Vor diesem Hintergrund baut Cay Rademacher, studierter Historiker und praktizierender Wissenschaftsjournalist des Jahrgangs 1965 eine Geschichte auf, die nicht spannender sein könnte.
Zwei Antihelden - ein drei Zentner schwerer, schwerreicher, hariboverliebter und schwuler deutscher Graf und ein joggender und zunächst erotisch gehemmter Epileptiker ebenfalls aus Deutschland, gelangen durch einen Zufall an Strandgut der Estonia. Von nun an beginnen die Beiden auf eigene Faust zu recherchieren.
Im Verlaufe der Geschichte kommen ein schwindsüchtiger, rauchender Stockholmer Schiffsexperte, eine filigrane junge Tänzerin aus Estland, ein Bergungstaucher a.D. aus Schweden mit seiner afrikanischen Frau. dazu. Eine gelungene Personenmischung, wovon jede Person mit weinigen Sätzen anschaulich dargestellt wird. Durch die Darstellungsweise erhalten alle Personen ein Eigenleben. Weiterhin wird ein genaues Erscheinungsbild und eine genaue Atmosphäre der Handlungsorte geliefert, speziell Tallinn und Stockholm kann so nur beschreiben, wer sich dort umgesehen hat.
Wenn der Leser die letzten Seiten des Buches erreicht, fragt er sich wie es wohl enden wird! Der Autor klärt erst Alles auf der letzten Seite mit einem grandiosen Schluss auf.
Auch wenn es Cay Rademacher nicht gelingt alle Fragen, die sich um den Untergang der Estonia drehen zu klären, gibt er aber dennoch auf fast alle offenen Fragen mögliche Antworten. Er lässt dem Leser viel Freiheit, und dieser empfindet das keineswegs als Zumutung.
Dennoch sei am Ende bemerkt das der Autor auch seine schriftstellerischer Freiheit nutzt, zweifellos handelt es sich bei dem Buch nicht um einem Tatsachenbericht, auch wenn die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit teilweise nicht mehr erkennbar sind. Eine weitgehend erfundene Geschichte die gespickt ist mit tatsächlich vorgefallenen Fakten. Diese Mischung ist so gut, dass es sich immerhin so entwickelt haben könnte.
Diese Buch ist ein Muss für Alle, die sich für das interessieren, was am Meersboden der Ostsee liegt. Vor allem da der Untergang der Estonia bis heute noch nicht eindeutig geklärt werden konnte. Der Autor trifft den Kern der Sache:
"Wenn man sich intensiv mit dem Untergang der Estonia befasst, dann fallen einem Ungereimtheiten auf, seltsame blinde Flecken auf einem ansonsten scharfen Foto."