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  Christiane und Goethe: Eine Recherche | Sigrid Damm
 
 
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Christiane und Goethe: Eine Recherche
Sigrid Damm

Insel, Frankfurt, 2008 - 531 Seiten

Kundenbewertung:(19 Bewertungen)
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Es ist für den ehrwürdigen Dichterfürsten aus Weimar wenig schmeichelhaft, was die Autorin Sigrid Damm bei ihren Recherchen über seine Ehe mit Christiane Vulpius zu Tage gefördert hat. In der Literatur wurde Christiane häufig als seine Mätresse oder ein schönes Stück Fleisch beschrieben. "Gründlich ungebildet", sagte Thomas Mann über sie, für Schiller, der sie zeitlebens ignorierte, war sie "ein rundes Nichts".

Wer war diese Frau, die, bevor sie Goethe im Juli 1788 erstmals traf, mit ihrer Tätigkeit in einer Blumenwerkstatt ihre Familie versorgte, da der Vater arbeitslos war, die Stiefmutter sterbenskrank im Bett lag und der Bruder das Gymnasium besuchte? Ganz sicher kein weltfremdes Dummchen, denn sie hat entgegen dem Hofklatsch in Weimar das Wagnis auf sich genommen, ihre große Liebe zu leben, Goethes Sohn August zunächst ohne die Sicherheit einer standesgemäßen Ehe zur Welt zu bringen und großzuziehen.

Christiane führte an der Seite Goethes kein intellektuelles, durchgeistigtes Leben (es ist fraglich, ob sie je eine Zeile seiner Werke gelesen hat), denn sie hatte die Haushalte in Jena und Weimar zu versorgen, seine zahlreichen Gäste zu bewirten und ihm den Rücken für sein Schaffen freizuhalten.

Sehr schäbig wird Goethes Verhalten, als sie 1815 erkrankt. Für ihn ist jede Krankheit eine Arbeitsstörung, die sein ästhetisches Empfinden verletzt. Als sie stirbt, lässt er sie mit furchtbaren Krämpfen und Schmerzen allein. Eine wenig bekannte Seite des Verfassers der schönen Gedichtzeile: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut".

Die Hörbuchversion wird gelesen von Eva Mattes, renommierte Film- und Theaterschauspielerin; Regie führte Petra Meyenburg. Eva Mattes gibt mit ihrer einfühlsamen Lesung, die von Musik untermalt wird, dieser lange missverstandenen Frau die Stimme zurück.

Lesung mit Musik in zwei Teilen. Insgesamt vier Kassetten, Spieldauer: ca. 360 Minuten. --Manuela Haselberger und Alexandra Plath


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Hinfahren!

Warnung: Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, müssen Sie sich sofort Urlaub nehmen und nach Weimar fahren! Man kann nicht aufhören zu lesen, und wenn man es zu Ende gelesen hat, muss man sofort dort hin. Auch wenn man nur einige Goethe-Gedichte kennt, vielleicht den Werther gelesen hat und die Wahlverwandtschaften, sich an den Faust nur als gequälte Lektüre aus vergangenen Schulzeiten erinnert - sobald man dieses Buch von Sigrid Damm gelesen hat (und am besten auch noch "Goethes letzte Reise" von der selben Autorin), dann fährt man einfach nach Weimar und Ilmenau und wird mühelos, ohne Inanspruchnahme von Stadtführern, in das späte 18. und frühe 19. Jahrhundert versetzt. Hinfahren! Es lohnt sich.







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Einblicke in die Alltagswelt der Menschen zur Goethezeit

Durch eine sehr vorsichtige und zurückhaltende Interpretation von Briefen und Tagebuchaufzeichnungen gelingt es Sigrid Damm hervorragend, die Alltags- und Gefühlswelt von Christiane Vulpius zu rekonstruieren. Auch bekommt der Leser insgesamt einen Einblick in das Leben und Denken der Menschen in der Zeit um 1800. Obwohl der eigentliche Kern des Buches aus Zitaten besteht, wird es auf keiner Seite langweilig! Sehr lesenswert!


Hervorragend, aber kann man auch anders interpretieren

Sigrid Damm hat ein wunderbares Buch geschrieben. Hart an den... nun ja, Fakten kann man wohl kaum sagen, da die Recherche der Autorin vor allem auf Briefen beruht, auf subjektiven Einschätzungen also.

Ich kenne mich bei der Goethe-Rezeption nicht aus, kenne auch kaum seine Werke: Ich habe Faust (mehrfach) gelesen, Werther, die Wahlverwandtschaften, das Pflichtprogramm also nur. Natürlich bin ich mir aber der Bedeutung des "Über"-Dichters Goethe für die deutsche Literatur bewusst. Und es scheint, dass Sigrid Damm mit "Christiane und Goethe" einige Dinge wieder geraderückt, die von der einschlägigen Goetheliteratur nur verzerrt wiedergegeben scheinen. Vor allem, was seine Beziehung zu seiner Ehefrau Christiana (sic!) von Goethe, geb. Vulpius, angeht. "Christiane und Goethe" ist mehr als eine einfache Liebesgeschichte, mehr als eine trockene Biographie. Es liest sich wie ein spannender Roman, den man bis zum Ende nur schwer aus den Händen legen kann. Bravo und 5 Sterne an die Autorin für diese wissenschaftliche und doch literarische Leistung.

Ich will aber doch erwähnen, dass ich bei der Interpretation der oft spärlichen und widersprüchlichen Quellen mit Frau Professor Damm oft nicht einer Meinung bin. Sie hebt für meinen Geschmack ihre eigenen Einschätzungen und Interpretationen zu wenig hervor. Wenn man nicht aufpasst, übernimmt man leicht unhinterfragt ihre Meinung, wobei m.M.n. sowohl Goethe als auch Christiane zu schlecht wegkommen. Ich denke, die beiden hatten über Jahre hinweg eine wunderbare Beziehung, sie liebten sich sehr, auch nach mehr als 20 gemeinsamen Jahren. Aus den zitierten Stellen ihrer Briefe spricht für mich eine erstaunliche Vertrautheit und rührende Zärtlichkeit. Natürlich gab es in dieser wie in jeder anderen Beziehung auch gute und weniger gute Zeiten. Ich finde es dennoch erstaunlich, wie selbstverständlich Christiane und Johann Wolfgang auch nach vielen gemeinsamen Jahren Liebe und Zärtlichkeiten in ihren Briefen und deshalb wohl auch anderweitig austauschen.

Vergessen wir nicht, dass die Goethes in Weimar eigentlich immer in einer prekären Situation lebten. Als Künstler seinem Mäzen, Herzog Carl August von Sachsen-Weimar, quasi ausgeliefert, kann sich der Wind auch schnell drehen. So bei Aufnahme Christianes in Goethes Haus (als seine Geliebte), weswegen dieser im Handumdrehen von seinem Brötchengeber vor die Stadttore gesetzt wird. Goethe muss also buckeln und bei den Höflingen (Charl. von Stein etc.) schön Wetter machen, um nicht buchstäblich um Haus und Hof gebracht zu werden. Und natürlich diskret mit seiner Lebensgefährtin sein und seinen Herzog nicht mit ihrer Anwesenheit brüskieren. Sigrid Damm scheint sich nicht immer bewusst zu sein, obwohl sie es an anderer Stelle sehr schön beschreibt, wie unsicher Künstler (und viele andere) im aufgeklärten, aber doch Absolutismus lebten. Demnach ist es nur konsequent, wenn Goethe beispielweise in seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" letztere öfter mal strapaziert.

Vielleicht hätte Frau Professorin Damm an manchen Stellen ihren DDR-Feminismus und ihre Beamtenbrille ablegen sollen, um bei Christiane, Johann Wolfgang, aber auch in deren Beziehung die Wärme zu spüren, die aus deren Briefen strahlt.


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Fakten - recherchiert mit Herz, Verstand und Detailtreue

Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben. Beim Lesen jeder Zeile spürt man das Herzblut dahinter, ihr Interesse und die Fähigkeit Fakten offenzulegen und doch dem Leser die Möglichkeit zu geben, es anders zu interpretieren, anderer Meinung zu sein. Der Titel könnte vermuten lassen, dass hier Goethes Bild durch und durch schlecht gemacht wird und endlich aufgeräumt wird mit dem Bild des Heimches, als welches Christiane hinlänglich bei der Leserschaft bekannt ist. Nein, die Autorin deckt auf und rückt gerade, gibt dem Leser Wissen mit auf dem Weg, welches zwar ein klares Bild Goethes und Christianes widerspiegelt und doch viel Raum für eigene Mutmaßungen und Gedanken lässt.

Historisch sehr informativ und ausführlich. Biografisch sehr wertvoll. Inhaltlich kompakt und ausführlich. Zu keiner Zeit langatmig oder ausschweifend. Die Recherche ist zielstrebig geschrieben. Was die Autorin nicht wusste, hat sie recherchiert. Wenn es sein musste auch mehrmals. Und wenn sie sich unsicher war, hat sie es gesagt. Kein falsches Zeugnis.

Auch wenn Goethe hier und da nicht "gut wegkam", so konnte ich mich sehr in ihn hineinversetzen. Ich mag ihn. Und Christiane kommt natürlich auch nicht zu kurz. Oft tut sie dem Leser leid, aber sie hat dieses Leben mit Goethe so gewählt und ihr eigenes Glück gefunden, bei dem heutzutage wohl viele Frauen ausgestiegen wären.

Sehr schön geschrieben und recherchiert!




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ein ganz normaler Mann

Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Immer mit großen Pausen zwischendrin, da ich das Geschriebene erst verdauen mußte. Da war Goethe also doch ein ganz normaler Mann seiner Zeit UND gleichzeitig ein hoch schöpferischer und genialer Künstler. Mir bringt es den Menschen hinter dem Klichee "Dichter Fürst" näher. Sein Leben zu bewerten steht mir nicht zu. Wer werfe den ersten Stein.

Mich interessierte, wie er es hinbekommen hat, all seine Kunstwerke zu machen. In dieser Menge und dieser Qualität. Diese Fragen werden beantwortet. Über den Umweg der Beschreibung seiner unmittelbaren Umgebung. Spannend, kann ich da nur schreibend sagen. Gelungen.


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reviews: page 1, 2, 3, 4



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