Das Bild der Hure in der Öffentlichkeit meint normalerweise eine Frau ohne berufliche Ausbildung, der nur dieser Weg zum Broterwerb bleibt. Andere werden das Buch als Fiktion ansehen, denn eine Universitätsdozentin wird sich kaum in dieser Welt verirren. Wieder andere Leser werden sagen, dass dies eben typisch Amerika sei - in Deutschland werde dies kaum vorkommen.
Was ist an diesem Buch dran?
In der Hierarchie des Sexgewerbes stehen die Callgirls an oberster Stelle. Es sind die Damen, die nicht (nur) wegen schnellem Sex aufgesucht werden, es sind Frauen, die auch zur Begleitung - im eigentlichen Sinne des Begriffs - gebeten werden; gerade wegen ihrer sehr guten Bildung.
Damit ist Jeannette Angell bereits eine gar nicht so seltene Vertreterin dieser obersten Klasse der Prostituierten. In ihrem Buch beschreibt sie sehr spannend, wie und warum sie diese fremde Welt betreten und sich immer mehr in ihr verloren hat. Ein Leben zwischen der Angst vor Entdeckung und dem "dunklen" Zauber dieser geheimen Welt. Ein Leben zwischen dem hochgeachteten Beruf der Universitätsmitarbeiterin und dem Leben als Prostituierter. Dies, und die Erfahrungen, Ängste und Eindrücke beim Übergang von einer Welt in die andere.
Das Buch ist sehr gut geschrieben und fesselt den Leser bis zur letzten Seite. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich es gelesen habe.