Florenz und Bagdad: Eine westöstliche Geschichte des Blicks | Hans Belting
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Florenz und Bagdad: Eine westöstliche Geschichte des Blicks
Hans Belting
Beck
, 2008 - 318 Seiten
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Einfach großartig...
Bücher von Hans Belting lohnen sich immer. Auch diesmal muss dies von diesem Buch gesagt werden. Die Buch-Produktion von Belting, in Umfang und Tiefe muss einfach beeindrucken. Auch in diesem Buch gelingt es Belting in verständlicher Weise und mit neuerlichem Geschick seine anspruchsvollen Thesen dem Leser näher zu bringen. So versucht Belting auf der einen Seite zu zeigen, dass die arabische Tradition auf anderen Paradigmen mit Bildern umgeht als die westliche. Seine These vom Übergang der arabischen Sehtheorie zu einer westlichen Bildtheorie macht er auf verschiedenen Ebenen deutlich. In der Entwicklung der Perspektive und der daraus sich ergebenden Blickkultur unterzieht er eine neue Deutung, die erfrischend ist und mit einem Understatement auskommt, die ihresgleich oft genug sucht. Erfrischen ist auch, dass er die beiden Traditionen nicht gegeneinander ausspielt, sondern jeweils zur Profilierung der anderen in Kontrast setzt. Die aus seiner Grundthese sich ergebenden Konsequenzen und Deutungen können nur in der eigenen Lektüre dieses Buches nachvollzogen werden, seien aber wärmstens ans Herz gelegt. Beltings eigener Ansatz liegt in einer Auseinandersetzung mit Alhazens Seh-Theorie und seiner westlichen Umformung zu einer Bild-Theorie.
Zu danken ist Belting noch, dass er das Thema von Bild und Bilderkritik im Islam unaufgeregt durch seine Interpretationen zu einer neuen Qualität bringt und nicht in einen westlichen Universalismus verfällt. Vielmehr unterzieht er der vorherrschenden Meinung eines anikonischem Islams eine deutliche Absage und formuliert zaghaft neue Ansätze und notwendige Revidierungen eines langgehegten Vorurteils.
Kurz und gut: Ein großartiges Buch, das viele Themen unserer Zeit bündelt ohne geschichtsvergessen zu sein und trotzdem mit einer ambitionierten These auftritt, die es nun gilt in ihrem Für und Wider auszuloten.
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Zum Glück gibt es Belting
Akademischer Wüstenlandschaften zunehmen überdrüssig, möchte ich meine Sehnsucht nach Oasen eigentlich nicht immer damit stillen, die arrivierten Kunsthistoriker zu lesen. Aber jedes Mal, wenn ein Buch von Hans Belting erscheint, kann ich nicht widerstehen. Denn nur wenige schaffen es so leicht wie er, meine Sehgewohnheiten zu verändern, mir neue Blickweisen zu eröffnen und Fragen zu beantworten, die ich eigentlich gar nicht stellte. Ein Mysterium beschäftigte mich allerdings schon lange, ohne dass ich bisher jemanden fand, der es mir anschaulich und einleuchtend erklärte. Es ist dies der perspektivische Blick. Bereits während meiner Gymnasialzeit belästige ich alle Kunstlehrer mit der Frage, wieso in der Kunst plötzlich die Perspektive auftauchte. Haben die Menschen denn vorher die Welt anders wahrgenommen? Klar, alles hat seine Zeit. Auch das Verstehen. Aber es braucht eben auch einen Lehrenden, der Hilfsbrücken baut. Und Hans Belting gehört zu dieser raren Spezies. Wie er das schafft, ist große Kunst und eine Mischung aus geeigneten Beispielen, ungewöhnlichen Analogien und schnörkelloser Sprache.
So wie der über 70jährige Kunsthistoriker Hans Belting die bildende Kunst wahrnimmt, wundert es mich nicht, dass er auch zu den großen Medientheoretikern gehört und in bedeutenden Kunstinstitutionen Einsitz hat. Geistige Frische hat ganz offensichtlich herzlich wenig mit dem Geburtsjahr zu tun. Für mich war und ist Hans Belting ein Lehrer, der bei den Ansprüchen an seine Schüler oder Leser keine Konzessionen macht, der fordert, Aufmerksamkeit verlangt und alle reichlich belohnt, die sich auf seine Erläuterungen einlassen. Mag sein, dass vieles auf geschenkten Talenten beruht. Aber ohne Hans Belting persönlich zu kennen, glaube ich auch, dass er das künstlerische Ringen um die richtige Form verinnerlicht hat und sich nicht mit den erstbesten Lösungen zufrieden gibt. Davon profitieren die Leser dieses Buches. Und wie sehr der Autor die Kunst als allgemein menschliche und universelle Ausdrucksweise versteht, zeugt die Gleichberechtigung östlicher und westlicher Formen. Hier werden keine Weltanschauungen oder Religionen bewertet. Bei Hans Belting geht es einzig und allein um das Sichtbarmachen von Mustern und Ordnungen. Ganz große Klasse.
Mein Fazit: Wer sich für Kunst und Wahrnehmung interessiert, aber noch nie ein Buch von Hans Belting gelesen hat, muss das Versäumte irgendwann nachholen. Und da es im neusten Werk um so fundamentale Dinge wie die Perspektive geht, ist der Zeitpunkt günstig. Lesen, betrachten und mehr verstehen. Auch sich selber.
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