Der Zufall hatte den 1913 geborenen Peter Ade nach dem Krieg an seine spätere Wirkungsstätte geführt. Im Haus der Deutschen Kunst war er als Dolmetscher für das hier residierende amerikanische Oberkommando tätig. Im Sommer 1946 beschwor ihn der Kunstmaler C. O. Müller, nachdem er von Ades Arbeitsstätte erfuhr, das Haus baldmöglichst wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen und all den "Entarteten" in einer Ausstellung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ade, immer schon ein Machertyp, roch seine Chance. Es war der Beginn eines beispiellosen Lebens für die Kunst.
"Wenn Ade seine Memoiren zu Papier brächte", schrieb die Süddeutsche Zeitung, "wäre dies gewiss eine spannende Lektüre". Nicht nötig. Die hier geschilderten Künstlerbegegnungen und Feilschereien mit Kunstsammlern und Museen aus aller Welt sind ein einziger launiger Abenteuertrip ins Reich der Künste. Bestand Ades erste Amtshandlung in den Münchner Räumen noch in der bescheidenen Zurschaustellung einer riesigen Modelleisenbahn eines Stuttgarter Arztes (ein Mordserfolg übrigens), so organisierte er bald in großem Stile auf internationaler Ebene Ausstellungen, die Epoche machten. Persönlicher Höhepunkt dürfte seine Picasso-Ausstellung 1955 gewesen sein (die Schilderung, in der er das pelzbemützte Genie im völlig überheizten Atelier zur Herausgabe seines weltberühmten Guernica-Gemäldes überredete, ist eine Kabarettnummer für sich).
Edvard Munch 1954, Toulouse-Lautrec 1961, Chagall 1978, unmöglich, die Ausstellungshitliste dieses Kunstbesessenen hier vollständig wiederzugeben. Sein unerschöpflicher Anekdotenschatz jedoch und die unzähligen Künstlerschicksale, denen Peter Ade in seiner 37-jährigen Direktionszeit begegnete sind es, die diesen Mann zu einem Lordsiegelbewahrer der Kunst machen. --Ravi Unger