Bei einem Fußball-Länderspiel verleugnet Wallraff alias Levent seine Scheinexistenz, da er sonst um sein Leben fürchten muß -- Neonazis grölen "Sieg heil", "Deutschland den Deutschen", "Türken raus" und werfen "Ali" Zigaretten ins Haar und gießen ihm Bier über den Kopf, obwohl der plötzlich Hochdeutsch spricht und nur noch die deutsche Mannschaft anfeuert. Als Bulettenbrater bei McDonald's sieht er zu, wie mit Toilettenputzlappen die Tische gewischt werden bzw. mit dem Grillschaber ein Klo gereinigt wird. Als Illegaler auf der Baustelle arbeitet er zehn Stunden am Tag unter ständigen Diskriminierungen und Ausgrenzungen und miserablen Arbeitsbedingungen. Er bemüht sich als bekehrungswilliger Moslem um die katholische Taufe, doch nur ein Priester in einer abschüssig gelegenen armseligen Dorfkirche gibt ihm den Segen -- unter Scheinargumenten versuchen die übrigen Pfarrer, ihn desto heftiger abzuwimmeln, je höher sie in der kirchlichen Hierarchie stehen. Beim Arzneimittelversuch stellt "Ali" am eigenen Leib fest, daß Marktzwänge auch Menschenversuche möglich machen.
Und seine schlimmsten und ausführlichsten Erfahrungen sammelt Wallraff als Lohnsklave, als Leiharbeiter bei Thyssen, vermittelt durch eine dubiose Vermieterfirma, die den Großteil seines Lohns einsackt und ihn unter erbärmlichen Bedingungen tage- und nächtelang schuften läßt. Die Schichten seiner Kollegen dauern bis zu 72 Stunden lang -- ohne Schlaf. Seine Gesundheit leidet aufgrund des ständig eingeatmeten Drecks, und er sieht sich gezwungen, mit einer List zum Chauffeur des Chefs der Leiharbeiterfirma aufzusteigen, wo er den Alltag eines modernen Sklaventreibers aus erster Hand beobachten kann.
Ganz unten ist erschütternd, es ist bewegend und sehr aufschlußreich. Spannend und provokant schildert Wallraff Praktiken, die normal und gängig waren und es teilweise heute noch sind, beschreibt eine Gesellschaft, in der die Diskriminierung in Wirtschaft, Medien und Politik fast schon institutionalisiert ist. Wer sich abseits einer Medienberichterstattung, die zumindest teilweise mit Fug und Recht als tendenziös bezeichnet werden kann, über die tatsächliche Arbeits- und Lebenswelt "ganz unten" informieren will, der muß dieses Buch gelesen haben. --Erik Möller