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  Gefährliche Geliebte | Haruki Murakami
 
 
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gefährliche geliebte

Gefährliche Geliebte
Haruki Murakami

btb Verlag, 2002 - 217 Seiten

Kundenbewertung:(110 Bewertungen)
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Der Traum von der absoluten Perfektion macht augenscheinlich auch gestandenen Autoren in beruhigender Regelmäßigkeit zu schaffen: "Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah" -- das hatte der mit allen wichtigen Literaturpreisen seines Landes ausgezeichnete Japaner Haruki Murakami in seinem gleichnamigen Erzählband bereits geschildert.

Jetzt taucht sie wieder auf, die hundertprozentige Frau: Sie hört auf den Namen Shimamoto und wird sich im Laufe des Romans mehr und mehr als Gefährliche Geliebte erweisen. Vorerst aber ist sie ein zwölfjähriges Mädchen "mit ausdrucksvollen Gesichtszügen" und einem steifen linken Bein; und diese Spätfolge einer Kinderlähmung kann Haruki Murakami eben wirklich so beschreiben, als ob Gehfehler von jeher der Inbegriff der Erotik wären!

Shimamoto also ist die erste Liebe des Ich-Erzählers Hajime: Gemeinsam bestreiten sie den leidigen Schulweg und führen sich Nat King Cole und Bing Crosby aus der elterlichen Plattensammlung zu Gemüte. Ein Mal hält -- es ist dies der unerhörteste Moment jener unschuldigen Kinderliebe -- Shimamoto für zehn Sekunden Hajimes Hand; und so etwas bleibt, nachdem man sich längst aus den Augen verloren hat, ja dann immer als tiefe Sehnsucht gegenwärtig.

Erst an der Schwelle zur Midlife-Crisis treffen die beiden sich wieder: Hajime ist inzwischen ein glücklich verheirateter Familienvater und Inhaber zweier gepflegter Jazz-Bars; er hat sich in einer -- sagen wir: achtzigprozentigen -- Realität eingerichtet, und Shimamoto rüttelt nachhaltig am Fundament. Dabei bleibt sie ein vollendetes Mysterium, was sich vor allem darin äußert, dass sie bei nahezu jedem Auftritt -- und für meinen Geschmack eben etwas zu oft -- vielsagend lächelt.

Ansonsten aber hat Murakami das allgegenwärtige gedankliche Kreisen um verpasste Gelegenheiten, um die hundertprozentige Leidenschaft und die so viel weniger anstrengende Durchschnittsrealität in gewohnter Meisterschaft -- subtil und überaus fesselnd -- erzählt. --Christine Wahl


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Wie aus dem Leben..

Das Buch wird aus der Sicht des Protagonisten Hajime erzählt. Es beginnt in seiner Jugendzeit, schildert wie er mit einem Mädchen, zu dem er eine Verbindung spürte wie später nie wieder zu einem anderen, bis zu seinem zwölften Lebensjahr seine Tage verbringt. Sexuelle Gefühle sind noch nicht erwacht, doch nie wird er dieses Mädchen - Shimamoto - vergessen können, mit dem er an regnerischen Tagen Bing Crosby Platten hörte und bei dem er sich so wohl fühlte wie bei keinem anderen Menschen zuvor oder danach. Nachdem beide auf getrennte Schulen gehen, verliert sich der Kontakt. Jahre später hat Hajime seine erste Freundin, Itsumi. Nachdem sie zögert, mit ihm zu schlafen, betrügt er sie mit ihrer Cousine - und fügt ihr irreparablen Schaden zu, ein Trauma fürs Leben. In den Jahren von 22-30 lebt Hajime ein leeres, unerfülltes Leben. Hat kürzere Beziehungen oder One-Night-Stands, aber fühlt sich wie ein Vakuum. Dabei denkt er jeden Tag an Shimamoto. Der Job als Lektor bei einem Schulbuchverlag ödet ihn ebenfalls mehr an, als ihm lieb ist. Die Abende und Nächte verbringt er allein in der Küche, Whisky konsumierend.
Bis er eines Tages Yukiko trifft. Er verliebt sich in sie, heiratet, bekommt zwei Kinder und macht eine Cocktailbar auf, ein Job, in dem er voll und ganz aufgeht. Sein Leben könnte besser nicht sein. Bis Shimamoto eines Tages wie aus dem Nichts auftaucht, mysteriös wie ein Geist. Jahre zuvor meinte er ebenfalls sie gesehen zu haben, verlor sie jedoch aus den Augen..als ein Mann auf ihn zutrat und ihm einen Umschlag mit Barem in die Hand drückte und ihn aufforderte, die Begegenung zu vergessen. Wie sich herausstellt, war das damals ebenfalls Shimamoto. Welches Geheimnis umgibt diese Frau? Und was will Hajime wirklich? Die längst verloren geglaubte Liebe zu einem Seelenverwandten oder das Leben mit Frau und Familie?

Das Buch kommt als typische Murakamiwerk daher, erinnert inhaltlich und stilistisch an "Naokos Lächeln". Die Charaktere Murakamis sind immer rastlos, immer auf der Suche nach sich selbst, nach einer Möglichkeit ihr Verlangen nach Zufriedenheit im Leben zu stellen. Die perfekte Frau, das perfekte Leben. Tragik und Schicksal. Und so ist auch dieses Buch um einiges aufregender und unterhaltsamer als es der Inhaltsangabe nach klingt. Übersinnliche oder surreale Elemente wie in "Kafka am Strand" sucht man hier vergebens, viel mehr handelt es sich um eine bodenständige Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen und man merkt: hey, das reicht, das ist schon Unterhaltungswert, Tragik und Spannung genug! Genauso wie dies schon bei "Naokos Lächeln" funktioniert hat.
Hajime kommt, nachdem er monatelang jeden Tag Zeit mit Shimamoto hinter dem Rücken seiner Frau verbringt, letztlich zu dem Entschluss, seine Familie zu verlassen und mit Shimamoto zusammen zu leben. Doch er weiß nichts über ihr Leben, wie es seit ihrem zwölften Lebensjahr weiter verlaufen ist. Er weiß nur, dass sie sich einer komplizierten Operation unterzogen hat, die ihren Gehfehler behob, noch nie in ihrem Leben gearbeitet hat, aber dennoch in Geld zu schwimmen scheint, ihr Kind bei der Geburt verloren hat - und dass sie unter mysteriösen Umständen immer wieder - für Monate - verschwindet. Doch diese rätselhaften Beweggründe werden offen bleiben, Murakami macht sie nicht zum Thema seines Buches, auch wenn er dies dem Leser das ein oder andere Mal vorzugaukeln versucht.
Als Shimamoto wieder mal verschwindet - dies ist die Zeit, in der sich Hajime für sie entscheidet - bricht er völlig zusammen. Er versucht sich durch seine Arbeit abzulenken, plant Neuerungen für seine Bar, geht ins Fitnessstudio, schwimmt Unmengen von Bahnen ab - nur um nicht durchzudrehen. Und hier kann man sich wieder bestens in Hajimes verwirrten Kopf - sein nach Glück suchendes Herz - hineinversetzen...eine Geschichte, wie sie jeder kennt, wie Leben und Realität sie schreiben. Er weiß, dass er Yukiko genauso verletzen wird wie Itsumi damals - und kann doch nicht anders. Und wie ein Sinnbild aus der Vergangenheit, taucht auch Itsumi - verbittert und vom Leben enttäuscht - wieder auf (soll aber keine größere Rolle spielen).
Als er schließlich mit Shimamoto schläft und ihr ewige Treue schwört - verschwindet diese wieder. Und Hajime kommt ins Grübeln...wäre es nicht doch die richtige Entscheidung bei seiner Frau zu bleiben, die er liebt und die ihn liebt..?

Ein Appell an Kopf und Herz, ein Aufruf für Ehe und Treue - könnte man interpretieren. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, Murakami kann einfach kein schlechtes Werk abliefern. Wenngleich ich es schlechter empfand als "Naokos Lächeln". Mit "Kafka am Strand" kann man es ohnehin nicht vergleichen, das Buch fällt thematisch völlig aus der Reihe. Die leider nur knapp etwas über 200 Seiten (recht dünn für Murakami Verhältnisse) vergehen jedenfalls wie im Flug und gelangweilt hab ich mich auch nie. Von meiner Seite aus gibt es auch hier eine dicke Empfehlung!


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Gut, aber nicht das beste Murakami-Werk!

Der Anfang ist vielversprechend.. Die Beschreibung des pupertierenden Hajimes, erste Liebe, Naivität.. Man muss oft schmunzeln und genießt jeden Satz. Ab ungefähr der Mitte des Buches wird etwas langweilig. Es wird oft tagebuchmäßig berichtet (wenig Dialoge), was mir machmal ein wenig trocken erschien. Trotzdem gab es immer wieder tiefgründige Passagen, die einem doch die Lust zum Weiterlesen gegeben haben.

Typisch für Murakami fehlen auch in diesem Buch oft die Zusammenhänge und manche Erklärungen. Für echte Murakami-Kenner sollte es aber kein Problem sein, weil genau das ist sein Markenzeichen. Was ich schade finde, dass das Buch nicht aus dem Japanischen, sondern aus dem Englischen übersetzt wurde. Im großen und ganzen ist der Roman ok, aber ein bisschen wie die Massenproduktion. Nicht so besonders wie "Hard-boiled wonderland", "Mister Aufziehevogel" oder "Wilde Schafsjagd und der Tanz mit dem Schafsmann". Für die Einsteiger würde ich eins von den oben genannten Büchern empfehlen.


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Murakami spaltete das "Literarische Quartett"...

Dieses Buch sorgte im Jahr 2000 für einen Eklat und gleichzeitig für ein Highlight in der deutschen Fernsehgeschichte. In der Sendung "Das Literarische Quartett" zeigte sich Marcel Reich-Ranicki begeistert von Haruki Murakamis Roman "Gefährliche Geliebte" und lobte ihn als einen tiefsinnigen erotischen Roman der Extraklasse. Sigrid Löffler war da anderer Meinung und bezeichnete das Buch als "literarisches Fast Food", welches eigentlich überhaupt nichts in der Sendung zu suchen habe. Des Weiteren ereiferte sie sich über die ihrer Meinung nach grottenschlechten Sexszenen sowie über die weibliche Hauptfigur, die nichts anderes sei als eine fleischgewordene Männerphantasie. Das wiederum rief Reich-Ranicki auf den Plan, der Löffler in seiner einzigartigen Manier vorwarf, von Erotik doch eh nicht den blassesten Schimmer zu haben. Das war offensichtlich zu viel für Löffler, die nach Ende der Aufzeichnung ihren Ausstieg aus der Sendung erklärte.

Zum Roman: Hajime lernt seine große Liebe bereits als Kind kennen. Er wird vom Lehrer dazu aufgefordert, sich um die neuzugezogene Shimamoto zu kümmern und verbringt bald immer mehr Zeit mit der introvertierten Schönheit mit dem Gehfehler. Doch bevor der Zwölfjährige überhaupt weiß, was ihn an Shimamoto so interessiert, trennen sich ihre Wege, da ihre Familie umzieht. Mit der Zeit findet Hajime seine erste Freundin, betrügt sie, studiert Literatur und versauert nach seinem Abschluss als Lektor in einem Schulbuchverlag. Außer Kurzbeziehungen oder One-Night-Stands hat er keine Beziehungen zu Frauen. Mit dreißig heiratet der Yukiko, deren schwerreicher Vater es ihm ermöglicht, zwei Jazzbars zu eröffnen und ein finanziell sorgenfreies Leben zu führen. Aber wirklich glücklich ist Hajime nie. Und da taucht plötzlich Shimamoto wieder auf und bringt sein Leben aus den Fugen.

Als er eines Abends einen alten Schulfreund in einer seiner Bars wiedertrifft, konfrontiert ihn diese mit seiner Weltsicht, die so oder so ähnlich auch für Hajime zutreffend ist: "Es regnet, und die Blumen blühen. Kein Regen, und sie verdorren. Insekten werden von Echsen aufgefressen, Echsen werden von Vögeln aufgefressen. Aber am Ende sterben sie alle, einer wie der andere. Sie sterben und vertrocknen. Eine Generation stirbt ab, und die nächste übernimmt. So läuft das. Jede Menge Lebensweisen. Und jede Menge Todesarten. Aber am Ende macht das nicht den geringsten Unterschied. Übrig bleibt nur eine Wüste" (86). In solch einer inneren Wüste lebt auch Hajime, seitdem er Shimamoto nicht mehr gesehen hat. Und als sie wieder in sein Leben tritt, ist das wie Wasser für einen Verdurstenden.

Es kommt, wie es kommen muss und was Frau Löffler so gar nicht gefallen hat. Die Liebesnacht zwischen Hajime und Shimamoto ist derart anschaulich geschrieben, dass man(n) sich gleich ganz anders fühlt: "Sie kam nah an mich heran, nahm meinen Penis liebevoll in die Hand und küßte mich auf die Lippen. Sie legte ihre Hände auf meine Brust, und dann leckte sie mir sehr lange die Brustwarzen und streichelte mein Schamhaar. Sie legte das Ohr an meinen Bauchnabel und nahm meinen Hoden in den Mund. Sie bedeckte mich mit Küssen. Sogar meine Fußsohlen küßte sie. Es war, als gehe sie mit der Zeit um wie mit einem Schatz. Als streichle sie, liebkose sie, lecke sie die Zeit" (186f.). Mit einem hat Sigrid Löffler allerdings Recht gehabt. Einige Formulierungen wirken in der Tat unausgegoren und steif. Das liegt allerdings nicht an Murakami, sondern an der Übersetzung vom Japanischen ins Deutsche.

Fazit: Überzeugende Sezierung eines leeren Lebens. Einmal angefangen fällt es schwer, "Gefährliche Geliebte" wieder aus der Hand zu legen. Frau Löffler sah das wohl etwas anders...



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berührende geschichte...

...von einem mann der in seinen gefühlen und träumen gefangen ist, der sich nicht von seiner vergangenheit befreien kann, der seinem lebensglück immer im weg steht. es ist der held hajime und seine jugendliebe - eine tief berührende und spannende liebesgeschichte für die es keine lösung gibt. murakami läßt viele fragen offen für den leser um sich eigene gedanken zu spinnen. sprachlich schön, modern, lesenswert!


reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10



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