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  Der weiße Tiger: Roman | Aravind Adiga (Autor), Ingo Herzke (Übersetzer)
 
 
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der weiße tiger: roman

Der weiße Tiger: Roman
Aravind Adiga (Autor), Ingo Herzke (Übersetzer)

C.H. Beck, 2008 - 318 Seiten

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Indien - wie es nicht im Reiseführer steht

Balram ist Unternehmer in Banglore, Indiens Silicon Valley. Er ist halb gar, er hat wie viele andere Kinder nur wenige Jahre Schule genossen. Danach musste er in Teehaus arbeiten. In der Finsternis, im ländlichen Indien ist das so. Dort herrschen die Grundbesitzer, die anderen gehorchen. In der Familie Balrams ist das nicht anderes. Seine Großmutter beherrscht den Clan mit harter Hand, was er im Teehaus verdient, muss er ihr abliefern.

Doch er hat Glück. Er wird Fahrer und begleitet den Grundherrn nach Delhi. Dort müssen Politiker geschmiert werden. Die Aufgabe übernimmt Ashok, Balrams Arbeitgeber. Auch er gehorcht seiner Familie. Dem Storch, dem Mungo und den anderen aus dem Grundbesitzerclan, die über das Dorf herrschen.

Herren und Sklaven, die den großen indischen Hühnerkäfig in Gang halten.

Balram hört im Radio, dass der chinesische Ministerpräsident nach Bangalore kommt. Um sich über indische Unternehmer zu informieren. Balram weiß, wie man in Indien Unternehmer wird. Nicht so, wie es in den Broschüren steht. Herr Ministerpräsident, vergessen Sie diese Broschüren, die man ihnen in die Hand drücken wird, schreibt er . Ich erzähle Ihnen wie es wirklich ist. Sieben Briefe verfasst er in sieben Nächten, in denen er in seinem kleinen heißen Büros sitzt und arbeitet. Das Leben der Diener und der Herren schildert Balram. Und wie er ihm entkam, in dem er ausbrach. Aus Familie und Hühnerkäfig, aus Treue und Religion und mit einem Mord. Balrams Geschichte ist keine schöne Geschichte, aber Balram kann sie mitreißend erzählen. Korruption und Versprechen, große Worte und was sie wirklich bedeuten, das ganze moderne Indien breitet er vor dem Chinesen und uns Lesern aus.

Ein ganz anderer Blick auf die größte Demokratie, auf Spiritualität und das, was Westler sich gerne unter Indien vorstellen.

Ein Buch über Indien, wie es nicht im Reiseführer steht, die mitreißende Geschichte eines großen Schlitzohrs, traurig, witzig und bedrückend und vor allem einmalig in Ton und Geschichte. Das Buch kam zu Recht auf die Liste für den englischen Booker Preis.

(C) Hans Peter Roentgen


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Ein fulminanter Debütroman über das Leben in Indien heute!

Aravind Adiga Der weiße Tiger C.H. Beck
ISBN 3406576915

Der Debütroman von Aravind Adiga entführt uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Indien.

Ein Junge mit Namen Balram, auch weißer Tiger in Anlehnung an den König der Wildnis genannt , kommt aus einem kleinen indischen Dorf, in dem primitivste Lebensbedingungen herrschen. Er ist arm und intelligent, vorwitzig und neugierig. Sein Weg führt ihn heraus aus der Enge seiner Familie und fort aus seinem armseligen Leben.
Als Fahrer des reichsten Mannes im Dorf gelangt er nach Delhi und lernt Indien mit seinen Gegensätzen kennen, von denen er in seinem abgelegenen Heimatort niemals etwas erfahren hätte! Hier zeigt sich die ganze Sprachgewalt des Autors: wie er durch die Augen Balrams dem Dorf und seinen Bewohnern, seiner Familie und der armseligen Abhängigkeit von den reichen und großspurigen Grundbesitzern mit seinen Beschreibungen Leben einhaucht. Ironisch, geistreich und sarkastisch ist der Ton, mit dem Balram, ein Held aus der Kaste der Zuckerbäcker, den chinesischen Ministerpräsidenten, dessen Besuch in Indien demnächst ansteht, über seinen Werdegang unterrichtet. In langen Nächten schreibt er Episteln an ihn, die von aufreizender Vieldeutigkeit und detailliertem Wissen über sein Land nur so strotzen.
Korruption und Unterwerfung bestimmen den Alltag. Die Rechtlosigkeit der Armen steht gegen die Herrschaftsansprüche der Reichen, die ihre Diener nicht wie Menschen sondern wie Warengut behandeln. Der Dreck und die Niedertracht sind Begleiterscheinungen eines Lebens, in der es riesige Klassenunterschiede gibt. Eindringlich werden die Gegensätze im Vielvölkerstaat Indien beschrieben. Die Probleme im Land gründen auf religiösen, mentalen und Besitzunterschieden, wobei die Zugehörigkeit zu einer Kaste auch heute noch den Platz eines jeden in der Gesellschaft mit bestimmt. Allgemein herrscht das Gesetzt des Dschungels: nur, wer gerissen und durchtrieben ist, kann sich aus der Armut befreien und zur Klasse der Herrschenden und Unternehmer aufsteigen. Aravind Adiga zeigt in seinem Roman die Gegensätze eines kapitalistischen Systems, in dem unter Verletzung von Moral und Anstand der Gauner zum Gewinner werden kann, denn auch die Rechtsorgane sind bestechlich.
Balram ist der Held, der über den Weg der Gesetzlosigkeit sein Glück macht und über dessen Erlebnisse sich das Gesellschaftsbild Indiens öffnet. Er ist der weiße Tiger, der alle Bindungen und angelernten Verhaltensweisen des Dienens hinter sich lässt und zum Mörder und Spieler wird, um den gesicherten Status eines Unternehmers zu gewinnen.
Auch der Unmoralische aber kann mit gesichertem Einkommen wieder zum Wohltäter der Gesellschaft werden!

Gegenwart und Vergangenheit, Fortschritt und Aberglaube, Reichtum und Armut, Bildungsmangel und niedrigstes Kastendasein bieten ein Bild Indiens, das überwältigend ist. Es wäre bedrückend, wenn der Autor seine Schilderung nicht mit den Mitteln des Humors in eine geistreiche, amüsante und äußerst unterhaltsame und prächtige Lektüre verwandelt hätte! Die Erzählung behält ihre Leichtigkeit und bleibt famos in der phantastischen Vielfarbigkeit bis zur letzten Seite. Ein hoch zu lobender Debütroman!


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Ausbruch aus dem Hühnerstall

Als Balram Halwai via All India Radio vom bevorstehenden Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao erfährt, erzählt er diesem in Form eines in sieben Nächten entstehenden Briefes seine Geschichte und damit auch in gewisser Weise, die Geschichte Indiens. Eine Geschichte, die sich so wohltuend von den Klischees abwendet (Aravind Adiga scheut sich nicht, die dunklen Seiten Indiens hervorzukehren), dass es eine wahre Freude ist, Aravind Adigas Erstlingsroman und seinem sympathischen Helden, Protagonisten, der als Figur ein charismatischer und philosophischer Diener, Großunternehmer im Taxibereich, aber auch Mörder ist, gebannt zu folgen.
Im Dorf Laxmangarh (Bezirk Gaya) als Munna (Junge) in einer Kaste von Zuckerbäckern geboren, ist er der klügste Schüler in seiner Klasse, darf aber, da er zusammen mit seinem Bruder die Familie ernähren muss, die Schule nicht abschliessen, und das, obwohl der besuchende Schulinspektor Munna als großes Talent und einmaligen Schüler dieser Schuler erkennt (dieser Schulinspektor ist es auch, der Munna den Namen Balram gibt und Balram mit dem weißen Tiger vergleicht).
In diesem "ländlichen Paradies" Laxmangarh sind: "Strommasten - unbrauchbar, Wasserleitungen - kaputt und die Kinder - zu dünn und zu klein für ihr Alter, mit zu großen Köpfen, aus denen lebhafte Augen leuchten, so groß wie das schlechte Gewissen der indischen Regierung".
Balram arbeitet zuerst in einem Teehaus, bevor er als Taxifahrer den großen Aufstieg schafft und nach einer Zeit als zweiter Chauffeur der Familie des Storchs, Privatchauffeur von Mr. Ashok wird, mit dem er nach Delhi geht. Aravind Adiga überzeugt in seinen Schilderungen der fast peinlichen Treue Balrams dem Arbeitgeber gegenüber, obwohl er von diesem eigentlich nur ausgenutzt wird und als Mensch dritter oder vierter Klasse gesehen wird.
Ständige Erniedrigungen führen letzendlich zu Balrams Ausbruch aus dem Hühnerstall: "Gehen Sie ins alte Delhi, auf den Markt hinter der Jama Massjid, und schauen Sie sich an, wie dort die Hühner angeboten werden. Hunderte blasser Hennen und leuchtend bunter Hähne sind dicht and dicht in Drahtkäfige gestopft, so eng wie die Würmer im Darm, sie hacken nacheinander und scheißen aufeinander, sie kämpfen um ein bisschen Luft zum Atmen; der ganze Käfig stinkt fürchterlich nach verängstigtem, gefiedertem Fleisch... Die Hühner im Käfig riechen das Blut von oben... Sie wissen, sie sind als Nächste dran. Dennoch rebellieren sie nicht. Sie versuchen nicht, aus dem Käfig auszubrechen. Und genau dasselbe passiert mit den Menschen in diesem Land."
Balram bricht aus, gewinnt im Kampf des Stärkeren und wird selbst menschlicher Unternehmer. Ein Buch, das wie Indien in ein Indien der Finsternis und ein Indien des Lichts geteilt ist, zwei Seiten hat (Dunkel - Hell), ein zutiefst menschliches Buch, ein überzeugend leuchtender Erstlingsroman des jungen, 1974 in Madras geborenen Schriftstellers, eine absolute Empfehlung. Die Nominierung in die Longlist des diesjährigen "Booker Prize" ist mehr als gerechtfertigt, ein würdiger Sieger wäre Aravind Adigas "Der weiße Tiger" auch. Ein Buch, das ich sicherlich wieder lesen werde.


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