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  Gegen den 'großen Krieg'? | Friedrich Kießling
 
 
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Gegen den 'großen Krieg'?
Friedrich Kießling

Oldenbourg, 2002 - 359 Seiten

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Entspannung und der Krieg

Es erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, die drei Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges als eine Phase der Entspannung in den internationalen Beziehungen zu beschreiben und auch der Widerspruch zu Fritz Fischer, der in "Krieg der Illusionen" für das Deutsche Reich grade in dieser Zeitspanne einen konsequenten Weg in den Krieg nachzeichnet, könnte kaum größer sein. Und doch, das Buch stellt einen wichtigen Schritt dar in der Erforschung der Vorkriegszeit und eröffnet den Blick auf ein Charakteristikum der Zeit, das nicht nur Fritz Fischer übersehn hat. Denn mitnichten wartete die Welt darauf, in den großen Krieg zu ziehen. Stattdessen bemühte man sich grade in den letzten Jahren eben einen solchen zu vermeiden. Kießling gelingt es nicht nur, die Entspannungsbemühungen der Vorkriegszeit gekonnt zu zeichnen, er beschreibt auch überzeugend die Probleme, die aus der Entspannung entstehen: Das Mißtrauen im eigenen Lager steigt und man ist gezwungen, deutliche Loyalitätsbekundungen abzusenden, die wiederum die Entspannung gefährden. So kommt Kießling zu dem insgesamt überzeugenden Schluß, daß letztlich die Entspannung das internationale Staatensystem destabilisiert hat.
Leider begründet Kießling diese These ausschließlich diplomatiegeschichtlich. Dies soll ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden, stellt die Diplomatiegeschichte doch einen wichtigen Beitrag zur Erklärung der internationalen Beziehungen dar. Doch sind die starken innenpolitischen Momente, die zur Entspannung gedrängt haben zu wenig beachtet worden. Gerade in England bestanden starke Bestrebungen im Parlament, die auf den deutsch-englischen Ausgleich drängten, um nicht dem zaristischen Rußland ausgeliefert zu sein. Auch die Gegner der Entspannung kommen insgesamt zu kurz. Hier bleibt für die Kollegen Kießlings noch einiges nachzuliefern.

Dennoch bleibt als Fazit stehen, daß es Kießling in seiner Dissertation gelungen ist, neues Licht in die Vorkriegszeit zu bringen und die Lektüre dieses Buches wird für jeden Historiker, der sich mit der Zeit beschäftigt, zur angenehmen und anregenden Pflicht werden.


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Entspannung und der Krieg

Es erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, die drei Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges als eine Phase der Entspannung in den internationalen Beziehungen zu beschreiben und auch der Widerspruch zu Fritz Fischer, der in "Krieg der Illusionen" für das Deutsche Reich grade in dieser Zeitspanne einen konsequenten Weg in den Krieg nachzeichnet, könnte kaum größer sein. Und doch, das Buch stellt einen wichtigen Schritt dar in der Erforschung der Vorkriegszeit und eröffnet den Blick auf ein Charakteristikum der Zeit, das nicht nur Fritz Fischer übersehn hat. Denn mitnichten wartete die Welt darauf, in den großen Krieg zu ziehen. Stattdessen bemühte man sich grade in den letzten Jahren eben einen solchen zu vermeiden. Kießling gelingt es nicht nur, die Entspannungsbemühungen der Vorkriegszeit gekonnt zu zeichnen, er beschreibt auch überzeugend die Probleme, die aus der Entspannung entstehen: Das Mißtrauen im eigenen Lager steigt und man ist gezwungen, deutliche Loyalitätsbekundungen abzusenden, die wiederum die Entspannung gefährden. So kommt Kießling zu dem insgesamt überzeugenden Schluß, daß letztlich die Entspannung das internationale Staatensystem destabilisiert hat.
Leider begründet Kießling diese These ausschließlich diplomatiegeschichtlich. Dies soll ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden, stellt die Diplomatiegeschichte doch einen wichtigen Beitrag zur Erklärung der internationalen Beziehungen dar. Doch sind die starken innenpolitischen Momente, die zur Entspannung gedrängt haben zu wenig beachtet worden. Gerade in England bestanden starke Bestrebungen im Parlament, die auf den deutsch-englischen Ausgleich drängten, um nicht dem zaristischen Rußland ausgeliefert zu sein. Auch die Gegner der Entspannung kommen insgesamt zu kurz. Hier bleibt für die Kollegen Kießlings noch einiges nachzuliefern.

Dennoch bleibt als Fazit stehen, daß es Kießling in seiner Dissertation gelungen ist, neues Licht in die Vorkriegszeit zu bringen und die Lektüre dieses Buches wird für jeden Historiker, der sich mit der Zeit beschäftigt, zur angenehmen und anregenden Pflicht werden.


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