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  Kafka am Strand | Haruki Murakami
 
 
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Kafka am Strand
Haruki Murakami

Btb, 2006 - 640 Seiten

Kundenbewertung:(60 Bewertungen)
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Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Haruki Murakami formuliert es etwas anders, ist aber in Kafka am Strand wieder den großen Fragen nach Identität, Wahrnehmung und Wirklichkeit auf der Spur. Er knüpft dabei erklärtermaßen an seinen ersten Erfolg, Hard-boiled Wonderland, an, inhaltlich wie formal: Zwei Geschichten werden parallel erzählt, ohne dass zunächst klar würde, was die handelnden Personen miteinander verbindet. Da ist zum einen Kafka, der an seinem 15. Geburtstag ausreißt und vor einer düsteren Prophezeiung seines Vaters auf die Insel Shikoku flüchtet. Er schließt Freundschaft mit dem Bibliothekar Oshima -- für manche Überraschung gut -- und verliebt sich in die wesentlich ältere Saeki.

Im Mittelpunkt des anderen Erzählstrangs steht Nakata, der Katzenflüsterer, dessen Geistesschwäche auf einen mysteriösen Vorfall im Jahre 1944 zurück geht. Jetzt glaubt er in einen Mordfall verwickelt zu sein und verlässt Tokio. Unterwegs -- gerade hat es Blutegel geregnet -- trifft er den Fernfahrer Hoshino, auch ihr Weg führt schließlich in Oshimas Bibliothek. Diese dient als eine Art Scharnier zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fantasie. Ihre Bücher sind für Kafka "lebendiger und fesselnder als die Menschen, die vor dem Bahnhof herumwimmeln". Er verliert sich allmählich in diesem "Zerrspiegel der Zeit", in erotischen Tagträumen -- sind es Träume? -- und Wahnvorstellungen: "Vielleicht habe ich meinen Vater durch meine Träume ermordet." Liebt er die 15-jährige Saeki oder die alte?

Auch die Leser verlieren, nämlich irgendwann das Interesse an diesem hormongeplagten Halbstarken. Wie möglicherweise der Autor, der auf der anderen Seite einen ergreifend tragikomischen Helden präsentiert: "Nakata hat eigentlich keine Meinung. Er mag Aal", definiert dieser japanische Schwejk sich selbst -- inmitten philosophischer Seifenblasen ein erfreulich nüchternes Motto. Die besten Szenen mit ihm und Hoshino könnten von Beckett stammen -- zwei Landstreicher auf Sinnsuche.

Ist das ein guter Roman? Und wenn ja, wie viele? "Mein Road-Movie-Roman" (Murakami), magischer Realismus, Seins-Fiktion? Nach einigen Durchhängern endet die "Probefahrt auf einer gigantischen Achterbahn" rasant. Murakami-Fans, die erst ab Seite 300 richtig warm werden, werden sich freuen. Murakami-Sympathisanten halten sich an Nakata oder auch Sätze wie diesen: "Erinnerungen sind das, was Ihren Körper von innen wärmt." --Patrick Fischer


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Eine Welt, in der Johnny Walker Katzenherzen isst, um aus ihren Seelen eine Flöte zu bauen...

Wenn es plötzlich anfängt, Fische zu regnen; Wenn ein Mann mit dem Namen Johnny Walker Katzen aufschlitzt, ihre noch pulsierenden Herzen isst, um aus ihren Seelen eine Flöte zu bauen; Wenn auf einmal Colonel Sanders, die Kenntucky-Fried-Chicken-Figur, zum Leben erwacht und hübsche Mädchen vermittelt; Wenn eine Frau von zwei übereifrigen Feministinnen als chauvinistischer Prototyp einer patriachalen Gesellschaft beschimpft wird. In all diesen Fällen kann es sich eigentlich nur um einen Roman Haruki Murakamis handeln, der als ein Hauptvertreter postmoderner japanischer Literatur gilt.

Der 2002 veröffentlichte Roman "Kafka am Strand" besteht aus zwei Plotlinien. Der hochintelligente Kafka Tamura reißt mit 15 Jahren von zu Hause aus. Sein Vater ist ein Workholic, der sich nicht um ihn kümmert und seine Mutter hat die Familie zusammen mit seiner Schwester verlassen, als Kafka vier Jahre alt war. Auf seltsamen Wegen lernt er Oshima kennen, der in einer Bibliothek arbeitet. Schon bald fühlt sich Kafka zu der introvertierten, aber höchst attraktiven Bibliotheksleiterin Saeki hingezogen, die mehr als dreißig Jahre älter ist als er.

Nakata kann weder lesen noch schreiben, hat noch nie seine Heimatstadt verlassen oder mit einer Frau geschlafen und spricht von sich selbst nur in der dritten Person. Dafür kann er mit Katzen sprechen und verdient sich ein Zubrot als Detektiv für verlorengegangene Katzen. So macht er die unerfreuliche Bekanntschaft mit dem Katzenmörder Johnny Walker, in Folge dessen er sich auf den Weg in eine andere Stadt macht, ohne zu wissen, was er da überhaupt will. Auf seinem Weg trifft er den lebenslustigen Fernfahrer Hoshimo, der sich kurzentschlossen entschließt, den seltsamen alten Kauz auf seiner Reise ohne Ziel zu begleiten.

"Kafka am Strand"zieht den Leser unweigerlich in seinen Bann. Der Vorwurf, dass Murakamis Bücher ob ihrer höchst obskuren Begebenheiten nicht oder nur schwer verständlich seien, ist schlicht nicht zutreffend. Genau das Gegenteil ist der Fall. Hat man sich einmal auf die Geschichte eingelassen, bietet der Roman eine optimale Projektionsfläche, die keinen Leser mehr loslässt, da sich jeder auf irgendeine Art und Weise in den teils absurden, übernatürlichen Ereignissen wiederfinden kann. Dies ist ja auch das besondere an den Romanen Franz Kafkas, die gerade wegen ihrer auf den ersten Blick verwirrend erscheinenden Struktur die gesamte kognitive Vorstellungskraft des Lesers erfordern. Und ein Leser erkennt nun einmal nur das, was ihn selbst beschäftigt.

Was zeitweilig etwas störend wirkt, sind die sporadischen Ausflüge ins Reich der Kalenderblättchenphilosophie. Sätze wie: "Die Konturen meines Ichs schieben sich übereinander und rasten mit einem leisen Klicken ein" (78) oder "Nicht der Mensch bestimmt sein Schicksal, sondern sein Schicksal bestimmt ihn" (274) glänzen nicht gerade vor philosophischer Tiefenschärfe. Aber das kann auch an der Übersetzung vom Japanischen ins Deutsche liegen. Dafür bietet der Roman meiner Ansicht nach auch eine Vielzahl von sehr gelungenen rhetorischen Bonmots, die essentielle Fragestellungen des Menschen knapp, präzise und höchst verständlich auf den Punkt bringen: "In Wahrheit ist jede Wahrnehmung schon Gedächtnis: Die reine Gegenwart ist das unfassbare Fortschreiten der Vergangenheit, die an der Zukunft nagt" (372).

Fazit: Toller Roman, der zum Nachdenken anregt und dabei bestens unterhält. Und das ist es doch schließlich, was gute Literatur ausmachen sollte.



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Grandios

Murakami ist wundervoll, unterhaltend, hintersinnig, leicht.Und dabei ist und bleibt er unverwechselbar. Einer der ganz großen Autoren. Eben nicht Elfenbeinturm, dennoch - und gerade deswegen- zauberhaft.


Kafka im Konflikt mit sich selbst

?Kafka am Strand? ist im Grunde genommen ein Ausschnitt aus dem Leben eines 15jährigen, der beschließt, von zu Hause auszureißen und irgendwo anders ? bloß weit weg ? sein bisher eher unglückliches Leben neu zu beginnen. Er nennt sich fortan Kafka und erreicht bald Takamatsu, eine Stadt im äußersten Westen Japans, wo er seine Flucht vorläufig stoppt.
Sein selbstgewähltes Landstreicherleben endet eines Nachts jäh, als er blutüberströmt an einem Schrein aufwacht ? und sein Vater in Tokyo erstochen aufgefunden wird.

Fortan versteckt sich Kafka bei anderen Menschen und setzt sich jeden Tag mit seine psychischen Problemen auseinander und muss irgendwann eine ironische Tragik erkennen: je weiter er vor sich und seinen Problemen davonrennt, versucht, vor der Realität und seiner eigenen Vergangenheit zu fliehen, um so mehr rennt er auch in sie hinein.
Weil dieser Roman von Haruki Murakami geschrieben wurde, kann man das sogar wortwörtlich nehmen. Zunehmend wird die Handlungsebene von der konkreten Welt in surreale, metaphysische Bildnisse verlagert, gern auch mal durch Raum und Zeit.
Auf dieser abenteuerlichen Reise bleibt es nicht aus, dass auch Kafkas Persönlichkeit einer Wandlung unterzogen wird.
Was ich vorhin als ironische Tragik bezogen auf Kafkas Seelenleben bezeichnet habe, lässt sich allerdings auch auf die Gesamthandlung des Romans münzen: keiner der Charaktere kann hier wirklich behaupten, seines eigenen Glückes Schmied zu sein, unaufhörlich drängt das Schicksal jeden zurück zu einem ihm vorgezeichneten Weg. Die einzige Möglichkeit für die Handelnden, wieder Herr über sich selbst zu werden, besteht darin, mit ihrer Bestimmung zusammenzuarbeiten und sie zu erfüllen. Das ist einer der beruhigendsten und freundlichsten Ansätze von Determinismus, den ich in der letzten Zeit lesen durfte.

Freilich ist Kafka nie völlig allein auf seinen Wegen. Von Beginn an stellt Murakami dem eigentlichen Handlungsstrang einen zweiten Gegenüber. Die Protagonisten beider Stränge stehen unbewusst mit ihren Taten und Erlebnissen in einer Wechselwirkung, wodurch ihre Wege immer enger miteinander verknüpft werden.

Abseits dieser fantastischen Erzählung scheint ?Kafka Am Strand? auch autobiografische Elemente zu beinhalten; so beobachten wir, wie der junge Protagonist sich erinnert, in einer Bibliothek als Kind eine Vorliebe für Jazz- & Rockmusik entdeckt zu haben. An anderer Stelle zitieren Menschen bedeutungsschwanger alte Klassiker, die auch schon in anderen Murakami-Erzählungen eine Rolle gespiet haben. Oder sie diskutieren lebhaft über klassische Musik und erklären diese Diskussion später zu prägenden Ereignissen ihres Lebens.
Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass der als so schüchtern geltende Autor hier auch ein wenig seiner eigenen Lebensgeschichte einstreut
Ich jedenfalls würde, sofern dieser Eindruck stimmt, keinen Anstoß daran nehmen. Dem Roman a sich tut es nur gut.

Abschließend bleibt sagen: dieses Buch ist irgendwie unverkennbar Murakami ? und absolut lesenswert.


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Mein erster Murakami...

Hmja. Um es mal popmetaphorisch auszudrücken: Für ein perfektes Dinner hat's mir persönlich nicht gereicht - zwar schmeckte dieser postmoderne Eintopf aus Mythologie, Pop und ein bisschen Küchenphilosophie nicht übel, aber vielleicht war diese Zusammenstellung am Ende dann doch ein wenig zu japanisch um meinen europäischen Gaumen zu befriedigen. Oder zu surrealistisch, um es mal nicht auf irgendwelche kulturellen Konventionen zu schieben. Inhaltlich hat's mir auch nicht ganz gereicht - satt war ich nach der letzten Seite jedenfalls nicht, brannte mir doch noch die ein oder andere Frage auf der Zunge.
Bereut hab ich's trotzdem nicht. Zwar halte ich den 15jährigen Protagonisten Kafka mit seinen feuchten Träumen und der(übrigens hässlich an die pubertären Psychologieprofessoren in Dawson's Creek erinnernden) Lebenssinnsuche für den nervigsten Protagonisten seit Goethes Werther, aber der liebenswert-schrullige Katzenfreund Nakata (der als Protagonist des zweiten Handlungsstrangs zum Glück immerhin die Hälfte des Romans bestreitet) macht diesen Ärger hundertfach wieder wett.
Sicher nicht mein letzter Murakami, aber nun muss ich mich erstmal erholen. Und verdauen.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10



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