Auch mit seinem vierten Hunkeler-Krimi versteht es Hansjörg Schneider die kleinen und grossen Befindlichkeiten am Rheinknie, hüben und drüben der Grenze zu malen. Handwerklich geschickt webt er falsche Fährten, streut mögliche Motive und steuert zielsicher auf den Plot zu. Er spannt mitunter einen weiten Bogen, und bewegt sich im internationalen Drogenhandel weniger glaubhaft, als er es auf dem Polizeirevier tut oder im Umfeld der sozial Schwachen. Da spricht großes Verständnis für die so genannten Randständigen, die Kranken, die Alten. Hunkeler findet den Zugang, trifft den Ton.
Dabei streift Hansjörg Schneider immer wieder nicht minder spannende Nebenschauplätze. Einer davon, natürlich, das Privatleben des liebenswürdigen Hunkelers, der sich - statt schwitzend zu ermitteln -- doch so viel lieber ins warme Bett seiner Freundin Hedwig legte, denn Alter schützt vor Liebe nicht, schon gar nicht, wenn sie im Ferienhaus im nahen Elsass ein behagliches Nest findet. "Weil ich dich sexy finde, du Arsch", zerstreut sie seine Selbstzweifel. Überhaupt die Liebe, sie geht bei Schneider quer durch alle Alter, Geschlechter und vermeintlichen Standesgrenzen. Und muss natürlich auch als Motiv herhalten: enttäuschte Liebe und eine ärztliche Fehldiagnose, das sind die Triebe, die morden, sich und andere. In Basel und anderswo. --Martin Walker
Wo Peter Hunkeler, Hauptkommissar bei der Baseler Polizei und wenige Jahre vor der ersehnten Pensionierung stehend, tatsächlich herkommt, bleibt auch in seinem vierten Fall ?Tod einer Ärztin? unklar. Dafür erfahren wir viel über seine Zeit als Student, die 68-er Bewegung in Basel und was aus ihr geworden ist. Eine damalige Führerin der Studenten in Basel und heutige Hausärztin Hunkelers, Dr. Christa Erni, wird in ihrer Praxis erstochen aufgefunden. Der erste, naheliegende Verdacht: Drogenabhängige haben sich gewaltsam Stoff besorgt. Peter Hunkeler glaubt das nicht und geht bei seiner Ermittlung seine typisch eigenen Wege, bis er ans Ziel kommt.
Hansjörg Schneider hat mit Peter Hunkeler eine Figur geschaffen, die es ihm ermöglicht, seine eigene große Liebe zur Stadt Basel und seine gleichzeitige Kritik an der offiziellen Kultur- und Gesellschaftspolitik auf eine fast liebenswürdige Weise zum Ausdruck zu bringen. Man muß diesen borstigen, eigenwilligen Hunkeler, der in allem an die Liebe glaubt, einfach gerne haben.