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  Tod einer Ärztin | Hansjörg Schneider
 
 
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tod einer ärztin

Tod einer Ärztin
Hansjörg Schneider

Lübbe, 2003 - 260 Seiten

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Ausgerechnet die Hausärztin von Kommissar Hunkeler hat es erwischt. Tot in der Praxis liegt sie da. Und die Täter sind natürlich schnell ausgemacht: die Drögeler, die Alkis von der nahen Bocciabahn. Mag der Sommer in Basel noch so heiß sein, für Hunkeler präsentiert sich der Fall nicht so einfach. Auch wenn die Staatsanwaltschaft und die Medien, allen voran das verhasste Zürcher Boulevard-Blatt, auf eine schnelle Aufklärung des Mordes an der respektierten Basler Ärztin drängen. Da behält Hunkeler lieber einen kühlen Kopf und geht im Rhein schwimmen, mag er deshalb doch zu spät zum Rapport kommen.

Auch mit seinem vierten Hunkeler-Krimi versteht es Hansjörg Schneider die kleinen und grossen Befindlichkeiten am Rheinknie, hüben und drüben der Grenze zu malen. Handwerklich geschickt webt er falsche Fährten, streut mögliche Motive und steuert zielsicher auf den Plot zu. Er spannt mitunter einen weiten Bogen, und bewegt sich im internationalen Drogenhandel weniger glaubhaft, als er es auf dem Polizeirevier tut oder im Umfeld der sozial Schwachen. Da spricht großes Verständnis für die so genannten Randständigen, die Kranken, die Alten. Hunkeler findet den Zugang, trifft den Ton.

Dabei streift Hansjörg Schneider immer wieder nicht minder spannende Nebenschauplätze. Einer davon, natürlich, das Privatleben des liebenswürdigen Hunkelers, der sich - statt schwitzend zu ermitteln -- doch so viel lieber ins warme Bett seiner Freundin Hedwig legte, denn Alter schützt vor Liebe nicht, schon gar nicht, wenn sie im Ferienhaus im nahen Elsass ein behagliches Nest findet. "Weil ich dich sexy finde, du Arsch", zerstreut sie seine Selbstzweifel. Überhaupt die Liebe, sie geht bei Schneider quer durch alle Alter, Geschlechter und vermeintlichen Standesgrenzen. Und muss natürlich auch als Motiv herhalten: enttäuschte Liebe und eine ärztliche Fehldiagnose, das sind die Triebe, die morden, sich und andere. In Basel und anderswo. --Martin Walker


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Hunkeler blickt wieder hinter die gesellschaftliche Kulisse

?Basel war eine prüde Stadt, das wusste er schon lange, von puritanischem Geiste durchweht. Man tat hier, was sich schickte, man wollte sich unter keinen Umständen eine Blöße geben. Und was sich nicht schickte, war schlecht. Man marschierte hier sogar an der Fasnacht in militärisch ausgerichteten Kolonnen. Trotzdem war er hier zu Hause, ein zugezogener Fremdling zwar, des einheimischen Dialekts nicht mächtig, aber immerhin toleriert.? (S. 105)

Wo Peter Hunkeler, Hauptkommissar bei der Baseler Polizei und wenige Jahre vor der ersehnten Pensionierung stehend, tatsächlich herkommt, bleibt auch in seinem vierten Fall ?Tod einer Ärztin? unklar. Dafür erfahren wir viel über seine Zeit als Student, die 68-er Bewegung in Basel und was aus ihr geworden ist. Eine damalige Führerin der Studenten in Basel und heutige Hausärztin Hunkelers, Dr. Christa Erni, wird in ihrer Praxis erstochen aufgefunden. Der erste, naheliegende Verdacht: Drogenabhängige haben sich gewaltsam Stoff besorgt. Peter Hunkeler glaubt das nicht und geht bei seiner Ermittlung seine typisch eigenen Wege, bis er ans Ziel kommt.

Hansjörg Schneider hat mit Peter Hunkeler eine Figur geschaffen, die es ihm ermöglicht, seine eigene große Liebe zur Stadt Basel und seine gleichzeitige Kritik an der offiziellen Kultur- und Gesellschaftspolitik auf eine fast liebenswürdige Weise zum Ausdruck zu bringen. Man muß diesen borstigen, eigenwilligen Hunkeler, der in allem an die Liebe glaubt, einfach gerne haben.


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keine Zusammenfassung

Eigentlich möchte ich nicht eine Zusammenfassung des Krimis erzählen, sondern euch sagen, weshalb es sich lohnt dieses Buch zu lesen. Er ist nämlich anders als andere Krimis, da der Mord und die ganze Geschichte sich in Basel ereignet! Dadurch hat man einen ganz anderen Bezug zum Buch, denn man erkennt jeden Platz und jedes Restaurant. Auch die Hauptverdächtigen, das sind die Drögeler, sind nicht ganz unbekannt. Doch nicht nur der Standort ist speziell. Denn das Buch erzählt nicht nur die Mordgeschichte, bei der man gut miträtseln kann, sondern auch vom Privatleben des Kommissärs, den man wirklich nach jeder Seite besser kennen lernt. Es ist nicht so wie ein Agatha Christie Roman, wo man eigentlich nichts Privates über Poirot erfährt. Doch Hansjörg Schneider hat in diesem Buch parallel zum Mord auch verschiedene Liebesgeschichten beschrieben, unter anderem auch die des Kommissärs. Und noch etwas ist seht ungewöhnlich. Sehr oft wird vom Essen geredet, oder aufgezählt was der Kommissär mit seiner Freundin Hedwig isst. Dies fand ich ein wenig merkwürdig, aber es hat irgendwie doch gut in hineingepasst.


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Schuld sind immer die Drogenabhängigen!

Meinen wenigstens einige (alte) Leute, als die - auch bei Drogenabhängigen - beliebte Ärztin Dr. Christa Erni durch einen Messerstich ins Herz getötet wird. Dieses Ermittelunsgergebnis - siehe oben - würde jedenfalls Staatsanwalt Suter, nicht gerade ein Freund von Kommissar Hunkeler, ganz gut in den Kram passen. Aber Hunkeler merkt sehrt bald, dass er weitere Spuren verfolgen muss...
Dieser Roman ist - obwohl gar nicht als solcher bezeichnet - ein genialer Krimi; dazu aber auch noch eine tiefschürfende psychologische Studie (einzelner Personen; der Stadt Basel; des schweizerischen Menschen; der Beziehungen zwischen Mann und Frau...) Herausragend vor allem die Figur des Ermitterls Hunkeler: Ich habe selten eine so präzis gezeichnete, oft an sich selbst und der Welt zweifelnde, dabei aber so liebenswerte Kommissarfigur gefunden.
Neben diesem Roman, der auch sprachlich faszierend ist, sieht ein Großteil der (deutschsprachigen bzw. übersetzten) modernen Kriminalromane ziemlich alt aus...
Gratulieren muss man auch dem Lektor (oder dem Verlag?), der diverse schweizerische Ausdrücke eben nicht eliminiert hat.
Warnung an den Leser: Sie vergessen Frau, Kind und Beruf, wenn Sie diesen Roman in die Hand nehmen! Also vielleicht im Urlaub bzw. der Abwesenheit von Frau und Kind lesen. Das Telefon hören Sie sowieso nicht!


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Erstklassig

"Tod einer Ärztin" ist der erste Hunkeler-Krimi, den ich gelesen hatte - danach waren die anderen Bände Pflichtlektüre. Dennoch ist mir dieser Band (neben "Silberkiesel") der liebste geblieben.
Hunkeler, dieser in die Jahre gekommene Schimanski mit Restkultur, ist ein Geniestreich und der Fall, mit dem er es hier zu tun bekommt, äußerst gelungen.
Da stört es wenig, daß die Auflösung trotz der Drogenthematik im Privaten zu finden ist. (Ein Kniff, den Schneider öfter anwendet. Auch der neuste Band,"Hunkeler und der Fall Livius", bietet die Auflösung nicht im Rahmen des angerissenen Themas um Naziflüchtlinge im französisch-schweizerischen Grenzgebiet.)


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Hunkelers vierter Fall

Juli. Eine Affenhitze liegt über Basel. Die richtige Gelegenheit für Kommissar Hunkeler, ein kühles Bad im Rhein zu nehmen, die Seele ein wenig baumeln zu lassen, bis die Arbeit wieder ruft. Seine Hausärztin, eine stadtbekannte Drogenärztin, Altlinke und Kulturpolitikerin, wird in ihrer Praxis tot aufgefunden. Und die Schuldigen sind schnell benannt: Drogenabhängige (Drögeler). Doch so einfach ist es natürlich nicht. Hunkeler spürt gezielt die menschlichen Unzulänglichkeiten, persönlichen Verletzungen und Abhängigkeiten auf.
Hansjörg Schneiders "Tod einer Ärztin" ist ein atmosphärisch stimmiger, gesellschaftspolitisch ambitionierter, aber auch etwas konventionell (etwa im Vergleich mit "Hunkeler macht Sachen") erzählter Kriminalroman. Hunkeler ist so etwas wie der Lonely Cowboy von Basel, ein ambivalenter Einzelgänger, der zwischen Liebe und Tod seinen Weg sucht. Das Buch wurde übrigens mit Mathias Gnädinger in der Hauptrolle verfilmt.


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