption, die dann in ein Allgemeinbildungskonzept aufgeht, dass speziell als Aufgabe der Schule beschrieben wird, eine zutiefst politische und gesellschaftskritische ist, da sie immer Analyse und Veränderung bestehender und zukünftiger Verhältnisse impliziert. Spannend ist vor allem die Frage, was der genuinen Beiträge der Schule und des Unterrichts sind, eine solche Bildungsvorstellung umzusetzen. Klafki leitet zahlreiche Forderungen ab, von denen einige wichtige z.B. der Abbau des gegliederten Schulsystems, d.h. mehr innere Differenzierung anstatt einer äußeren Differenzierung in verschiedene Schultypen, ein grundlegend neues Leistungsprinzip oder die Schaffung eines Epochenunterrichts - anstatt 45-Min. Schulstunden - sind. Für den Fachunterricht und die fachorientierte Lehrerausbildung dürften sich dann einige Konsequenzen ergeben, die m.E. leider nicht ausreichend thematisiert werden.

Trotz der Tatsache, dass es sich hier um eine Zusammenstellung einzelner Beiträge aus verschiedenen Jahren handelt, sind doch immer wieder gemeinsame Tendenzen und Leitgedanken zu erkennen. Diese - wie Klafki selber betont - unterliegen allerdings einem Entwicklungsprozess. Die vorgetragenen Gedankengänge sind nicht immer unbedingt eine "leichte Kost", enthalten aber eine unmenge an Anregungen für die eigenen Vorstellungen von Schule, Unterricht und die eigenen Bildungsvorstellungen. Einige der hier gesammelten Aufsätze dürfen sicher heute als Standardliteratur der Bildungstheorie gelten. Daher ist das Werk Klafkis, über den Horizont der Bildungstheoretiker und Didaktiker hinaus, sicher eine lohnende Anschaffung.


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