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Schimmelpilze und Bakterien in Gebäuden: Erkennen und Beurteilen von Symptomen und Ursachen
Gunter Hankammer, Wolfgang Lorenz

Verlagsges. Müller, 2007 - 457 Seiten

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Schimmelpilze und Bakterien in Gebäuden. Erkennen und Beurteilen von Symptomen und Ursachen by Gunter Hankammer

Ein Buch für Biologen und Hausbesitzer

Der Autor Gunter Hankammer ist kein Biologe oder Biochemiker, er ist nicht einmal Mediziner. Er war Maurergeselle und hat über den zweiten Bildungsweg den Bauingenieur gemacht. Dennoch schreibt er über ein biologisch-/medizinisches Thema. Als Leser erhofft er sich Sachverständige, Architekten, Ingenieure und Mediziner. Die Biologen hat er vergessen, dabei können auch Biologen aus dem Buch Gewinn ziehen. So die hausbesitzenden Biologen. Ob Sie es glauben oder nicht: Es gibt Biologen, die soviel verdienen, dass sie ein Haus kaufen oder bauen können. Zu den zahlreichen Sorgen eines Forschers haben sie dann noch die eines Hausbesitzers. Die sind: Wie bezahle ich das Haus? Und: Wie erhalte ich es? Ein Hauschwamm kann das Haus ruinieren, Befall mit Penicillium-Pilzen kann zu Nasennebenhöhlenentzündungen, Kopfschmerzen oder gar Lungenentzündung führen. Das Buch lohnt sich auch für Mikrobiologen, die sich erst ein Haus verdienen wollen. Die könnten ihren Sachverstand in eine Firma einbringen, die Schimmelpilze in Wohnungen aufspürt und beseitigt.

Dies Handwerk hat Zukunft, denn die Klagen über Schimmelpilzbefall von Wohnungen nehmen zu. Vielleicht wegen der neuen luftdichteren Bauweise (isolierverglaste Fenster), vielleicht wegen der zunehmenden Empfindlichkeit der Bewohner. Das Problem ist jedoch uralt. Es wird schon in der Bibel beschrieben (Drittes Buch Mose, Kapitel 14 Vers 33-57). Hankammer ist noch ausführlicher als die Bibel. Auf den ersten 50 Seiten gibt er eine Einleitung in die Mikrobiologie und die ist - für einen Bauingenieur - nicht schlecht. Ich habe von Medizinern üblere Texte gelesen. Gut, es gibt ein paar Lächerlichkeiten, z.B. folgende Definition: Unter Mikroorganismen versteht man im engeren Sinn, Organismen, die sehr klein und deshalb in der Regel nur unter dem Mikroskop sichtbar sind - aber der Lächerlichkeiten sind wenige.

Häufiger stößt man auf Überraschungen. So ist der Raum, der am häufigsten von Schimmel befallen wird, nicht das Bad, sondern das Schlafzimmer. Des weiteren siedeln Schimmelpilze nicht nur auf Holz, Papier (Tapeten) und Mauerwerk, sondern auch auf Kunststoffen, insbesondere solchen, die Weichmacher enthalten. Temperatur oder pH spielen beim Befall eine geringe Rolle. Pilze brauchen Wasser. Die zentrale Größe ist die relative Luftfeuchtigkeit: Bei 100 % relativer Luftfeuchte ist die Luft bei der betreffenden Temperatur mit Wasserdampf gesättigt. Relativ bedeutet: Der Wassergehalt von Luft hängt von der Temperatur ab. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Wenn warme Luft hoher Feuchte in Kontakt mit kalten Bauteilen kommt, z.B. einem Fensterrahmen, kondensiert das Wasser. Der Fachmann nennt das Tauwasserausfall. Mit der Zeit fängt der Rahmen an zu schimmeln.

Von den Ursachen linearer Schimmelrasen

Hankammer listet die Symptome für Schimmelpilzbefall auf und dazu die möglichen Ursachen. Das Symptom "linearer Schimmelrasen an der Außenwand über der Fußleiste" deutet z.B. auf eine waagerechte konstruktive Wärmebrücke im Sockel. "Schimmelpilze im Eck der unteren Fensterbank" dagegen deuten auf Tauwasserausfall: Die relative Luftfeuchtigkeit des Raumes war zu hoch für die Oberflächentemperatur im Eck.

Wie kommt es zu hoher Luftfeuchtigkeit? Nach Hankammer gibt es zwei Hauptursachen: Bauteile, die konstruktionsbedingt feucht werden, und falsches Verhalten der Bewohner. Bruchsteinmauern z.B. können aus dem Erdreich über Kapillaren Wasser ansaugen. Falsches Verhalten wären hohe Wasserdampfproduktion (Baden, Kochen) bei seltener Lüftung und schlechter Heizung.

Auf die Ursachen folgt deren Beseitigung. Lässt man bauliche Fehler aus, läuft die Beseitigung auf das Entfernen der verpilzten Stellen (Tapeten, Putze) oder Desinfektion (Holzoberflächen), Heizen und richtiges Lüften hinaus. Hankammer erklärt, wieso Stoßlüften eines Zimmers, das 22 °C warme Luft von 80- % rel. Luftfeuchtigkeit enthält, mit 5 °C kalter Außenluft von ebenfalls 80 % relativer Luftfeuchtigkeit zu einer trockeneren Raumluft führt: 5 °C kalte Außenluft von 80 % relativer Luftfeuchtie enthält 5,44 g Wasser/m3. Angenommen die Raumluft wurde vollständig ausgetauscht, enthält sie also 5,44 g Wasser/m3. Wieder aufgeheizt auf 22 °C entspricht dies einer relativen Luftfeuchte von 28 %. Stoßlüften im Winter trocknet also auch bei feuchter Außenluft. Ideal sind 20-22 °C Raumtemperatur bei 50 bis 60 % Luftfeuchte, denn bei unter 70 % wächst kein Schimmel.

Ja, nach der Lektüre dieses Buchs verstehen Sie mehr von verschimmelten Häusern als ein durchschnittlicher Sachverständiger und sicher mehr als ein durchschnittlicher Handwerker. Das Lesen allerdings ist ein Problem, denn Hankammer erklärt die zahllosen Fachwörter nicht. Vermutlich weil er sich nicht vorstellen kann, dass jemand nicht weiß, was Ausgleichsfeuchte, Fensterleibung, Kriechkeller, Mauerwerk-aufstandsbereich oder Horizontalsperre bedeuten. Nach einigem Nachdenken kommt man zwar drauf, aber es wäre besser, wenn die nächste Auflage ein Glossar besäße. Der Autor will ja auch Mediziner erreichen und die sind nicht vom Bau. Des weiteren ist der Stil alles andere als elegant. Man findet viel Beamtensprachliches: Wie entsteht ein Tauwasserausfall (kondensiert Wasser), initiativ organisierte Fensterlüftung (Selbstlüftung), in einem kühlen Verharrungszustand bleiben (kalt bleiben). Diese Mängel aber verzeiht man dem Autor wegen des Humors, den er gelegentlich aufblitzen lässt, und wegen seiner Sachkenntnis.


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