Deswegen gibt es die Super Nanny. Katharina Saalfrank, dreifache Mutter und Erziehungsexpertin, zeigt, wie man als Mutter oder Vater die notwendige Stärke und Standfestigkeit bekommt, um den Nachwuchs auf den richtigen Weg zu bringen. Ein Erziehungsratgeber für Eltern also, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn hier geht es wirklich darum, was ich als Vater oder Mutter besser machen kann, damit es harmonisch bleibt in der Familie. Und nicht darum, wie meine Kinder besser funktionieren, damit ich meine Ruhe habe.
Entsprechend geben die Kapitel viele Anregungen zur ehrlichen Reflexion und Auseinandersetzung mit sich selbst. Was sind eigentlich unsere Aufgaben als Eltern? Was braucht mein Kind von mir und was kann ich ihm geben? Was ist überhaupt eine gute Mutter oder ein guter Vater? Fragen, über die es sich durchaus lohnt, nachzudenken. Der gesunde Menschenverstand gibt einem die Antwort ? oder eben Frau Saalfrank.
Es wird aber auch praktisch in dem Buch. Und hier sind wir dann an dem Punkt, an dem dann alles funktioniert. Den Alltag organisieren, lautet die Zauberformel, vom morgendlichen Anziehen bis zum Einschlafritual. Für Eltern, die tagtäglich im Familienchaos versinken, sicherlich eine wertvolle Hilfe.
Wenn es denn schon so ist, dass es tatsächlich Ratgeber braucht, um mit Kindern zu leben, dann hat Katharina Saalfrank die wirklich wesentlichen Punkte zusammengefasst und formuliert. Müttern und Vätern mit einer gesunden Einstellung zu ihren Kindern und zu sich selbst wird das Buch nicht viel Neues sagen. Wer sich dagegen gerne mal rückversichert in Erziehungsfragen, trifft mit Die Super Nanny bestimmt keine schlechte Wahl. --Sandra-Kathrin Buck
Der Nachwuchs der Klientel, aus denen sich Frau Saalfranks dargestellte Fälle rekrutieren, kriegt Kinder- und Jugendpsychologen meist nicht zu Gesicht, da es Eltern aus diesen sozialen Schichten oft fernliegt, sich professionelle Hilfe zu suchen. All die kleinen Celines, Kevins und Keira-Janes, die es am meisten nötig hätten, werden ohne so eine Hilfe groß werden müssen.
Sollte man der "Supernanny" deshalb für die gleichnamige Sendung gar dankbar sein, da sie ebenjene damit wenigstens einmal erreicht? Vielleicht. Nach meinem Erachten dient die Sendung zuallererst der voyeuristischen Befriedigung der Zuschauer an den Problemen Dritter - Saalfranks dargestellte Methoden sind im Großen und Ganzen zwar durchaus adequat, doch wage ich zu bezweifeln, daß ein tatsächliches Umlernen von Eltern und Kindern durch zwei Besuche bewerkstelligt werden kann und dauerhaft ist.
Wenn sich aber mit ähnlichen Problemen konfrontierte Zuschauer der Sendung, nicht zuletzt die aus den "bildungsfernen Schichten", dadurch zum Nachdenken angeregt sehen und sich nun das vorliegende Buch kaufen, dann ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung getan. Denn in Anbetracht dieser Zielgruppe ist das Buch ein guter Leitfaden, auch wenn es anderen Lesern nur Offensichtlichkeiten und einen kurzen Überblick bieten mag: Familie braucht Organisation, Kinder brauchen Regeln, Strukturen und Liebe.
Saalfrank, mit Koautorin Eva Blank, kleidet dies in die Aufforderung zur Introspektion an die Eltern, die ihre eigene Kindheit einmal Revue passieren lassen sollen, und eine Reihe von Ratschlägen, die stellenweise zu oberflächlich, dafür aber prägnant formuliert sind. An den entscheidenden Punkten ist sie sich nicht zu schade, die Grenzen ihres eigenen Ratgebers bei diffizilen Problemen anzuerkennen und, was manch anderem Autor zu diesem Thema abgeht, auf professionelle Hilfe zu verweisen.
Alles in allem ein nett geschriebener kleiner Ratgeber. Nicht tiefschürfend, aber immer noch besser, als wenn sich Eltern mit der Problematik gar nicht auseinandersetzen oder das Interesse an umfassenderen Werken schnell verlieren.
Ich würde mir nur wünschen, daß die "Supernanny" auch in ihrer Sendung einmal ihre eigenen Grenzen anerkennt, Eltern weiterverweist und nicht jede Sendung mit einem Ende gut, alles gut beschlossen wird.