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  Hiroshima. Geschichte und Nachgeschichte | Florian Coulmas
 
 
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Hiroshima. Geschichte und Nachgeschichte
Florian Coulmas

Beck, 2005 - 137 Seiten

Kundenbewertung:(4 Bewertungen)
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Hiroshima, Geschichte und Nachgeschichte

Sachliche Besprechung der Problematik, klar gegliedert, verschiedene Standpunkte werden dargestellt.Am Ende eines jeden gedanklichen Absatzes eine kurze Zusammenfassung der Hauptgedanken.Viel Hintergrundinformation. Sehr ausführlich und sorgfältig recherchiert, klar formuliert.


Hiroshima - Der nukleare Holocaust

Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 zeugt vom unvorstellbarem Ausmaß der Massenvernichtung durch Waffen. Über 140.000 Tote waren zu beklagen. Zusätzlich starben in den darauffolgenden Jahren über 350.000 Menschen an den Spätfolgen der Bombe.

Während von US-amerikanischer Seite Hiroshima in den Kontext der Beendigung des Zweiten Weltkriegs gestellt und als Reaktion auf den Angriff Japans auf Pearl Harbor 1941 dargestellt wird, wurde in Japan nie ein diskursiver Konflikt mit den USA riskiert und eine weitgehend opportunistische Haltung eingenommen.

Dies ist das Fazit von Florian Coulmas, dem Direktor des deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo, der nachzuzeichnen versucht, weshalb die Geschichte von Hiroshima bis auf den heutigen Tag sehr einseitig erinnert wird. Dabei gelingt ihm ein umfassendes Bild, angefangen bei der Zensur der amerikanischen Besatzungsmacht unmittelbar nach Kriegsende über die Reaktion in den Medien und den Intellektuellen bis zur Rezeption von Hiroshima in der Literatur und den Geschichtsbüchern. Dem Autor geht es dabei nicht um eine simple Schwarz-Weiß-Malerei. Er revidiert das Bild von der unschuldigen Opfernation und erinnert an das Unrechtsregime unter dem japanischen Kaiser Hirohito. So kann er vorurteilsfrei der Frage nachgehen, welche Gestalt die Erinnerung annimmt, wenn aus verschiedenen Blickwinkeln von ihr erzählt wird. Insgesamt zeigt Coulmas, dass es eigentlich nicht um Vergangenes, sondern um die Gegenwart geht, wie dieses ?Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts" eingeordnet wird.

Es ist insgesamt ein unverzichtbares Buch für alle, die sich für die Hintergründe und Mythen dieser einzigartigen menschlichen Katastrophe interessieren.


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Der Umgang mit Hiroshima

Eines vorweg: Wer von Florian Coulmas'Buch "Hiroshima" eine Chronologie des Atombombenabwurfs auf Hiroshima erwartet wird enttäuscht werden.

Vielmehr geht es um die Gründe für den Einsatz der Atombomben auf Hiroshima, wie auch 3 Tage später auf Nagasaki. Hier werden die technologische, die militärische, die politische und die menschliche Seite durchleutet.

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang Japans und der Vereinigten Staaten mit einem der Schlüsselereignisse des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit hinein.

Japan benutzte den "nuklearen Holocoust" zumeist dazu, sich in die Opferrolle zu begeben. Kriegsverbrechen wie das Massaker von Nanking, bei dem 300.000 Chinesen getötet wurden, werden in der japanische Gesellschaft zwar als Unrecht anerkannt, zumeist aber sofort in einen Kontext mit den Kriegsverbrechen anderer Nationen gebracht, und so zugleich wieder relativiert. ("Im Krieg geschieht eben Unrecht")

In Amerika wird der Einsatz der Atombomben oft als Teil eines gerechten Krieges abgetan, der eben diesen dann auch beendete. Andere Aspekte für die Kapitulation Japans am 15. August 1945 wie der Eintritt der Sowjetunion in den Krieg mit Japan werden zumeist vollständig ausgeblendet, da sonst der amerikanische Steuerzahler die Notwendigkeit des Einsatzes der Atombomben gegen einen geschlagenen Gegner kritisch hinterfragen könnte. Als Rechtfertigung dient oft, dass hundertausenden Menschen das Leben gerettet wurde, da der Krieg so enorm abgekürzt wurde. Da auch eine Vielzahl japanischen Lebens (Japaner wurden im Amerika zu dieser Zeit als "Untermenschen" angesehen; Amerikaner japanischer Abstammung wurden interniert) gerettet wurde, können die amerikanischen Bürger stolz auf die Vernichtung Hiroshimas und Nagasakis sein.

Insgesamt werden in dem Buch auf gerade mal 137 Seiten eine Vielzahl von Aspekten durchleuchtet,und bietet so den idealen Einstieg für Leserinnen und Leser, die sich mit dem Thema Hiroshima beschäftigen wollen.


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Die Zerstörung Hiroshimas - Geschichte und Nachgeschichte

Die Zerstörung Hiroshimas am 6. August 1945 kann kurz und bündig dargestellt werden. "Hiroshima - Geschichte und Nachgeschichte" von Florian Coulmas (Beck'sche Reihe 1627, 2005) geht darüber hinaus. Er schildert weit mehr als diese einzigartige Katastrophe und legt das Dilemma offen, das mit dem Einsatz dieser Waffe verbunden war und zeigt, wie US-Zensur und -Mediendominanz nach dem Krieg dazu führten, daß an die Zerstörung von Hiroshima bis auf den heutigen Tag unausgewogen erinnert wird. Während in Japan das Ereignis nur aus der Perspektive der Opfer gesehen wird, erfolgt die in den USA aus der Sicht der Täter. Die US-orientierte Geschichtsschreibung nennt das jedoch nicht so, da eine Schuld, die mit dieser Tat verbunden ist, nicht gesehen wird. Die Zerstörung Hiroshimas wird von dieser vielmehr im Kontext mit dem 2.Weltkrieg gesehen. Darauf, daß Hiroshima (wie auch Nagasaki) als militärisches Ziel bedeutungslos war und dortige militärische Ziele auch mit einfacheren Mitteln hätten vernichtet werden können, wird nicht Bezug genommen. Florian Coulmas schildert zuerst die Hintergründe des Atombombenabwurfs über Hiroshima, den 2.Weltkrieg in Ostasien, und dessen technologische, militärische und politische Seite. Besonders erschütternd ist die Darstellung der menschlichen Seite: Das menschliche Leid war nämlich beabsichtigt. Vorschläge, die Bombe auf rein militärische Anlagen oder unbewohntes Gebiet abzuwerfen, um ihre Wirkung zu demonstrieren, wurden verworfen. Und so kam es noch im Jahr 1945 zu 140.000 Toten und weitere 350.000 von den Spätfolgen Betroffenen in den Jahren danach. Unter Beachtung aller Gründe beantwortet der Autor auf einer halben Seite, die Frage nach dem "Warum?". In weiteren Kapiteln geht Florian Coulmas auf die "Orte der Erinnerung", "Hiroshima in den Medien", die "Reaktionen intelektueller Zeitzeugen", die "Atombombenliteratur", die "Zeugnisse Überlebender" und den "Kampf um Hiroshima im Gedächtnis der Völker" ein. Eine umfassende Literaturliste runden das Buch ab. Insgesamt ist dieses leicht lesbare Buch unverzichtbar für alle, die über Hiroshima als menschliche Katastrophe mehr wissen wollen.


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