Während von US-amerikanischer Seite Hiroshima in den Kontext der Beendigung des Zweiten Weltkriegs gestellt und als Reaktion auf den Angriff Japans auf Pearl Harbor 1941 dargestellt wird, wurde in Japan nie ein diskursiver Konflikt mit den USA riskiert und eine weitgehend opportunistische Haltung eingenommen.
Dies ist das Fazit von Florian Coulmas, dem Direktor des deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo, der nachzuzeichnen versucht, weshalb die Geschichte von Hiroshima bis auf den heutigen Tag sehr einseitig erinnert wird. Dabei gelingt ihm ein umfassendes Bild, angefangen bei der Zensur der amerikanischen Besatzungsmacht unmittelbar nach Kriegsende über die Reaktion in den Medien und den Intellektuellen bis zur Rezeption von Hiroshima in der Literatur und den Geschichtsbüchern. Dem Autor geht es dabei nicht um eine simple Schwarz-Weiß-Malerei. Er revidiert das Bild von der unschuldigen Opfernation und erinnert an das Unrechtsregime unter dem japanischen Kaiser Hirohito. So kann er vorurteilsfrei der Frage nachgehen, welche Gestalt die Erinnerung annimmt, wenn aus verschiedenen Blickwinkeln von ihr erzählt wird. Insgesamt zeigt Coulmas, dass es eigentlich nicht um Vergangenes, sondern um die Gegenwart geht, wie dieses ?Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts" eingeordnet wird.
Es ist insgesamt ein unverzichtbares Buch für alle, die sich für die Hintergründe und Mythen dieser einzigartigen menschlichen Katastrophe interessieren.
Vielmehr geht es um die Gründe für den Einsatz der Atombomben auf Hiroshima, wie auch 3 Tage später auf Nagasaki. Hier werden die technologische, die militärische, die politische und die menschliche Seite durchleutet.
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang Japans und der Vereinigten Staaten mit einem der Schlüsselereignisse des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit hinein.
Japan benutzte den "nuklearen Holocoust" zumeist dazu, sich in die Opferrolle zu begeben. Kriegsverbrechen wie das Massaker von Nanking, bei dem 300.000 Chinesen getötet wurden, werden in der japanische Gesellschaft zwar als Unrecht anerkannt, zumeist aber sofort in einen Kontext mit den Kriegsverbrechen anderer Nationen gebracht, und so zugleich wieder relativiert. ("Im Krieg geschieht eben Unrecht")
In Amerika wird der Einsatz der Atombomben oft als Teil eines gerechten Krieges abgetan, der eben diesen dann auch beendete. Andere Aspekte für die Kapitulation Japans am 15. August 1945 wie der Eintritt der Sowjetunion in den Krieg mit Japan werden zumeist vollständig ausgeblendet, da sonst der amerikanische Steuerzahler die Notwendigkeit des Einsatzes der Atombomben gegen einen geschlagenen Gegner kritisch hinterfragen könnte. Als Rechtfertigung dient oft, dass hundertausenden Menschen das Leben gerettet wurde, da der Krieg so enorm abgekürzt wurde. Da auch eine Vielzahl japanischen Lebens (Japaner wurden im Amerika zu dieser Zeit als "Untermenschen" angesehen; Amerikaner japanischer Abstammung wurden interniert) gerettet wurde, können die amerikanischen Bürger stolz auf die Vernichtung Hiroshimas und Nagasakis sein.
Insgesamt werden in dem Buch auf gerade mal 137 Seiten eine Vielzahl von Aspekten durchleuchtet,und bietet so den idealen Einstieg für Leserinnen und Leser, die sich mit dem Thema Hiroshima beschäftigen wollen.