Mein Leben bei al-Qaida: Die Geschichte eines Spions | Omar Nasiri
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Mein Leben bei al-Qaida: Die Geschichte eines Spions
Omar Nasiri
Goldmann TB
, 2007 - 541 Seiten
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Die Geschichte eines Spions??
Omar Nasiri ist das Pseudonym für einen tatsächlich existenten, mittlerweile ausgestiegenen, Spion, der sich in die Strukturen der Al-Kaida einschlsuesn konnte. So liest man. Der Plot: Armes Marokkanerkind, im Westen aufgwechsen und sozialisiert, gerät durch familiäre Bande in Fundamentalistenkreise, wird immer tiefer in den Bürgerkrieg der Algerier in den Neunzigern verstrickt. Um seine Haut zu retten, läuft er zu den Franzosen über, die ihn nach Istanbul schicken, mit dem Auftrag sich in die Al-Kaida einzuschleusen. Gesagt, getan, ohne viel Aufwand gelingt es ihm, sofort in ein Ausbildungslager nach Afghanistan zu kommen, von dort nach mahr als einem Jahr zurück nach London, wo er als Doppelagent Fundamentalisten ausforscht und -horcht. Immer unter der Kontrolle der westlichen Geheimdienste, versteht sich, die sich der Reihe nach als inkompetent erweisen. Frustriert steigt Omar aus und lebt fortan in Deutschland unter neuer Existenz. Und wenn er nicht gestorben ist,---
Aus der Sicht des Autors sind alle Fundamentalisten irrgeleitet, alle West-Geheimdienste Ignoranten. Gleichwohl fühlt er sich westlichen Werten verbunden - behauptet er wenig überzeugend.
Der Autor schreibt naturgemäß mit Ghost-Writer-Unterstützung, aber nicht einmal dadurch gelingt es, der Handlung das artfizielle zu nehmen: Spannend wohl, wurde ich den Eindruck nicht los, dass hier jemand fabuliert und nicht Tatsachen berichtet. Mit etwas Phantasie, zeitgeschichtlichem Interesse und Einsicht sowie Geographiekenntnissen würde wahrscheinlich somancher einen ähnlichen Handlungsstrang zusammenreimen können. Dies wird vor allem durch das wenig realistische Persönlichkeitsbild des Protagonisten unterstützt. Es gelingt in keiner Phase des Lesens eine wirkliche Identifikation. So gesehen eher enttäuschend für ein Buch der SPIEGEL-Reihe, eher ein durchschnittlicher Reisser zu einem aktuellen Thema.
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Die Geschichte eines Dschihadisten
Gleich vorweg, es ist nicht klar ob Omar Nasiris Biografie auch der Realität entspricht, der Name ist ein Pseudonym und das Buch selbst ist wohl eindeutig von einem Ghostwriter für den wahren Omar Nasiri geschrieben worden, wenn das alles wahr ist und die
Geschichte
nicht von einem sehr gut informierten namenlosen Autor geschaffen wurde, der damit jedoch einen Thriller vorgelegt hätte, der in vielerlei Hinsicht etwas unglaubwürdig wäre, doch das
Leben
schreibt bekanntlich die unglaublichsten Geschichten, so vielleicht auch die des realen Omar Nasiri.
Von seiner Kindheit als Immigrantenkind in Belgien, dessen Träume schon bald vom Schicksal zerstört wurden, woraufhin er bei seiner Rückkehr nach Marrokko schon bald feststellen musste dass ihm auch die einstige Heimat fremd geworden ist, genauso wie die Familie, welche von einer Scheidung und dem Tod seines jüngeren Bruders zerrissen wurde. Nach einer kurzen Episode als zwielichtiger Straßenhändler war es sein radikalisierter Bruder, der ihn zurück nach Belgien holte und in seinen erlesenen Freundeskreis von Unterstützern der marokkanischen Dschihadisten einführte und das ist für Omar der Beginn einer verhängnisvollen Karriere, bei der er zunächst als Waffenschieber und Spion des französischen Geheimdienstes tätig wird, bis er auf eigene Faust aufbricht, um eines der Trainingslager der international agierenden Islamisten zu infiltrieren. Bis nach London und schlussendlich Deutschland verschlägt es ihn auf seiner Odysee...
Mein Leben bei al-Quaida bietet zwei Betrachtungsmöglichkeiten, die eine als Roman, die andere als Biografie, je nachdem ob man die Geschichte für wahr hält oder nicht. So oder so, sie zeugt von einem sicheren Hintergrundwissen des Autors und ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise des internationalen Islamismus, dessen gefährlichste Prediger oft nicht lautesten sind. Problematisch in Hinsicht auf die Unvereinbarkeit von Fakt mit Fiktion sind jedoch die Motive Omars und teilweise wie an den Haaren herbeigezogen wirkende Handlungswendungen. Interessant sind die Innenansichten eines Mujahedin allemal, auch wenn die religiöse Komponente im Vergleich John Updikes fiktiven Thriller Terrorist vernachlässigt wird und das gerade bei einem Protagonisten der tatsächlich ein Ausbildungscamp für angehende Terroristen betreten hat.
Der Realitätsgehalt mag schwer nachzuprüfen sein, denn dazu bräuchte es schon einen waschechten Enthüllungsjournalisten, aber da es kein amerikanisches Buch ist und Amerikaner darin nicht einmal Nebenrollen vorkommen wird sich wohl auch nie ein US-Reporter daran wagen uns "die Wahrheit über Mein Leben bei al-Quaida" mitzuteilen. Somit könnte Omar Nasiri trotz aller Missverständnisse tatsächlich der erfolgreichste Spion der Gegenwart sein. So kontrovers das Buch auch ist, so lesenswert ist es, unter anderem auch weil nirgendwo sonst eine derart fantastische Geschichte geboten, deren Unglaublichkeit womöglich nur das Leben selbst geschrieben haben kann. Wäre es allerdings ein Roman müsste man auf schriftstellerische Schwächen und Mängel verweisen, die neben unglaubwürdigen Handlungswendungen und Charakteren auch den Spannungsbogen betreffen würden, der stellenweise in sich zusammenbricht und zugunsten eines möglichst großen Realismus auf Hochspannung und körperliche Auseinandersetzungen verzichtet.
Fazit:
Eine faszinierende Lebensgeschichte, die den Leser jedoch mit widersprüchlichen Gefühlen zurücklässt, denn einerseits wirkt die Handlung um einige Nuancen zu unwahrscheinlich, während sie andererseits schon wieder unglaublich spannend ist.
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Warum so Undetailliert?
Dieses Buch beschreibt auf eine Art und Weise, die ich mir irgendwie nicht ganz erklären kann, einerseits beschreibt Herr Omar Nasiri ziemlich detailliert, wie die einzelnen Schauplätze ( Ausbildungslager, Geheimdienste) mit den einzelnen Personen zusammenhängen, andererseits werden die Schauplätze selber sehr schnell und wenig detalliert erklärt, wie zB. die Trainingsabläufe, seine körperlicher Werdegang usw etc.
Auch der Stil in dem das Buch verfasst ist, ist fast schon ein bißchen zu langweilig geschrieben, selbst für ein Buch das auf wahren Begebenheiten beruht.
Was ich auch noch kritisieren will, ist die Haltung des Autors, da er zwar eindeutig seinen Standpunkt klarmacht, das er gegen "Gewalt" ist, aber auch in seinen letzten Seiten massiv alle Westländer unter einem Kamm scherrt, ohne irgendwelche Unterscheidungen zu machen. Eigentlich genau das Vorgehen, dass solche Schmelztiegel erst zustandkommen läßt, wenn man nicht das Individium, sondern nur einen einzigen Hasspunkt sieht.
Gerade wenn man so ein Buch schreibt, und auch noch betont, das der Islam verschiedene Glaubens- und Ideologierichtungen hat, und das nicht alle Islamisten gleich sind, sollte man doch auch erwarten können, das ein Mann, der sich damit auseinander gesetzt hat, das gleiche eigentlich auch über die westlichen Länder in Erwägung ziehen müßte...
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