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  Erkenntnistheorie | Peter Baumann
 
 
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Erkenntnistheorie
Peter Baumann

Metzler, 2006 - 312 Seiten

Kundenbewertung:(3 Bewertungen)
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Inhalt gut, Form schwach

Peter Baumann ist es gelungen, auf verständliche Weise und dem Laien leicht zugänglich umfassend und kompetent in die grundlegenden Fragen und Probleme der Erkenntnistheorie einzuführen. Grundgerüst des Buches bildet die "klassische Konzeption des Wissens", wonach Wissen wahre gerechtfertigte Überzeugung ist. Dementsprechend behandelt Baumann zunächst das Thema Überzeugungen, bevor er sich mit Wahrheit und Rechtfertigung auseinandersetzt; zudem geht er auf die "Quellen" des Wissens und skeptische Positionen ein. Auch stellt Baumann einige wichtige Philosophen und deren Grundthesen vor, philosophiehistorisches Wissen wird - wenn auch in sehr begrenztem Umfang - also ebenfalls vermittelt.
Die Standards eines guten Lehrbuches erreicht das Buch meines Erachtens jedoch nicht, didaktisch ist Einiges zu bemängeln. So sind zwar wichtige Begriffe im Text hervorgehoben, eine Zusammenfassung und Wiederholungsfragen, wie man sie etwa von vielen anderen philosophischen Einführungen gewohnt ist, fehlen gänzlich. Die Stringenz und der klare Aufbau zu Beginn des Buches verschwimmen gegen Ende; Baumann verfällt zusehends ins Schwafeln. Außerdem haben sich - teilweise peinliche - Druckfehler in das Skript eingeschlichen, was die Lesefreude mitunter senken kann.
Insgesamt also ein inhaltlich recht gutes, formal jedoch verbesserungswürdiges Werk.


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Systematische Einführung in die Erkenntnistheorie

Ich möchte etwas zu dem Aufbau des Buches schreiben, der sehr schlüssig ist und mich überzeugt hat.
In einem einleitenden Kapitel über den Skeptizismus gibt Baumann im wesentlichen 3 Szenarien an, die uns zweifeln lassen, ob wir überhaupt etwas wissen können:
1. Träume ich nur ?
2. Gibt es eine Außenwelt ?
3. Bin ich ein Gehirn-im-Tank (Film "Matrix") ?
Im nächsten Kapitel wird erläutert, was Wissen überhaupt ist: im Wesentlichen: "gerechtfertigte, wahre Überzeugung".
Diese Bestandteile werden dann in den nächsten 3 Kapiteln analysiert:
Was ist Wahrheit ? Was ist eine Überzeugung (und deren Bestandteile, die Begriffe) ? Was ist Rechtfertigung (Rationalismus) ?
Die nächsten beiden Kapitel befassen sich mit der Herkunft des Wissens: Apriorismus und Empirismus, sowie mit dem Wahrnehmungsbegriff.
Am Ende kommt Baumann auf die anfangs präsentierten skeptischen Argumente zurück und bringt gegen sie mögliche anti-skeptische Gegenargumente vor, die aus der mittlerweile geschehenen Auseinandersetzung mit dem Wissensbegriff gewonnen werden können.
An dem Buch fasziniert mich vor allem, dass der Autor nie plump auf eine Meinung hin argumentiert, sondern immer Argumente und Gegenargumente gegenüberstellt. Diese werden zwar von ihm öfters bewertet, aber am Ende bleibt für den Leser genug Freiraum für eine eigene Meinung und für Weiterdenken.


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Mehr als ein Spezialwerk zur Erkenntnistheorie

Mittels dialogischen Vortrag für einen fiktiven Lernenden entwickelt Baumann scheinbar gemählich und mühelos den umfangreichen Stoff. Zahlreiche eingestreute Fragen motivieren einerseits und hinterfragen das schon scheinbar Abgehakte. Oft muß man bei Sachbüchern etwas (vorerst) Unverständliches schlucken und darauf vertrauen, daß der Autor es später behandelt. Nicht so hier. Peter Baumann stellt genau die Fragen, die ich stellte und erklärt, warum er sie erst später beantworten wird. Und du darfst sicher sein: er vergisst sie nicht.
Frappierend war für mich, dass der Autor trotz Plauderton immer präzise formuliert und argumentiert. Man liest die Erkenntnistheorie wie einen spannenden Roman und merkt kaum, dass schwierige Probleme zur Debatte stehen. Dabei stellt Baumann die Lösung (so es eine gibt) nie fertig hin, sondern nähert sich ihr zusammen mit dem Leser. Höchstnote für didaktische Aufbereitung.
Viele wichtige begriffliche Unterscheidungen behandelt Baumann meisterhaft. Als Beispiel nenne ich Intentionalität und Intensionalität. Nebenbei erfährt man einiges über Kant und philosophiegeschichtliche Hintergründe.
Der Autor gibt hervorragende Literaturhinweise, oft mit Kapitelname und Seitenzahl.
Hier die wenigen Einwände zum Buch:
Ein Sachregister fehlt. So findet man das "Slingshot Argument" nur, wenn man zumindest ahnt, wo es einzuordnen ist.
Der Autor hob wichtige Definitionen und Argument vom Text ab. Der Verlag rückte diese Zeilen ein (Lob) und druckte sie in kleinerer Schrift (Rüge).
Die Verweise im eigenen Text erfolgen mit Kapitel- und Abschnittsnummer. Leider fehlen diese in der Seitenüberschrift.
Erkenntnistheorie ist mehr als der Titel verspricht. Es ist gemäß dem Untertitel ein hervorragendes Lehrbuch für die Philosophie und damit sowohl ein Spezialwerk zur Erkenntnistheorie als auch ein fundierter Einstieg in die Philosophie allgemein.


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