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  Der Klavierstimmer | Pascal Mercier
 
 
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Der Klavierstimmer
Pascal Mercier

btb Verlag, 2000 - 508 Seiten

Kundenbewertung:(31 Bewertungen)
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Im richtigen Leben heißt der Schweizer Autor Pascal Mercier eigentlich Peter Bieri und lehrt an der Berliner Universität Philosophie.

So wie es nach seinem zweiten, jetzt erschienenen Roman, Der Klavierstimmer aussieht, hat er sein Thema, oder das Thema ihn, gefunden.

Im Mittelpunkt seiner Romane steht die Sprache. Während er in seinem Erstling Perlmanns Schweigen einen Übersetzer mit den Tücken seines Berufsstandes ringen läßt, der nichts mehr zu sagen weiß, obwohl er die Sprache mehr liebt als alles andere, geht Mercier in seinem neuen Werk der Frage nach, inwieweit sich die Person und ihre Identität mittels des gesprochenen oder geschriebenen Wortes abgrenzen kann. Doch keine Angst, Mercier verpackt den philosophischen Hintergrund in eine psychologisch reizvolle, äußerst fesselnde Familientragödie.

Die Zwillinge Patrice und Patricia werden überraschend aus Paris bzw. Chile nach Hause gerufen, da ihr Vater verhaftet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, bei einer Opernaufführung auf offener Bühne den Tenor erschossen zu haben. Hat der besonnene, ruhige Mann, der ganz in seinem Beruf als Klavierstimmer aufging, und dem die Musik die Welt bedeutet, tatsächlich diese Tat begangen?

Die Zwillinge wollen die ganze Wahrheit herausfinden und so beschließen sie, daß jeder seine Eindrücke in einem eigenen Tagebuch aufschreiben soll, das sie am Ende austauschen wollen.

Für den Leser entwickelt sich in diesen Aufzeichnungen jeweils aus weiblicher und männlicher Sicht eine unglaubliche Spannung. Die verschiedenen Blickwinkel, die enge Beziehung der Zwillinge untereinander sowie zu ihren Eltern, geben Einblicke in ein grausames Familiendrama, das sich stückweise in seiner ganzen Dramatik enthüllt.

Ein wenig erinnert die Komposition des Klavierstimmers an Javier Marias Bestseller Mein Herz so weiß. Beide Bücher beginnen mit einem ungewöhnlichen Todesfall, die Neugierde des Lesers ist geweckt und ehe er sich versieht, ist er in ein dichtes Geflecht an Beziehungen hineingezogen worden. Allerdings liest sich Mercier weitaus einfacher und flüssiger als sein spanischer Kollege.

Doch er ist ein ebenso gebildeter und kluger Autor. Kein Element steht in seinem Roman unüberlegt, alles ist intelligent durchdacht und miteinander verknüpft. Während der Klavierstimmer unverdrossen Abend für Abend an seiner neuen, wiederum erfolglosen Oper Michael Kohlhaas komponiert, wird er selbst zu dieser Kleist'schen Figur im eigenen Leben.

Am Ende, wenn die Tagebücher ausgetauscht werden, bleibt wieder die Sprache übrig und die Frage: "[I]st die stille Beschäftigung mit Worten die wirkungsvollste Art, das Leben zu verändern -- wirkungsvoller als die lauteste Explosion?" --Manuela Haselberger


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Ein Buch, das immer besser wird

Dieses Buch handelt vom komplizierten Leben einer Familie mit meheren schweren, best gehüteten Familiengeheimnissen (Inzest unter Geschwistern, sexuelle Überriffe zwischen den Generationen und verschwiegener Kuckuckskinder), erzählt aus der Sicht der ca. 25jährigen Zwillinge Patrice und Paricia. Die beiden haben getrennt voneinander in je sieben Hefte einen Rückblick auf das Famlienleben notiert. Der Leser, und nur er, kann daraus die gesamte Familiengeschichte rekonstruieren.

Eine der Besonderheiten von Pascal Merciers Schreibstil ist die Detailfreudigkeit, mit der jeder Blick, jeder Gesichtszug, jede Regung der beobachteten Person beschrieben wird. Das gefundene Wort wird dann immer noch mal genau erklärt; oft enhält diese Erklärung eine Gleichzeitigkeit von Gegensätzen, z.B. S.359: "nach einer Weile wurde sie von einem trockenen, holprigen Schluchzen geschüttelt. Das Holprige daran - nichts hätte ihre Hilflosigkeit und das Erlöschen jeder Hoffnung besser zum Ausruck bringen können." Der Effekt dieser Beschreibung ist aber nicht mehr Nähe zur beobachteten Person, sondern eine eigenartige Distanz, eine Kühle und eine Fremdheit wie bei einer Sektion. Ich bin überzeugt, das ist exakt Merciers Absicht.

In den ersten Heften von Patrice verursacht diese Schreibweise das Bild eines sehr um sich selbst kreisenden, egozentrischen und selbstmitleidigen jungen Mannes. Seine empfundene große, krankhafte Nähe zu seiner Zwillingsschwester erlebt der Leser wie durch ein Milchglas. Es kommt keine Sympathie für Patrice auf. Erst als er von Paco berichtet, erhält der Leser ein wenig direkten Bezug zu Patrice.

Patricias Niederschrift ist sprachlich direkter gestaltet. Sie spürte schon früh in ihrem Leben eine zeitweilige Vereinnahmung durch ihren Bruder, gegen die sie sich wehrt. Deshalb ist sie klarer als ihr Bruder.

Die Larmoyanz von Patrice hat mich anfangs sehr genervt. Die Lebenshaltung aller Familienmitglieder ist eng und unfrei, über lange Strecke zu Beginn des Romans liest man nur vergangene und gegenwärtige Zustandsbeschreibungen dieser Enge, so daß ich die Lektüre schon fast abbrechen wollte. Ich bin jedoch froh, durchgehalten zu haben, denn je weiter man in die Texte hineinfindet, desto mehr nimmt das Buch den Leser gefangen.

Fazit: Am Ende gewinnt man für alle Figuren tiefes Verständnis, so daß die tragischen Ereignisse des Romans pshychologisch alle schlüssig nachvollziehbar sind. Mercier ist zweifellos ein kunstvoller Virtuose des Wortes, aber an die tiefsten Seelenschichten beim Leser kommt er nicht heran. Deshalb ist die hinterlassene Spur des Romans trotz der Einsichten, wie es zu so vielen Tabubrüchen in einer Familie kommen kann, nur eine schwache. Ich bewundere das Kunstvolle, aber bleibe trotzdem unerfüllt.


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Langsam, poetisch erzählt und dennoch fesselnd...

ist diese Geschichte, die uns Pascal Mercier hier erzählt. Da ich "Nachtzug nach Lissabon" noch nicht gelesen habe, kann ich hierzu keine Vergleiche anstellen.

Erzählt wird eine tragische Familiengeschichte aus Sicht der Familienmitglieder. Zunächst schildern die beiden Zwillingsgeschwister, die zueinander eine ganz besondere fast inzestöse Beziehung entwickelt haben, die Geschichte der Familie und versuchen dabei, ihre eigene Vergangenheit nachzuspüren. Dabei wollen sie insbesondere herausfinden, warum ihr Vater einen berühmten Opernsänger während der Aufführung der Oper Tosca erschossen hat. Das Hauptthema hierbei ist die Erfolglosigkeit des Vaters als Opernkomponist. Insofern enthält der Roman kriminalistische Züge.

Sprachlich ist der Roman auf sehr hohem Niveau, jeder Satz ist wohlüberlegt. Die Geschichte wird leise erzählt ohne Krawall, dennoch spürt man eine stetige Spannung und das Buch hat kaum unnötige Längen.

Lediglich der Schluss wirkt auf mich etwas unrealistisch und daher gibt es von mir nur 4 statt 5 Sterne. Ein echtes offenes Ende hätte mir hier besser gefallen und hätte besser zur Geschichte gepasst.


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Es stimmt einfach alles!

Spannend bis zum Schluss, brillante Sprache, eine Fülle von hochsensiblen Familiengeheimnissen, die dem Leser wie ein zartes Knäuel
Seite um Seite mit neuen Überraschungen entwirrt werden, ohne dass man den roten Faden verliert.
Obwohl ich auch *Nachtzug nach Lissabon* und *Perlmanns Schweigen* absolut empfehlenswert finde, ist *Der Klavierstimmer* mein absoluter Favorit von Pascal Mercier.
Und ganz nebenbei wird man entführt u.a. in die Welt der Oper, des Balletts, der Rhetorik..., sogar Französisch und Spanisch wechseln sich ab, jeder Satz wird kunstvoll trotzdem in seiner Bedeutung entschlüsselt.... Hier ist wirklich ein Meister am Werk!
Für mich ist Mercier DER deutschsprachige Romancier der letzten 30 Jahre.
Hut ab!


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Gute Lektüre, aber zu konstruiert

Ja, dieser Roman ist wunderschön geschrieben - poetisch, sich entwickelnd, mit reicher Sprache. Sprachlich hebt sich dieser Roman deutlich ab von dem, was standardmäßig zur heutigen Literatursprache geworden ist. 5 Sterne für die Sprache!

Ja, dieser Roman ist auch ein wunderbares Leseerlebnis - spannend und fesselnd, schnell gelesen, abwechslungsreich. Ich habe den Roman im Urlaub innerhalb weniger Tage gelesen, ohne mich auch nur ein bisschen zu langweilen; im Gegenteil: das Buch hat mich gefesselt, ich habe es geradezu verschlungen. 5 Sterne für Unterhaltung!

Ja, dieser Roman liefert ein interessantes und vielschichtiges Familienportrait ebenso wie das Portrait eines Künstlers.
ABER: Gerade dieses Familienportrait ist so dermaßen konstruiert, dass es selbst einen ARD-Fernsehfilm übertrumpfen kann! Alles, was irgendwie in einer verqueren Familie möglich ist, wurde in ein Buch gepackt... und damit ist vieles auch so vorhersehbar... Man wartet nur darauf, dass man es endlich schwarz auf weiß lesen kann. Ich habe mich nahezu kapitelweise über diese fürchterliche Konstruktion aufgeregt! Das Buch ist einfach zu unwirklich, zu wenig nachfühlbar, zu wenig auf das wahre Leben eines Künstlers übertragbar! Auch sind mir in diesem Buch einfach alle Charaktere ein wenig zu besonders und abgehoben! Warum kann nicht ein Mensch in dieser Familie "normal" sein? Wie gesagt: Das ist der Stoff, aus dem Fernsehfilme gestrickt sind.
Das war mir einfach zu billig ;-): Deshalb insgesamt nur 3 Punkte!


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Poetischer Roman

Es ist einmal mehr die gewaltige Sprachgewandtheit des Autors, die den Roman zu etwas ganz besonderem macht. Mich hat das Buch sehr beeindruckt, ich konnte es aber nicht in einem Zuge durchlesen. Wie schon bei "Nachtzug nach Lissabon" habe ich die Lektüre mehrmals aus der Hand gelegt, um darüber nachzudenken.

Vielleicht wäre es sinnvoll, zuerst die Erzählung "Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist zu lesen, um die zahlreichen Passagen im Buch dazu besser zu verstehen.

Das letzte Kapitel zum "Abschied" war für mich nicht besonders stimmig zu den übrigen Kapiteln: zu schnell, zu kurz, zu unglaubwürdig. Es passt irgendwie nicht.

Trotzdem ein sehr lesenswertes Buch mit vielen wunderschönen Gedanken.




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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7



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