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  Die Fleischmafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen | Adrian Peter
 
 
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Die Fleischmafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen
Adrian Peter

Econ, 2006 - 208 Seiten

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Man glaubt es kaum: Allein in Niedersachsen wurden 2004 von 2.990 untersuchten Proben von Fleisch oder Fleischerzeugnissen 879 beanstandet. Das ist fast jede dritte. Stellt sich die Frage, was der Gesetzgeber machen würde, wenn der TÜV an jedem dritten Auto Mängel entdecken würde. Der Fernsehjournalist Peter Adrian ist ein akribischer Rechercheur. Deshalb hat er diese und viele andere Daten und Fakten in seinem höchst informativen Buch zusammengetragen.

Einer der Hauptgründe für die jüngsten Gammelfleischskandale: der Zusammenhang zwischen Gammelfleisch und dem Einsatz illegal beschäftigter Osteuropäer. Bei der Firma Berger-Wild beispielsweise hatte der Firmenchef Mitarbeiter über einen Subunternehmer aus Ungarn angeheuert. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg schreibt in einem anderen Fall: ?Von Arbeitern, die zwischen 12 und 18 Stunden täglich bei Stundenlöhnen zwischen 1,50 Euro und 4 Euro schuften und die in häufig verwahrlosten Unterkünften hausen müssen, kann man kaum erwarten, dass sie sich mit dem Lebensmittelhersteller identifizieren, geschweige denn mit dessen Produkt.? Das heißt im Klartext: Es fehlt an qualifiziertem Personal, weil das Dumping bei den Lebensmittelpreisen die Hersteller zu drastischen Kostensenkungen in allen Bereichen zwingt.

Ein weiterer Grund: Da der Kunde das Kilo Schnitzel möglichst billig an der Theke kaufen will, hat sich dahinter eine effiziente Fleischverarbeitungsindustrie etabliert. Adrian beschreibt eindrücklich die Branchenstruktur mit Megabetrieben. Zum Beispiel den Tönnies-Konzern, Deutschlands zweitgrößten Fleischverarbeiter. Im Stammwerk Rheda-Wiedenbrück werden täglich 20.000 Schweine geschlachtet. Das Fleisch landet bei den Billigketten LIDL, ALDI und REWE und bei McDonald?s. 2,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet der Konzern.

Adrian zeigt eindrucksvoll in seinem Buch, dass es nicht nur ein paar schwarze Schafe sind, die für die jüngsten Fleischskandale verantwortlich gemacht werden können. Es sind mehrere Gründe: Kriminelle Handlungen sind weiter verbreitet als bisher angenommen. Das Unrechtsbewusstsein in der Branche ist überdies wenig ausgebildet. Und wird der eine oder andere verurteilt, ändert sich nicht unbedingt sein Verhalten. Oft sind diese Kriminellen bald wieder in Fleischskandale verwickelt. Auch die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast bestätigt in ihrem Vorwort, dass die Billigpreisstrategie des Handels und der Verarbeitungsindustrie der Nährboden für kriminelle Machenschaften sind. Die Strukturen der Fleischmafia! -- Barbara Friedhelmi


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Wenn die Fleischpackung zum Ekelpaket mutiert

Adrian Peter will wissen, was auf den Tisch kommt. Der stellvertretende Chef vom Dienst der ARD-Sendung ?Report Mainz? deckt in seinem Buch schonungslos die kriminellen und mafiösen Strukturen der deutschen Fleischwirtschaft auf. Zur rechten Zeit ? der Fleischskandal ist gerade in eine neue Runde gegangen und hat uns Verbraucher wieder einmal aufgeschreckt ? zeigt Peter auf, welche (Um-)Wege gammeliges Fleisch nimmt, bis es in deutschen Pfannen ganz unbekümmert vor sich hin brutzelt und schmort. Seit 2003 war Peter auf der Jagd nach den Strippenziehern der Ekelpakete in Supermarktregalen. Er hat sich auf Schlachthöfen und bei Fleischherstellern umgetan und sehr genau geschaut, welches Süppchen dort gekocht wird: Allzu oft war?s Soljanka ? der Wochen- und sogar Monatsrückblick hinter unschuldig daherkommender Frischhaltefolie. Peter belässt es nicht nur beim allgemeinen moralischen Zeigefinger, sondern zeigt anhand konkreter Firmenbeispiele, dass die vorgeblich einzelnen schwarzen Schafe der Branche längst einen bedrohlichen Herdentrieb entwickelt haben.
Dabei widmet sich der Autor nicht nur den unappetitlichen Methoden, mit welchen altes müffelndes Fleisch zum scheinbaren Leckerbissen wird, sondern er enthüllt auch, wie organisierter Betrug, Korruption, Lohndumping und Menschenhandel in die Fleischbranche Einzug gefunden haben. Das gut recherchierte Buch ist nicht immer ?leichte Kost?, doch wer keinen Metzger seines Vertrauens hat und auf die Fleischtheke im Supermarkt angewiesen ist, sollte es lesen. Denn Peter macht einem zum Glück nicht nur das Steak madig: Er führt ebenso die Möglichkeiten vor, um den Gammelfleischskandalen ein Ende zu setzen. Wir Verbraucher besitzen dabei die wirksamste Waffe: Nur wenn wir bereit sind, mehr Geld für Fleischwaren auszugeben, können wir auch eine bessere Qualität erwarten ? hart aber wahr! So endet das mit einem Vorwort von Renate Künast versehene und in seiner Sachlichkeit durchaus spannende Buch für den Leser nicht mit Horrorszenarien, sondern findet einen hoffnungsvollen Schluss ? frei nach dem Motto: ?Damit Sie morgen wieder lustvoll zubeißen können!?


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NDR-Info Buchtipp von Sabine Rein

Buchtipp
Die Fleischmafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen
Vorgestellt von Sabine Rein

Dieser Mann steht auf Roten Liste der Fleischindustrie: Adrian Peter ist ein unnachgiebiger Reporter und hat uns schon häufig die Lust aufs Fleisch-Essen verdorben. Für das ARD-Magazin "Report Mainz" deckte er diverse Fleischskandale auf. Jetzt ist aus seinen Recherchen das Buch "Die Fleischmafia" entstanden, so aktuell wie die Nachrichten dieses Sommers.

Nachrichten-Mitschnitt: "Polizei- und Lebensmittelbehörden sind offenbar einem neuen Gammelfleischskandal.....jüngsten Fleischskandalen hat sich der Verdacht gegen einen niedersächsischen Großhändler offenbar bestätigt....nach Einschätzung des Verbandes hat der Gammelfleischskandal ein weit größeres Ausmaß...."

Stinkendes Fleisch, skrupellose Händler - warum, fragt sich der Verbraucher an der Fleischtheke, ist diese Branche offensichtlich so anfällig für kriminelle Machenschaften? Adrian Peter recherchiert schon lange hinter den Verantwortlichen her, die die Branchenführer allzu gerne als "schwarze Schafe" bezeichnen. Für ihn ist klar: es sind die hohen Gewinnspannen, denn mit Verdorbenem lässt sich doppelt verdienen:

Peter: "Die Entscheidung ist sozusagen immer: Geld auszugeben für ein Produkt, was nichts mehr taugt, um es zu entsorgen oder damit noch Geld zu verdienen. Und wenn man mit etwas verdient, was eigentlich Müll ist, was keinen Wert hat, ist es sozusagen immer reizvoll und zieht natürlich auch kriminelle Energie an."

In seinem Buch "Die Fleischmafia" zeigt Peter die Strukturen der Branche auf, berichtet vom System der Sub- und Sub-Sub-Unternehmer, für deren "kreative Vertriebswege" -Zitat eines Staatsanwalts, die Großen die Verantwortung ablehnen:

Zitat: " Was glaubten seine Lieferanten, würde er mit dem Fleisch tun, das sie ihm zu Spottpreisen verkauften, weil es sonst keine Abnehmer mehr fand?"

Illegales etwa? Klar ist: Es gibt keinerlei gesetzliche Vorschriften darüber, wie lange Fleisch zu lagern ist - ob es genusstauglich ist oder nicht, entscheidet der Produzent, bzw. der Händler. Und der druckt dann das Mindesthaltbarkeitsdatum auf - wann das Schwein geschlachtet wurde, wie lange es gelagert ist, darüber erfährt der Kunde nichts.

In Adrian Peters Buch aber kann er zum Beispiel die "bewegte" Geschichte einer Partie Paprika-Steaks nachlesen, die mehrmals hin und her transportiert und erst etwa ein Jahr nach Herstellung verkauft werden konnten. Ganz ohne öffentlichen Skandal.

Aber nicht nur um grüne, gammelige Würste und Schnitzel, katastrophale hygienische Bedingungen in einigen Betrieben und neue Verpackungen für alte Ware geht es in den gut 200 Seiten.

Fassungslos macht auch, was Adrian Peter über die Lebens- und Arbeitsbedingungen tausender osteuropäischer Arbeiter in unseren Schlachthöfen berichtet. Angeworben über Subunternehmer als angebliche Fach-Mitarbeiter polnischer, rumänischer oder ungarischer Schlachtbetriebe geraten sie hier in ein Zwangssystem von Doppelschichten, illegaler Beschäftigung und Arbeit mit Gammelfleisch- wer aber den Mund aufmacht, sagt Peter, muss mit Rauswurf rechnen - ohne Lohn. Und der Gesetzgeber sieht zu:

Zitat: "Also mir ist es schleierhaft und ich halte es für skandalös, dass die Politik jahrelang zusieht, wie wir einen de facto Sklavenhandel in einer Branche dulden, bei dem Menschen für 1,20 ausgebeutet werden zum Teil als Stundenlohn."

Adrian Peter erzählt Geschichten von miesen Geschäften mit Fleisch und Menschen - so auch der Untertitel - er nennt Namen von Betrieben in allen Teilen Deutschlands, beschreibt die Arbeit engagierter Staatsanwälte, die es schwer haben, Beweise zu finden, auch, weil das Gammelfleisch oft längst verzehrt ist. Und er verweist auf das Dilemma, das die Landkreise mit der Überwachung haben:

Peter: "Wer zu stark kontrolliert, wer die Betriebe sozusagen "kaputt-kontrolliert?, lebt mit der Gefahr, dass die Betriebe sagen, dann gehe ich eben woanders hin, wo lascher kontrolliert wird."

Man kann auch nach der Lektüre des Buches noch Fleisch essen, so wie der Autor selbst auch, aber sage danach niemand mehr, er habe es nicht gewusst.



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Financial Times Deutschland

Kadavergehorsam
von Sven Nagel
Beim Herstellen von Wurst, erzählt der Fleischermeister, "da gibt's unbegrenzte Möglichkeiten". Offenbar auch, wenn Fleisch anschließend in den Handel kommt. Das fällt allerdings nur auf, wenn wieder ein Skandal hochkocht.

In einer Dönerfabrik werden rohes Fleisch und Mett zu einem Dönerspieß verarbeitet Dann geht es um verseuchtes Tiermehl, Rinderwahn, umdeklarierte Schlachtabfälle, hormonhaltiges Geflügel, neue Etiketten auf altem Fleisch - die Liste ist ekelhaft und endlos. Adrian Peter, Redakteur beim ARD-Magazin "Report", hat die Ergebnisse langjähriger Recherchen in ein aufschlussreiches Buch gepackt. "Die Fleischmafia" dokumentiert detailreich die kriminellen Machenschaften großer und kleiner Fleischhändler, von Schlachtereien und Subunternehmern.

Peter geht es nicht um Panikmache. "Die meisten Tricksereien mit Fleisch fallen in den Bereich der 'Ekelerregung'", schreibt er, "schwerwiegende gesundheitliche Gefährdungen sind tatsächlich eher die Ausnahme." Peter will zeigen, auf welchen dubiosen Wegen das Fleisch in die Läden und auf den Tisch kommt. Der Reporter staunt selbst über die Ergebnisse seiner Nachforschungen: "Die Fleischbranche ist in einem Maße für Kriminalität anfällig, wie man es sonst eher aus dem Rotlichtmilieu kennt: Gewerbsmäßiger Betrug, Körperverletzung, illegaler Waffenbesitz, Menschenhandel, Dokumentenfälschungen, Drogenhandel, Brandstiftung sind nur einige Delikte, auf die ich im Laufe der Jahre bei meinen Recherchen gestoßen bin."

Die Fleischwirtschaft hat sich in ihrer Praxis der Baubranche angeglichen. Es herrscht ein Sub-Sub-Sub-Unternehmersystem, bei dem alle Beteiligten formal vollkommen selbstständig agieren. Meist läuft das so: Der Fleischkonzern beauftragt das Schlachten und Zerlegen als "Gewerk". Den Auftraggeber interessiert einzig, was hinten rauskommt, nämlich verkaufsfertige Fleischwaren. Wie der Auftragnehmer diesen Job erledigt, ist formal seine Sache. Inzwischen haben die großen Schlachtbetriebe so gut wie keine Stammbelegschaften mehr. Fest angestellt sind häufig nur noch die Mitarbeiter der Verwaltung und einige Produktionsleiter.

Die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU ermöglicht seit 2004 allen Firmen in den Beitrittsländern, Aufträge in Deutschland anzunehmen. Die können Dienstleistungen zu den sozialen Bedingungen des Heimatlandes anbieten, also konkurrenzlos günstig. Bei der Firma Westfleisch in Coesfeld kommen laut Betriebsrat mehr als zwei Drittel der mehr als 3000 Beschäftigten über Subunternehmer in den Betrieb. Die osteuropäischen Schlachter arbeiten für 1,50 bis 4 Euro die Stunde 12 bis 18 Stunden täglich unter erbärmlichen Bedingungen, die man kaum dem Schlachtvieh zumuten würde.

Der Wettbewerb unter den Produzenten und Subunternehmern ist brutal. Sieben Millionen Tonnen Fleisch werden jedes Jahr in Deutschland produziert - schätzungsweise 30 Prozent mehr, als die Verbraucher konsumieren. Die Fleischproduzenten haben sich bislang nicht auf einen Abbau der Überkapazitäten einigen können. Die Folge ist ein ruinöser Wettbewerb, der zu einem verheerenden Preisverfall geführt hat.

Trotz Überproduktion taucht regelmäßig so genanntes Retourfleisch in Läden auf. Gemeint ist damit Schlachterware, die Kunden zurück an den Hersteller schicken, sobald es einen Grund zur Beanstandung gibt. Egal, was bemängelt wurde, es greift die gängige Praxis: aufreißen, auspacken, neues Etikett drauf mit neuem Haltbarkeitsdatum und zurück damit in den Handel. Dieses Vorgehen ist nicht einmal strafbar, solange das Fleisch in einwandfreiem Zustand ist und die so genannte Genusstauglichkeitsbescheinigung erhält.

Die Behörden sind personell kaum in der Lage, gründlich zu prüfen. "Bundesweit kommen auf einen Lebensmittelkontrolleur 600 zu kontrollierende Betriebe", hat der Autor ausgerechnet. Oft wird nur mit Augen und Nase geprüft. Sollte das Schnitzel stinken oder nicht mehr wie frisches Fleisch aussehen, hilft immer noch eine kräftige Marinade. Peter dokumentiert ein einigermaßen ekelhaftes Beispiel: Die Einkäufer der Rewe-Kette hatten eine ganze Lkw-Ladung "Südamer Roastbeef" zurückgehen lassen. Begründung: Das Fleisch sei unansehnlich und grau. Nach einigen Monaten im Kühlhaus wurde die Ware aufgetaut, ausgepackt, mariniert und als Rumpsteak an Aldi England verkauft. "Die Marinade deckt alles zu", zitiert Peter einen Zeugen.

Von Gesetzen, die Verbraucher davor schützen sollen, hält Adrian Peter nicht viel. Er setzt auf die Die öffentlichen Kontrolleure seien überfordert, die Regeln zu lax. Peter setzt auf die Macht der Verbraucher und der Öffentlichkeit: "Nichts trifft Unternehmen härter als das öffentliche Outing ihrer kriminellen Machenschaften." Der Fernsehjournalist warnt davor, Beschwichtigungen zu glauben, es handele sich um einzelne schwarze Schafe. "Kriminelle Handlungen sind in der Fleischbranche viel verbreiteter, als die Anzahl von öffentlich wahrgenommenen Skandalen vermuten lässt." Bis der nächste Skandal bekannt wird, sei es nur eine Frage der Zeit.

Fleisch, so hieß es früher, sei ein Stück Lebenskraft. Wenn es sich denn um Fleisch handelt und nicht um illegal verschacherte Abfallprodukte. "Im Endeffekt", meint ein Fleischermeister, "ist das Billigfleisch bei manchen Discountern immer noch viel zu teuer. Wenn Sie sehen, was Sie für Ihr Geld bekommen: Schlachtabfälle, künstliche Enzyme, Bluteiweiße und Wasser. Mit Fleisch hat das ja kaum noch was zu tun." Es gibt eben unbegrenzte Möglichkeiten.




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Louis de Funes Tricatel ist dagegen Nahrungsromantik

Hervorragende empirische Studie im Stil des gut lesbaren, investigativen Journalismus. Der Nomos der Gegenwart manifestiert sich in den Schlachthöfen - eine Beobachtung, die nicht zuletzt Roberto Calasso auf dichterisch-philosophische Art auch im "Untergang von Kasch" verarbeitet. Ein längst überfälliges Buch, dem ebenso hohe Verbreitung wie dem Stichfleisch, Scherbenplasma und Separatorenfleisch zu wünschen wäre. Aufgrund des langen MHD (Mindeshaltbarkeitsdatum) und der traurigerweise wahrscheinlich noch sehr lange währenden Aktualität, würde sich die Studie auch (als verbilligte Ausgabe) für Bildungszentralen eignen. Aufgrund des brisanten Inhalts aber, so muß angesichts diverser Verpflichtungen und Verflechtungen von Politik und ökonomisch relevanter Fleischindustrie befürchtet werden, droht die "Umettiketierung" zum Persilschein für die vielen noch nicht überführten(und im Buch genannten) mafiosen Betriebe. Wer nach dieser Lektüre die ökologische Landwirtschaft immer noch für eine überflüssige Spinnerei hält, der hat in der Tat einen reizfesten Magen und ein hohes Verdrängungspotential.


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Die Zeit 19.10.2006

DIE ZEIT, 19.10.2006 Nr. 43

Einfach igitt
Das Buch zum Steak - »Die Fleischmafia« guckt über den Tellerrand und enthüllt üble Geschäftemacherei. Von Sabine Sütterlin

Grünlich schimmerndes Hack oder uralte Rumpsteaks, deren muffiger Geschmack von würziger Marinade getarnt wird - das ist widerlich, klar. Daran gestorben ist glücklicherweise noch niemand. Und wer nicht essen will, was ihm eine von rasendem Preisdumping angetriebene Industrie auf den Teller schmuggeln will, hat außerdem beim Einkauf die freie Wahl - und bald auch noch ein neues Verbraucherschutzgesetz, das Transparenz schaffen soll.

Bauchgrimmen müsste dem Verbraucher indes verursachen, was in der aktuellen Berichterstattung über die ungeheuerliche Schlamperei in Schlachtbetrieben nur am Rande Erwähnung findet: dass bei der Herstellung solcher Erzeugnisse die Menschenrechte oft mit Füßen getreten werden.

Der Journalist Adrian Peter, damals freier Mitarbeiter, heute stellvertretender Chefredakteur der ARD-Sendung Report Mainz, erhielt im Frühsommer 2003 von einem Zuschauer den Hinweis, rumänische Arbeiter würden in deutschen Schlachthöfen zu Hungerlöhnen ausgebeutet. Im Zuge seiner Nachforschungen stieß Peter nebenher auf unsägliche hygienische Zustände und auf Anordnungen, nach denen die Arbeiter Fleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum umpacken mussten, um es als Frischware an Billiganbieter zu liefern. Vor allem aber entdeckte Peter, dass die Fleischbranche »in einem Maße für Kriminalität anfällig (ist), wie man es sonst eher aus dem Rotlichtmilieu kennt: Gewerbsmäßiger Betrug, Körperverletzung, illegaler Waffenbesitz, Menschenhandel, Dokumentenfälschungen, Drogenhandel, Brandstiftung sind nur einige der Delikte, auf die ich im Laufe der Jahre bei meinen Recherchen stieß.« Seine Erkenntnisse präsentierte Peter in verschiedenen Sendungsbeiträgen und Anfang dieses Jahres in dem Fernsehfilm Die Fleischmafia. Jetzt hat er sie zum Nachlesen aufbereitet - wie bestellt zu den jüngsten Gammelfleischfunden. Nüchtern und sachlich dokumentiert der Autor Ortstermine und Aktenfunde, Interviews mit Staatsanwälten und Lebensmittelkontrolleuren, mit Managern und Subunternehmern - die hier endlich einmal beim Namen genannt werden - und mit Arbeitern, von denen manche lieber anonym bleiben. Die Lektüre raubt einem fast den Atem.

Die gesetzliche Regelung der Dienstleistungsfreiheit im größer gewordenen Europa bietet Schlupflöcher, die von kriminellen Elementen skrupellos ausgenutzt werden: Firmen im Ausland müssen dort von Rechts wegen einen funktionierenden Schlachthof betreiben, um Aufträge aus Deutschland annehmen zu können. Vor Ort fand Adrian Peter jedoch oft nur eine Briefkastenadresse. Nach den Sozialabkommen mit den osteuropäischen Ländern dürfen deutsche Unternehmen festgelegte »Kontingente« von Arbeitern für eine begrenzte Zeit beschäftigen, die von Rechts wegen deutsche Löhne erhalten sollen. De facto ist daraus ein regelrechter Menschenhandel entstanden, bei dem Polen, Rumänen und andere Osteuropäer für Hungerlöhne Knochenarbeit am Fließband verrichten, in engen Unterkünften eingepfercht und durch drastische Einschüchterungsmaßnahmen zum Kuschen gebracht werden. Als einige Rumänen die paar Euro Gehalt einzufordern wagen, die ihnen zustehen, rücken sogar mit Baseballschlägern bewaffnete Prügler an. Und wenn es in der Produktion Probleme gibt, wenn etwa wegen Lohndumpings oder überlangen Arbeitszeiten ermittelt wird, dann waschen die Unternehmer, wie ein Staatsanwalt sagt, »die Hände in Unschuld und sagen, das ist nicht unser Problem, wir wissen nicht, was bei dem Subunternehmer los ist«.

Die gnadenlose Ausbeutung osteuropäischer Arbeiter zeige, dass die wenigsten Fleischbosse ein soziales Gewissen besäßen, schreibt Adrian Peter: »Dass sie verantwortungsvoller mit dem Produkt Fleisch oder dem Verbraucherschutz umgehen, ist insofern kaum zu erwarten.«






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