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  Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise | Richard David Precht
 
 
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Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise
Richard David Precht

Goldmann HC, 2007 - 397 Seiten

Kundenbewertung:(60 Bewertungen)
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Gelungen

Ich hätte mich beinahe vom Klappentext davon abhalten lassen, dieses Buch zu kaufen.
"Wenn Sie dieses Buch lesen, haben Sie den ersten Weg zum Glück schon getan". Was für ein Quatsch.
Na ja, Elke Heidenreich, die zu allem Geschriebenen ihren Senf geben muss und meint, dem unmündigen Leser, dem kein eigenes Urteil zuzutrauen ist, diese Arbeit abnehmen zu müssen.
Wenn man aber den Klappentext hinter sich gelassen hat, wird man gefesselt von diesem etwas anderen Philosophiebuch. In drei Kapiteln nähert sich Richard David Precht den Beantwortungen auf die Fragen "Was kann ich wissen?", "Was soll ich tun?" und "Was darf ich hoffen?" und wählt hier einen nicht nur philosophischen Zugang, sondern bindet immer auch die Hirnforschung ein. Dabei gelingen ihm die ersten beiden Kapitel besonders gut, das dritte weniger.
Natürlich ist das Buch nicht für fortgeschrittene Studierende gedacht, da die Themenkomplexe nicht vertieft werden können. Um Interesse an der Philosophie zu wecken, aber genau das Richtige, da ein Zugang zu Philosophie und Hirnforschung geboten wird, der kein Vorwissen voraussetzt.


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Grosse Fragen kompetent und unterhaltsam beantwortet

Der deutsche Philosoph Dr. Richard David Precht hat mit Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? einen Dauerbrenner in den Sachbuch-Charts gelandet, und das völlig zu recht! Die 282-minütige Hörbuchfassung auf 4 CD's glänzt mit dem hervorragenden Sprecher Bodo Primus und der guten Sprecherin Caroline Mart. Die Verpackung ist nicht besonders geglückt, die CD's werden in die Hülle geschoben und können so schnell zerkratzen. Bodo Primus ist definitiv ein Grund sich für die Hörbuchversion zu entscheiden, allerdings ist dies absolut keine Hintergrundberieselung fürs Autofahren. Manches ist so interessant, dass ich es gerne nochmal nachgelesen hätte, dank hilfreicher Kapitelbeschreibungen finden sich aber alle Passagen sehr schnell. Das Zitat von Denis Scheck ist sehr treffend, das von Elke Heidenreich hingegen klingt so als wäre dieses Buch ein platter Selbsthilferatgeber.
Precht behandelt in seinem Buch besonders populäre philosophische Fragen. Mithilfe neuester Ergebnisse aus der Hirnforschung und Psychologie beleuchtet der Autor die grossen Themen des Lebens, etwa: Was ist der Sinn des Lebens? Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse? Ist es moralisch vertretbar Tiere zu essen? Brauchen wir andere Menschen?
Anders als etwa Sophies Welt ist Prechts Buch kein Kinderbuch, es ist weniger verspielt (vom Douglas Adams 42 mal abgesehen). Dank Caroline Mart und Bodo Primus ist es jederzeit spannend, gut nachvollziehbar und unterhaltsam Prechts Ausführungen zu folgen. Die etwas schwermütige Musik zwischen den Kapiteln hätte von mir aus durch etwas fröhlichere ersetzt werden können, aber sie erfüllt ihren Zweck und bereitet die Hörer auf das kommende vor.
Wer bin ich und wenn ja wie viele ist nur eine Einführung in die Philosophie, nur ein Bruchteil bemerkenswerter Denker wird in diesem Buch vorgestellt.

Der besondere Verdienst von Precht ist es Neugier zu wecken und Lust auf mehr Wissen zu wecken. Die Geschichte mit dem Mann auf dem Zug hat mir so gut gefallen, dass ich sie bereits zahlreichen Freunden und Bekannten erzählt habe. Für grosse Diskussionen sorgten diejenigen, die sich anschliessend wie unmoralische Psychopathen fühlten und ihre Antworten relativierten. Darf ich einen Menschen opfern, um fünf Menschen zu retten? Und würde ich selbst Schuld auf mich laden? Das ist nur ein Beispiel für die interessanten Fragen dieses Buches.





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"This above all, to thine own self be true" (Shakespeare / Hamlet 1, 3)

Was kann ich wissen? Von der Wahrheit zum Gefühl.
Was soll ich tun? Ich kann, weil ich will, was ich muss.
Was darf ich hoffen? Liegt der Sinn in Liebe und Freiheit in Gott.

So lesen wir die Kapitel in einem interessanten Buch, welches eine Brücke schlägt von der Psychologie über die Biologie / Medizin zur Philosophie. Ein assoziatives Lesepiel, welches als letzte Frage, die Authentizität des Menschen trifft. Wie bleibt man sich treu in den Phasen des Lebens, die allein aus biologischer Notwendigkeit einer Neuorientierung bedürfen. Die Adoleszenz als größte Identitätskrise ist jedem bekannt, die aber nicht die letzte bleiben wird. Wie häufig wird das Selbstbild überprüft, neu gestaltet und ausgerichtet. Falsches und Ungereimtes wird korrigiert, als soziales Wesen überprüft man den Einfluss der Umwelt auf sich.

Und genau darum muss die Frage: Wer bin ich? um die Ausprägung der Anzahl: Wieviele Ichs trage ich mit mir herum? in dieser vor Virtualität strotzenden Welt erweitert werden. Die Überzeugung gegenüber dem Leben hochzuhalten, gelang nur Sokrates und Jesus; Luther stand, weil er nicht anders konnte in seinem So-Sein und die Existentialisten gaben den Interessierten ein Konzept mit Mut zur Selbsteintscheidung, wie es Kant bereits 200 Jahre zuvor forderte. Doch in dieser modernen Welt ist die Polonius-Kunst gefragt. Worin unterscheidet sich das Innere vom Äußeren, mein Selbstbild vom Fremdbild, mein Ich vom gespielten Ich. "To thine own self be true", gab Polonius seinem Sohn Laertes auf den Weg. Inwieweit erfordert die Welt ein zweites Ich, welche Möglichen offeriert diese Welt zur Vorstellungskunst, gar Verstellungskunst wenn man die Leben in Second life, YouTube oder bei Speed Datings sieht. Oder was bietet die moderne Schönheitschirugie für Ent-Faltungsmöglichkeiten. Hier zeigt sich der Push von außen, aus dem scheinbar gefangenen Ich auszubrechen in die Möglichkeiten fern ab der eigenen Realität. Und doch liegt Authentizität in einem selbst, in der Kongruenz von Innen und Außen, von Sein und Schein. So nur verzichtet man darauf, sein eigener Avatar zu sein und erkennt die Grenze zwischen Simulation des Vielen und der Realität der eigenen Person, dem Ich, dem einzigen. Und dieses einzige Ich wird dann deutlich und klar, wenn es ans Eingemachte geht, wenn man nicht mehr mediasiert ist, sondern eben authentisch.

Precht ist eine Reise durch die Wissenschaften gelungen, spritzig, passend, aktuell und interdisziplinär. Grenzen niederreißend, wenn man so will, als wenn man die Ichs in einem Ich vereint. Und diese Reise mit Fragen und Wissensdurst, mit Gefühl und Denken, mit Liebe und Leben mündet eben in einem selbst. Und so ist Precht nach seinem alten Buchtitel zu sehen: Lenin kam nur bis Lüdenscheid und hier gilt: Precht kam nur bis zum Leser. Aber: Des Lesers Ich ist Ziel dessen eigener Reise.


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Unterhaltsame Fahrt durch philosophisches Gelände

Von einem Journalisten geschrieben, leidet das Buch nicht an der sonst verbreiteteten Trockenheit, ohne dabei allzu oberflächlich zu sein. Meist steigt Precht mit einer biographischen Anekdote des betreffenden Philosophen in das nächste Kapitel ein. Dabei spart er auch nicht mit deutlichen Worten zu all den verschrobenen Charakteren, die uns die bekanntesten Werke der Philosophie hinterlassen haben. (Man fragt sich unweigerlich, ob man eine gute Prise Größenwahnsinn besitzen muss, um ein angesehener Philosoph werden zu können. Einzig John Rawls scheint hier eine Ausnahme zu sein.)

Für einen gelernten Philsophen ist die Tour durchaus angenehm, nicht zu tiefgründig verwinkelt, und doch mit interessanten Blickwinkeln. Precht ist dabei fair und stellt unterschiedlichen Meinungen und Argumente klar da und gegeneinander. Seine eigene Meinung stellt er nicht missionarisch in den Vordergrung.
Für den philosophischen Laien stelle ich mir die Lektüre schon etwas schwieriger vor. Ihm wird das Hintergrundwissen fehlen, um die von Precht vorgebrachten Argumente einordnen zu können. Für so viele Themen ist das Buch dann doch zu knapp. Immerhin gibt es eine leichte Konzentration auf Themen mit einer Schnittstelle zur Hirnforschung, so dass man hier ein klein wenig Vertiefung erreichen kann.

Insgesamt ein sehr schönes, gut informiertes Werk, sorgsam geschrieben in einem gut lesbaren Stil. Sehr zu empfehlen. Vielleicht eine Stufe anspruchsvoller als Sophies Welt.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10



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